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Gliederung

1. Über die alten Schleswiger Brauereien

2. Bairische Bierbrauerei Blöcker und Eiskeller

3. Dampfbrauerei Brüning und Eiskeller

4. Nissen´sche Brauerei und Lager-/Eiskeller

5. Die Eiskeller von Schloß Gottorf

6. Eishaus vom Heeresverpflegungsamt

7. Eiskeller der Irrenanstalt

8. Eiskeller Hotel Stadt Hamburg

9. Eishaus Schlachterei Rasch

 

 

1. Über die alten Schleswiger Brauereien

Von alters her wurde auch in Schleswig Bier gebraut, das als „Volksnahrung“ hauptsächlich von den einfachen Leuten konsumiert wurde. Erst im 15. und 16.Jahrhundert kamen spanische und französische Weine ins Land, die nur für den gehobenen Stand erschwinglich waren, ebenso wie Kaffee oder Tee. Aber auch der Adel verschmähte das einträgliche Geschäft des Bierbrauens nicht und 1402 wurde den Rittern verboten, mehr Bier zu brauen, als sie für den Eigenbedarf benötigten, weil sonst die Brauereien beeinträchtigt worden wären.

Die vielzähligen Brauereien, die es im Stadtgebiet gegeben hatte, waren hauptsächlich kleine, einfach ausgestatte Betriebe. Der Bierbrauer benötigte neben den geeigneten Räumlichkeiten lediglich eine Darre, den Braukessel sowie einige Bottiche. In der Regel war das Bierbrauen nur eine Nebentätigkeit, der Brauer übte als Haupterwerb einen anderen Beruf aus. Vielfach war es üblich, der Brauerei eine Landwirtschaft mit Viehhaltung anzugliedern, da die Braurückstände an die Tiere verfüttert wurden.

Die kleinen Brauereien waren nicht immer wählerisch bei den zur Biergewinnung benötigten Zutaten. So mußte z.B. der Hopfen von auswärts eingeführt werden, was die Bierherstellung deutlich verteuerte. Um dem Bier nun die nötige Farbe und Geschmack zu geben, verwendeten gewissenlose Brauer anstatt des Hopfens die damals in den heimischen Mooren wildwachsende Myrte (myrica gale) oder die ebenfalls dort vorkommende Rosmarinheide (ledum palustre), im Volksmund auch als „Post“ bekannt. Um die Verwendung dieser gesundheitsschädlichen Stoffe zu unterbinden, wurde 1623 eine landesherrliche Verfügung erlassen, die den Brauern gebot, das Bier aus gutem Malz zu brauen sowie Hopfen und keinen Post zu benutzen. Gleichzeitig wurde das Anlegen von Hopfengärten empfohlen, die in jeder größeren Stadt vorhanden waren.

In Schleswig wurde überwiegend das einfache Braun- und Weißbier hergestellt. Heinrich Philippsen schreibt, dass die Schleswiger zumindest bei den Hauptfesten wie z.B. am Andreasabend, beim Papagoienfest (Gildefeier), dem Maigrafenfest sowie der Ratsfeier auch gerne „fremde Biere“ getrunken haben. Beliebt waren das Eckernförder Bier, die sogenannte „Cacabille“ und das Rostocker Bier. Feinschmecker konsumierten das Hamburger Bier und das Eimbeker Bier, sie gehörten seit Jahrhunderten zu den ersten Biermarken im Norden.

Um einen Überblick über die angesiedelten Brauereien in Schleswig zu erhalten, hat Philippsen die Steuerlisten der Stadt aus dem Anfang des 18.Jahrhunderts ausgewertet. Demnach gab es seinerzeit folgende 17 Brauereibetriebe im Stadtgebiet.

Name und Beruf alte Quartiersbezeichnung heutige Adresse
bei Claus Detleffsen, Mälzer und Krüger I.Quartier 67 Gallberg 24
bei Cornelius Pahlen, Witwe, Brauerin II.Quartier 162 Michaelisstraße 18
Magnus Lebenhagen, Witwe, Brauerin III.Quartier 1, 2, 3 ,4 Schlachterstraße
Matthias Tollitz, Mälzer III.Quartier 25 Langestraße
Hans Hoeck, Brauer III.Quartier 43 Marktstraße 12
Aßmus Fr. Bartelsen, Kaufmann und Brauer IV.Quartier 34 Fischbrückstraße 3
Jens Christians, Brauer und Höker IV.Quartier 35 Fischbrückstraße 5
Jacob Arboe Witwe, Brauerin V.Quartier 14 Langestraße 9
Peter Behling Witwe, Brauerin VI.Quartier 1 Hafengang 1, 1a, 3, 5
Chr. Dircksen, Brauer und Mälzer VII.Quartier 168 Stadtweg 91
Henningesen Witwe, Brauerin VII.Quartier 223 Lollfuß 33
Friedr. Joachim Krappe, Brauer und Mälzer VII.Quartier 247/248 Lollfuß 87, 89, 91, 93
Jacob Lorentzen, Weinschenk und Brauer VIII.Quartier 49 Friedrichstraße 73
Samuel J. Schultz, Glaser und Brauer VIII.Quartier 55 Friedrichstraße 83
Marx Bröcker, Brauerei und Grobbäckerei VIII.Quartier 72 Friedrichstraße 113
Christopher Voigt, Brauer VIII.Quartier 114 Friedrichstraße 104
Rudolph Walter, Brauer und Mälzer VIII.Quartier 261/262 Rudolfsberg 10/12

Ein altes Brauhaus wird von Philippsen genauer beschrieben. Es handelt sich um die Jacobsen´sche Brauerei, die im Bereich der Schlachterstaße / Langestraße neben dem Hohen Tor angesiedelt war. Die Brauerei mit Bierausschank hatte auch den Namen „Alte Börse“, unter dem sie weit über Schleswig hinaus bekannt war.

Gegen Ende des 17 Jahrhunderts ging die Brauerei in den Besitz des Brauers Magnus Lebenhagen über. Nach weiteren Eigentümerwechseln erwarb Ende des 18 Jahrhunderts der Deputierte Jacobsen die alte Brauerei. Unter Jacobsen blühte nicht nur der Brauereibetrieb, sondern auch die angeschlossene Landwirtschaft wieder auf. Bis in die 70er Jahre des 19.Jahrhunderts blieb das Brauhaus in den Händen der Familie Jacobsen. Es folgte eine Parzellierung des Grundstückes und der Verkauf an den Brauer H. Lorenzen. Die Brauerei wurde schließlich zusammen mit dem Hohen Tor im Jahr 1883 abgebrochen.

Lediglich das Stallgebäude der alten Jacobsen´schen Brauerei blieb zunächst erhalten. Der Stall wurde Ende der 70er Jahre des 19.Jhd. zur Gastwirtschaft „Torhalle“ umgebaut (Langestraße 25). Im Rahmen der Altstadt-Sanierung wurde auch die Torhalle Ende der 60er Jahre des 19.Jhd. abgebrochen.

 

Lange Straße

Das Hohe Tor in der Langen Straße.
Lange Straße

Die Gaststätte „Torhalle“, Lange Straße 25.

 

2. Bairische Bierbrauerei Blöcker und Eiskeller

Die erste große „Bairische Bierbarauerei“ wurde von der Besitzerin des Hotels „Stadt Hamburg“ Doris Esselbach in den Jahren 1849/50 gebaut. Die Nachfrage nach bairischen Bier kam in Schleswig auf, als im Kriegsjahr 1849 deutsche Reichstruppen u.a. aus Bayern in den Norden verlegt wurden. Im „Stadt Hamburg“ wurden von Madame Esselbach auch Militärangehörige beherbergt, so dass sie auf die Idee kam, eine eigene Brauerei für das gefragte bairische Bier zu errichten.

Diese erste große Brauerei Schleswigs ließ Madame Esselbach auf dem Gelände der 1707 eingegangen Gottorfer Ziegelei, heute Flensburger Straße 6, (VII.Quartier Nr.274) bauen. Als es ihr wirtschaftlich schlechter ging, verkaufte sie 1862 die Brauerei an den Bierbrauer Christian Blöcker aus Neumünster. Helgo Klatt schrieb über die Brauerei :

„Madame Esselbach kam wie gesagt in den 60er Jahren in wirtschaftliche Bedrängnis und verkaufte die „Bairische Bierbrauerei“ am 01.Oktober 1862 an Christian Blöcker aus Neumünster, der die Firma weiterführte unter der Bezeichnung „Bairisch und Weißbierbrauerei an der Flensburger Chaussee“ neben dem Lollfuß (1863). Am 27.August 1862 zeigt er den Verkauf von Seye an, die als Rückstände der Brauerei als Malztreber ein beliebtes Viehfutter waren.

50 Jahre hat der Brauereibesitzer Blöcker sein Braugeschäft betrieben, das sich durch seine emsige Arbeit bestens entwickeln konnte. Am Tage des 50jährigen Bestehens starb Christian Blöcker am 01.Oktober 1912. Pastor Lorenzen würdigte im Braugebäude die tätige Arbeit des Verstorbenen.“

 

Eiskeller Flensburger Straße

Flensburger Straße 6 (rot), Lage des Gewölbekellers (blau)
Eiskeller Flensburger Straße

Lageplan 1918, der Eiskeller ist gestrichelt eingezeichnet.

 

Im Jahr 1918 werden die Gebrüder Rasch als Eigentümer genannt. Sie hatten die Absicht, auf dem Grundstück Gefrierfleisch produzieren. Aus diesem Grunde wollen sie ein neues Kesselhaus bauen und das vorhandene Brauerei- und Wohnhaus umbauen. In dem Bauantrag der Gebr. Rasch heißt es, daß 1500 Rinder in dem vorhanden Keller eingefroren werden sollen und daß dieses Gefrierfleisch von militärischem Interesse sei. Die Tiere sollten im Betrieb an der Plessenstraße geschlachtet und in den Räumlichkeiten in der Flensburger Straße eingefroren werden.

Im Jahre 1927 beabsichtigte die Schleswiger Sanitätsmeierei e.G.m.b.H die von der Fa. Rasch nicht mehr genutzten und leerstehenden Fabrikgebäude zu mieten, um dort einen vorrübergehenden Meiereibetrieb einzurichten, bis der Neubau der Meierei fertiggestellt ist. Zu diesem Zeitpunkt müssen die Kellergewölbe und ein Packhaus schon an die Käseverwertung Schleswig-Holsteinischer Meiereien Kiel verpachtet worden seien, denn als Pachteinnahmen werden im Jahr 1928 RM 2000,00 von der Käseverwertung erzielt. Die Sanitätsmeierei zahlte eine Pacht von RM 1200,00 und die Wohnungsvermietung brachte noch weitere RM 1050,00 ein.

In diesen Jahren versuchte Gustav Rasch, der einige Räumlichkeiten von der Bauernhand A.G. (Gebr. Rasch A.G.) gemietet hatte,eine KFZ-Werkstatt (Garagen-& Autoreparatur Schleswig) auf diesem Gelände zu betreiben. Der Antrag für das Betreiben einer Werkstatt wird von der Polizeiverwaltung aber abgelehnt mit dem Hinweis auf die zu erwartende Lärmbelästigung. Merkwürdigerweise ist auf der anderen Straßenseite aber eine KFZ-Werkstatt genehmigt worden. Im Jahr 1930 beabsichtigte Rhenania-Ossag Miniralölwerke (Shell) auf dem Gelände von Gustav Rasch eine Benzin-Zapfstelle einzurichten.

Im Januar 1936 wurde geplant, die Gebäude einschließlich des Kellergewölbes für den öffentlichen Luftschutz herzurichten. Weiterhin sollten auch eine Sanitätsrettungsstelle und eine Entgiftungsanstalt in dem Keller unter dem Haupthaus eingerichtet werden. In den darauffolgenden Jahren sind auch Umbaumaßnahmen durchgeführt worden, dies ist aus verschiedenen Rechnungen über Materiallieferung ersichtlich.

In einem Schreiben der Käseverwertungsgesellschaft Kiel, die in diesen Jahren das Kellergewölbe gemietet hatte, an das Stadtbauamt Schleswig wird beklagt, daß durch den Einbau der Gasschutztüren die Breite der einzelnen Türen und Durchgänge im Keller verengt wurden, sodaß die Lagerkarren nicht mehr hindurch passen. Die Käseverwertungsgesellschaft forderte, daß entsprechend breitere Schutztüren eingebaut werden. Weiterhin heißt es, daß der Lagerkeller zu dem Zeitpunkt leerstehen würde, aber Anfang 1940 sollte wieder Käse eingelagert werden. Insgesamt wurden 9 Schutzräume geplant: 3 im Kellergewölbe, 2 im unterirdischen Quergang, der Haupt-und Nebengebäude miteinander verband und der einzige Zugang zum Kellergewölbe war und 4 Schutzräume im Keller unter dem Haupthaus. Das gesamte Volumen wird im September 1939 mit 1862 cbm angegeben. Jeder Person wurde etwa 3 cbm Raum zugestanden, demnach sollten theoretisch etwa 620 Personen in dieser Anlage Schutz finden. Nach dieser Berechnung wäre das Rasch-Anwesen die größte LS-Anlage in Schleswig gewesen. Es ist jedoch zu beachten, daß in den Kriegsjahren viele Planungen stattgefunden haben, in welchen Umfang diese dann auch realisiert werden konnten (Materialbeschaffung usw.) ist unklar. In späteren Verzeichnissen über LS-Einrichtungen wird die Personenzahl mit 250 angegeben, somit wäre der Eiskeller im Lollfuß mit 330 Personen etwas größer. Das Kellergewölbe wurde jedenfalls LS-mäßig ausgebaut, die Maurer- u. Zimmerarbeiten waren bereits 1939 nahezu fertiggestellt und es erfolgte auch die Herstellung von Sitzbänken. 1941 heißt es nach einer Überprüfung der öffentlichen LS-Räume, daß die Räumlichkeiten in der Adolf-Hitler-Str. 6 gas-, splitter-und trümmersicher sind. Nach Angaben von Zeitzeugen wurde der Gewölbekeller bei Luftalarm von vielen Personen aufgesucht.

Die beiden Längsstollen, die in den Berg hineinführen, hatten eine Länge von 17m, das Gewölbe eine Höhe von 5,50m. Die Breite eines Stollen betrug 5,40m. Die beiden Entlüftungsschächte hatten eine Höhe von 4m (Gewölbedecke bis Oberkante Schacht).

Der hintere Querstollen war 20m lang und 5,40m breit mit einer Höhe von 5,20m. Der Entlüftungsschacht hatte eine Höhe von 6,40m (gemessen wie die anderen beiden). Laut Plan gab es zwei Eingänge, die von einem 3,30m hohen unterirdischen Quergang in die Längsstollen führten. Dieser Quergang hat das Haupthaus mit dem Nebengebäude verbunden.

 

Eiskeller Flensburger Straße

Querschnitt Gewölbekeller
Eiskeller Flensburger Straße

Längsschnitt Gewölbekeller

 

 

Eiskeller Flensburger Straße

In diesem Hang befinden sich die Reste des Gewölbekellers.
Eiskeller Flensburger Straße

Die beiden verschlossenen Luftschächte der Längsstollen.

 

1947 beantragte die Schleswiger Soda & Selterwasserfabrik Kötter & Vogt ihre Produktionsräume von der Lollfuß-Apotheke (Lollfuß 41) in die nicht mehr genutzten Fabrikgebäude und Kellergewölbe in der Flensburger Straße zu verlegen. Offensichlich war Kötter & Vogt auch eine Zeitlang dort anwesend, denn im Mai 1947 wurde von der Firma beantragt, ein Firmenschild dort anbringen zu dürfen.

1950 war bereits die Firma August Walbohm jun. Weine und Spirituosen in der Flensburger Strasse 6 ansässig. Eigentümer war zu dem Zeitpunkt aber immer noch die Gebr. Rasch A.G. In der Baubeschreibung vom Juni 1951 heißt es, daß die Fa. Walbohm plant, eine Mosterei einzurichten. Bis dahin diente das Gebäude dem Spirituosenhandel, das Kellergewölbe wurde als Lagerkeller genutzt. In den folgenden Jahren muß Herr Walbohm das Grundstück erworben haben, denn in einem Bauantrag von 1956 wird er als Eigentümer aufgeführt.

Nachdem Wabohm jun. Ende der 60er Jahre seinen Betrieb aufgegeben hatte, wurden die Altbauten 1971 abgebrochen, um auf dem Grundstück ein Appartemnethaus zu errichten.

Im Oktober 1971 wurden die Anwohner des Hesterberges 17 und 19, Jensen und Petersen, von der Stadt Schleswig aufgefordert, als Anwohner des Baugebietes ihr Einverständnis zur Baumaßnahme zu geben. Dieses Einverständnis gaben die beiden Anwohner auch ab, allerdings war sie an bestimmte Auflagen für die Firma baltic-bau gebunden.

In den Auflagen vom Januar 1972 erklärte baltic-bau, „einen noch vorhandenen Teil eines Käsekellers und dessen vorhandene Entlüftungsschächte zu entleern bzw. zu verfüllen.“

Im Februar 1972 erfolgte eine schriftliche Vereinbarung zwischen der Firma baltic-bau und des Anwohners Petersen. Darin heißt es u.a. den Käsekeller, „dessen Tiefe unter dem Grundstück des Herrn Petersen nicht bekannt ist“ und dessen Lüftungsschächte „durch Auffüllen mit druckfesten Stoffen gemäß Bauauflage zu entfernen.“

 

Eiskeller Flensburger Straße

Die von Rasch umgebaute ehem. Brauerei 1918.
Eiskeller Flensburger Straße

Appartementhaus Flensburger Straße 6 (2007).

 

Im März 1977 beklagten diese beiden Anwohner in einem Schreiben an die Untere Bauaufsichtsbehörde Schleswig, daß bestimmte Auflagen noch nicht erfüllt worden seien, dazu gehören die Böschungsneigung, der nicht abgebrochene Käsekeller sowie eine Stützmauer.

Im Januar 1978 wurde eine Ortsbesichtigung durchgeführt, anwesend waren ein Vertreter des Bauamtes, die Anwohner Petersen und Hass (Nachfolger Jensen) sowie zwei Vertreter der baltic-bau. Das Ergebnis war, daß die Anwohner jeweils einen Betrag von 500,00 DM von der baltic-bau als Entschädigung erhielten (es ging auch um möglichen Schadensersatz, falls ein Teil des Hanges abrutschen sollte). Anscheinend war die Angelegenheit für die Anwohner damit erledigt.

Drei Jahre später, im Nov. 1981, fragte der damalige Verwalter des Wohnkomplexes, die hgv Densch & Schmidt Flensburg, bei der Stadt Schleswig an, wofür ein 8m tiefer Schacht im Hang dient und wer die Verantwortung für diesen trägt. Es folgte eine Ortsbesichtung durch Mitarbeiter des Bauamtes, anschließend wurde dem Verwalter geraten, die Schächte verfüllen zu lassen.

Zu diesem Zeitpunkt bemerkte eine Anwohnerin, daß regelmäßig Fledermäuse diese Schächte aufsuchen. Kurze Zeit später sind die Schächte mit Zement zumindest abgedeckt worden, über eine Verfüllung gibt es keine Unterlagen.

3. Dampfbrauerei Brüning und Eiskeller

Etwa zeitgleich mit der Bairischen Bierbrauerei der Madame Esselbach wurde die Brüning´sche Dampfbrauerei neben dem heutigen Amtsgericht auf dem Grundstück Lollfuß 76 gebaut ( VII.Quartier Nr.88). Das Wohnhaus, der ehemalige Brockdorff´sche Hof, blickt eine auf Reihe von Eigentümern zurück, die an dieser Stelle nur der Vollständigkeit wegen aufgelistet werden :

– Anfang des 18.Jhd. : Seine Exzellenz, der Konferenz- und Landrat, Präsident Detlef v. Brockdorff, kaiserlicher Kammerherr, hochfürstl. Geheimbter Rat, Erbherr auf Saxdorff und Groß-Nordsee

– 1738 Justizrat und Amtsverwalter Markus Lange

– 1758 Johann Rudolf v. Ahlefeld auf Damp und Saxdorff

– 1775 Kammerherr Cai v. Rantzau

– 1777 Obersten Adolf v. Köppner

– 1796 Oberkriegskommissar Schiern

– ? Kammerherr Bernd Hartwig v. Levetzow

– 1803 Staatsrat und Physikus Suadicani

– 1835 Etats- und Regierungsrat Kraus

– 1847 Regierungsrat Wulf Henning v. Rumohr

– 1850 Kirchenjurat Heinrich Friedrich Brüning

Heinrich Friedrich Brüning hatte das Gewese Lollfuß 76 für seinen Sohn und seinen Enkel erworben. 1850 ließ der Gastwirt Joh. Brüning eine Brauerei einschließlich Felsenkeller errichten, die er mit einem Bierausschank verband, dessen Räumlichkeiten im Wohnhaus eingerichtet waren. Die Brüning´sche Gastwirtschaft wurde einige Jahre später zum Versammlungsort der patriotischen Gesellschaft „Brüder der Schlei“, einer zwanglosen Vereinigung Schleswiger Bürger zur Pflege deutscher Interessen gegenüber der „dänischen Gewaltpolitik“. In Schnittgers Erinnerungen heißt es :

Um diese Zeit (1851) war das besuchteste Lokal an den Sonntagnachmittagen das Brüningsche. Der Vater des vor einigen Jahren verstorbenen Bierbrauereibesitzers Brüning hielt nämlich in der damaligen Brauerei noch eine Bierstube. Dieses Lokal bestand in drei hintereinander liegenden, geräumigen Zimmern, in dem ersten stand ein Billard, im zweiten saßen die Kartenspieler und im dritten unterhielt man sich.

Die Besucher hörten durchgehend dem Bürgerstande an, Beamte traf man hier nicht, da dieselben fast alle geborene Dänen waren und Brüning es verstanden hatte, den Dänen sein Lokal zu verleiden. Unliebsame Gäste wußte Brüning dadurch zu entfernen, dass er an sie herantrat mit den Worten : „Stah op, dor sit ick.“ Der Wink war zu deutlich, um mißverstanden zu werden.“

 

Eiskeller Lollfuß

RAF-Senkrechtaufnahme vom April 1945.

Die Grundstücksgrenze (rot) und Lagerstollen (blau).

Eiskeller Lollfuß

Schematischer Lageplan „Schleswiger Brauhaus“ 1914.

 

Die Legende zum Lageplan 1914 :Nr.1 – Wohnhaus (Brockdorffsche Hof)Nr.2 – Brauhaus (Sudhaus)Nr.3 – Spülraum

Nr.4 – Eishaus

Nr.5 – Gärkeller

Nr.6 – drei Betonbecken, Funktion unbekannt

Nr.7 – Maschinenhaus

Nr.8 – Schmiede

Nr.9 – überdachte Durchfahrt

Nr.10 – KontorNr.11 – PferdestallNr.12 – FlaschenkellerNr.13 – Kesselhaus

Nr.14 – überdachte Rampe

Nr.15 – Wagenschuppen

Nr.16 – Tonnenschuppen

Nr.17 – Schuppen (Holz und Steine)

Nr.18 – Lagerstollen

Nr.19 – Eiskeller mit Eishaus

 

Die Geschäfte mit dem untergärigen Bier, dessen Hefe für die Gärung eine Temperatur von 4°C – 9°C benötigt und darum im Gär-, bzw. Eiskeller gelagert werden musste, liefen die ersten Jahrzehnte sehr gut. Die Brauerei wurde von August F. Brüning, dem Sohn Joh. Brüning übernommen und erfolgreich weitergeführt bis zum Jahr 1896. Am 21.Februar 1896 starb August Friedrich Brüning nach einer „kurzen Krankheit“ im Alter von 55 Jahren. Obwohl die Geschäfte von diesem Jahr an schlechter gingen, erfolgten dennoch verschiedene Neu- und Umbauten auf dem Brauereigelände. Im Jahr 1898 wurden ein Kesselhaus sowie der Gärkeller errichtet, es folgten Umbauten bei den Bestandsgebäuden sowie weitere Anbauten. Schließlich ging die Brüning´sche Dampfbrauerei im Oktober 1903 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten Konkurs.

Eiskeller Lollfuß

Grundriss der Brüningschen Lagerstollen im Lollfuß

 

Die Bauakte zu diesem Grundstück beginnt leider erst mit den Vorgängen, die sich auf den Neubau des Eiskellers im Jahr 1896 befassen, sodass Einzelheiten über die Vorgeschichte der Lagerstollen nicht bekannt sind. Dafür ist aber eine ausführliche Baubeschreibung über den Eiskeller, der zum Teil über- als auch unterirdisch errichtet wurde, erhalten. Im Mai 1896 schreibt der Mauerermeister Hennings, der die Anlagen errichtet hat, dass zunächst der alte, ganz aus Holz bestehende Eiskeller beseitigt wurde. An dieser Stelle ist der neue Eiskeller gebaut worden, nebst Zugang zu demselben sowie zu den Lagerstollen.

Der neue Eiskeller war 12,40m lang und 10,15m tief. Die Höhe wurde zwischen Oberkante des Fussbodens und unterem Gewölbe mit 6,50, angegeben. Das Gewölbe wurde mit „eisernen Balken“ hergergestellt, das mit Moorerde überdeckt wurde. Zum Schutz des Gewölbes wurde über der Moorerde ein Pappdach errichtet.

Die Umfassungswände hatten eine Stärke von 1,15m die sich wie folgt zusammensetzten : Mauerwerk 0,44m, Luftschicht (mit Moorerde ausgefüllt) 0,50m, Innenwand 0,21m. Die Innen- und Außenmauern wurden zum Teil mit starken Ankern, teils auch mit durchgehenden Zungen miteinander verbunden.

Der Zugang (Corridor) zu den Eis- und Lagerkellern wurde ganz massiv ausgeführt, mit einer Mauerstärke von 0,70m und 0,45m. Der Corridor hatte eine Breite von 2,28m und eine Länge von 9,98m, dieser wurde von einem Zirkelgewölbe Überdacht und mit Asphalt abgedeckt.

 

Eiskeller Lollfuß

Der verschlossene Eingang zu den Lagerstollen.
Eiskeller Lollfuß

Wo 1896 der teilsweise überirdische Eiskeller errichtet wurde,

befindet sich 2011 eine Feldsteinmauer.

Interesssant ist auch die Tatsache, dass der Mauerermeister Hennings den Eiskeller zunächst ohne baupolizeiliche Genehmigung errichtet hat. Mauerermeister Hennings war der Meinung, das nur für die Errichtung von Wohnhäusern (§4, Abs.9 Baupolizeiordnung) eine Genehmigung notwendig sei. Hennings hat daraufhin „die nachträgliche Bewilligung ersucht“. Die Baupolizei erstattete jedoch Anzeige, Hennings wurde in der Verhandlung vom 16.Dezember 1886 aufgrund §4 und §34 der Baupolizeiordnung vom 14.Mai 1875 zu einer Geldstrafe von 10 Mark, alternativ einem Tag Haft, verurteilt.

 

Eiskeller Lollfuß

Gruppenfoto einiger Brauerei-Mitarbeiter. Das Aufnahmedatum ist unbekannt. Die Mitarbeiter stehen vor den beiden Schuppen Nr.16 und 17 (Lageplan 1914),
im Hintergrund ist das Amtsgericht zu erkennen. Das Fuhrwerk rechts im Bild kommt aus Richtung der Lagerstollen.
Eiskeller Lollfuß

Aufnahme Juli 2011.

Nichts deutet mehr auf eine Bebauung dieser Fläche hin,

Allerdings ist noch immer zu erkennen, dass das Gelände

zum Eingang des Lagerstollen hin ansteigt.

 

Eiskeller Lollfuß

Das Aufnahmedatum dieser Fotografie ist ebenfalls unbekannt. Fest steht nur, dass sie nach 1912 aufgenommen worden ist, da der Wagenschuppen (links im Bild, im Lageplan Nr.15) erst 1904 und die überdachte Verladerampe (rechts, im Lageplan Nr.14) im Jahr 1912 gebaut wurden.
Eiskeller Lollfuß

Aufnahme Juli 2011

Wo einst Wagenschuppen, Kontor, Pferdestall und die Verladerampe standen, deutet heute nichts mehr auf eine Bebauung hin.

Im Hintergrund rechts ist der gelbe Klinkerbau der ehem. Luftschutzrettungsstelle zu erkennen.

 

Nachdem die Brüningsche Brauerei wirtschaftlich am Ende war, wurde. die gesamte Brauerei verkauft. Leider konnte ich über diese Jahre nur wenige Angaben finden, so ist mir noch nicht bekannt, in wessen Besitz die Brauerei 1904 überging.

Die Schleswiger Nachrichten gaben bekannt, dass die Brauerei unter dem neuen Namen „Schleswiger Brauhaus“ am 23. Juni 1904 wieder mit dem „Ausstoß seiner Biere beginnt“. Dieser Betrieb bestand bis September 1910, als es einen erneuten Eigentümerwechsel gab. Gastwirte aus der Stadt und vom Land gründeten eine Genossenschaft und kauften das „Schleswig Brauhaus“ für 250000 Mark von den Wiecherschen Erben. Der Name „Schleswiger Brauhaus“ blieb bestehen.

Scheinbar hatte auch diese Genossenschaftsbrauerei keinen großen wirtschaftlichen Erfolg, denn sie bestand nur wenige Jahre. Ab Oktober 1913 wird Waldemar Behn als neuer Eigentümer genannt. Behn änderte den Namen des „Schleswiger Brauhaus“ in „Brauhaus Waldemar Behn“. Behn modernisierte den Brauereibetrieb indem er z.B. einen automatischen Flaschenspüler nebst Motor installiert hatte. Wie lange Behn den Brauereibetrieb aufrecht erhalten hat, ist nicht bekannt. 1916 ließ Behn den Tonnen- und Holzschuppen (Nr.16 und 17, Lageplan 1914) zu einer großen Gemüsedarre umbauen, um dort für das Stadtgebiet und das Umland Steckrüben zu trocknen.

Das alte Brauhaus (Sudhaus, heute Lollfuß 76a), erhielt 1923 einen neuen Eigentümer. Herr Paul Schiller hatte die Absicht, in dem Gebäude eine Korbmöbelfabrik einzurichten. Der übrige Teil des ehemaligen Brauereigeländes befand sich im Besitz der Firma „Heiberg & Bade“, die dort eine Autoreparaturwerkstatt mit Tankstelle betrieben. Gleichzeitig handelte diese Firma mit Futtermittel, Getreide und Düngemittel.

Im Februar 1927 berichten die Schleswiger Nachrichten, dass in einem öffentlichen Zwangsversteigerungsverfahren das auf den Namen des Kaufmannes Peter Bade eingetragene Betriebsgelände Lollfuß 76 verkauft wurde. Der neue Eigentümer, der das Anwesen für 38000 RM erworben hatte, war der Stadtrat und Fabrikant Christian Oellerking.

 

Eiskeller Lollfuß In diesem Gebäude, dem Sudhaus, braute die Familie Brüning ihr Bier (1850-1903). Es ist das letzte noch bestehende Brauhaus (2011) der drei großen Schleswiger Brauereien.Die Garage wurde 1969 für die Freiwillige Feuerwehr eingebaut und damit die alte Fassade des Brauhauses zerstört.

 

Während des zweiten Weltkrieges wurden die Lagerstollen behelfsmäßig zu einem öffentlichen Sammelschutzraum ausgebaut. Diese Luftschutzanlage hatte eine Kapazität für 33o Personen und war damit der größte Sammelschutzraum im Schleswiger Stadtgebiet. Gleichzeitig wurde im Gärkeller, der weiter südlich auf dem Grundstück lag, eine Luftschutzrettungsstelle eingerichtet.

Ab September 1942 wurde die ehemalige Korbmöbelfabrik umgebaut „zwecks Unterbringung und Verpflegung von ausländischen Arbeitern“. Da das Erdgeschoß des alten Brauhauses eine Höhe von etwa 6 m hatte, wurde nun eine Zwischendecke eingezogen und somit eine zusätzliche Etage geschaffen. Ende Dezember 1943 erfolgte der Ausbau des Dachgeschosses, um weitere 18 Personen unterzubringen.

Das Sozialwerk der DAF (Deutsche Arbeitsfront) brachte im ehem.Sudhaus etwa 40 Ostarbeiter unter, die überwiegend aus handwerk- und gewerblichen Betrieben stammten. Ende 1943 wurden ca. 20 polnische Arbeiter aus dem Lager Hornbrunnen in den Lollfuß verlegt, damit das Lager Hornbrunnen frei wird für weitere Ostarbeiter. In diesem Zusammenhang wird die Unterkunft im Lollfuß auch als „Polenlager Lollfuß“ bezeichnet.

Nach Auflösung des Lagers Sudhaus wurde Anfang April 1948 der Umbau des Gebäudes für die „Bekleidungswerkstätten Schleswig“, Eigentümer Heinrich Truelsen, beantragt. Die Bekleidungswerkstätten waren bis dahin im Stadtweg 13 untergebracht, dieses Gebäude musste jedoch geräumt werden.

Im gleichen Jahr siedelten sich weitere Firmen in dem Gebäude an, darunter die „Hausgerätewerkstatt Hans Scheibel“ sowie eine Schneiderei und Bürstenmacherei. Gegen die Ansiedlung der Bürstenmacherei im Erdgeschoß hatte das Gewerbeaufsichtsamt Bedenken wegen den leichtentzündlichen Rohstoffen, die dort verarbeitet wurden. Für die Besenproduktion wurde Heidekraut verwendet, die Bürsten bestanden aus Bentgras (Moorgras) sowie der Wurzel der Moorbeere. Das Gewerbeaufsichtsamt forderte eine feuerbeständige Abtrennung des Arbeitsraumes von dem Holztreppenhaus. Das Treppenhaus führte in die Obergeschosse, in denen etwa 40 bis 50 Personen für die Bekleidungswerkstätten tätig waren.

Zwei Jahre später, ab Oktober 1950, wurde das ehem. Sudhaus zur städtischen Jugendherberge umgewandelt. Im Erdgeschoß befanden sich die Wirtschaftsräume, der Tagesraum und ein Wärterraum im I. Obergeschoß. Im II.Obergeschoß wurde ein Schlafraum für 32 Knaben, im Dachgeschoß ein Schlafraum für 32 Mädchen eingerichtet.

1961 wird auf dem städtischen Grundstück Lollfuß 76a ein neues Feuerwehrgerätehaus (Lollfuß 76b) zwischen der ehem. Luftzschutzrettungsstelle und dem Sudhaus errichtet. Dieser Neubau diente als Ersatz für das abgebrochene Feuerwehrgebäude am Domziegelhof. Für den Neubau wird ein Teil des alten Brüning´schen Gärkellers abgebrochen, in dem sich seit Oktober 1948 die städtische Warmbadeanstalt bestand.

Im Oktober 1968 erfolgte der Umbau der ehemaligen Jugendherberge für die freiwillige Feuerwehr. Diese nutzte das Gebäude für Versammlungen und als Magazin.

Persönliche Anmerkung : Die alten Lagerstollen werden seit einigen Jahren von der Umweltsschutzorganisation BUND betreut, das gesamte Kellergewölbe dient als Winterquartier für Fledermäuse. Bei einem Besichtigungstermin 2007 hätte ich gerne einige Fotos von der Anlage gemacht, um den Zustand des Gewölbekellers zu dokumentieren. Als ich jedoch auf die Verwendung der Stollen als Luftschutzraum zu sprechen kam, wurde mir unterstellt, ich wäre auf der Suche nach verschollenen „Nazischätzen“ und dem „Bernsteinzimmer“. Leider scheinen die BUND-Verantwortlichen keinerlei historisches Interesse zu haben und leben in ihrer eigenen autistischen Umweltschützerwelt. Das Fotografieren wurde mir ebenfalls untersagt, da die Verantwortlichen befürchten, dass die Bilder bei Veröffentlichung weitere Neonazis anlocken könnten, die den Gewölbekeller aufbrechen, um nach „Nazischätzen“ zu suchen.

 

4. Nissen´sche Brauerei und Lager-/Eiskeller

Die Nissen´sche Brauerei hatte sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus befunden und wurde auf zwei zusammengelegten Grundstücken errichtet. Philippsen schreibt, dass schon seit Ende des 17.Jahrhunderts zwei Brauereien in der Fischbrückstraße neben dem Rathaus angesiedelt waren. Das größere Brauereigrundstück von beiden (IV.Quartier Nr.34, heute Gaststätte „Ringelnatz“, Fischbrückstraße 3) gehörte dem Kaufmann und Brauer Asmuß Fr. Bartelsen, das kleinere (Nr.35, Fischbrückstraße Nr.5) befand sich im Besitz des Hökers und Brauers Jens Christian.

Mitte des 18.Jahrhunderts ging die Brauerei auf dem Gewese Nr.35 in den Besitz des Brauers Jens Nissen über. 1773 wird Jens Nissens Witwe als Eigentümerin genannt, gefolgt von J. Jürgen Nissen (1815), der auch als Eigentümer des Nachbargrundstückes Nr.34 eingetragen war. Joh. Jürgen Nissens Witwe wird 1831 als Eigentümerin aufgeführt.

Die Grundstücke IV.Quartier 34 und 35 befanden sich somit seit 1815 in dem Besitz der Familie Nissen. Jürgen Nissens Sohn Claus Hinrich Nissen übernahm beide Grundstücke und trennte sich 1849 von dem Haus Nr.35. Gleichzeitig erwarb er das zwischen seinem Haus Nr.34 und dem Rathaus liegende Grundstück Nr.33 (heute Fischbrückstraße Nr.1a), das Heinrich Philippsen als den „wüsten Platz“ bezeichnete. Auf diesen beiden Grundstücken baute Claus Hinrich Nissen´s Sohn Christian im Jahre 1866 „unter großen Kosten“ eine neue Brauerei. Das alte Brauhaus Nr.34, das für die Herstellung von Braun- und Weißbier eingerichtet war, wurde von Christian Nissen weitergenutzt.

 

Fischbrückstraße 3

Fischbrückstraße Nr.1a und Nr.3 (rot) und Lage Gewölbekeller (blau).
Fischbrückstraße 3

Nr.1a (links) und Nr.3(Gaststätte Ringelnatz)

 

Christian Nissen produzierte ab 1868 in seiner neuen Brauerei das damals begehrte „bairische Bier“. Die ersten Jahrzehnte arbeitete die Brauerei erfolgreich und wurde das größte und beste Brauhaus in Schleswig. Nissen ließ das Bier in Fässer und Flaschen abfüllen und versorgte damit nicht nur die Stadt Schleswig und Umgebung, sondern lieferte es auch an Städte wie z.B. Rendsburg und Husum, die über keine eigenen „Bairischen Bierbrauereien“ verfügten.

Im Laufe der Jahre wuchs die Konkurrenz außerhalbs Schleswig und der Bierabsatz ging deutlich zurück. Zeitgleich verlor die Brauerei einen ihrer besten Großkunden, nämlich die Provinzial-Irrenanstalt. Die Irrenanstalt bezog rund 1000 Liter Braunbier wöchentlich von Nissen, durch die Vergabe der Bierlieferungs-Ausschreibung an die Schiffererbrauerei verlor Nissen dieses lukrative Geschäft. Schließlich stellte die Nissen´sche Brauerei am 01.Oktober 1913 ihren Betrieb ein.

Über die Betriebsschließung schrieb Heinrich Philippsen :

Mit der Nissen´schen Bierbrauerei, die am 01.Oktober 1913 eingegangen ist, ist ein Stück altschleswigschen Erwerbslebens dahingeschwunden. Die Brauerei gab zur Zeit ihrer Blüte der geschäftsstillen Fischbrückstraße das Gepräge rührigen, frischen Lebens.

In Dichten Schwaben umwogte den Brauhof der aus ihm zur Brauzeit hervorquellende Wasserdampf umd vom geräumigen Hofplatz her tönte das taktmäßige Hämmern der an den Lagerfässern arbeitenden Küper. Jetzt ist hier Feierabend geworden, Darre und Braupfanne sind außer Betrieb gesetzt und damit ist der Quell des edlen Gerstensaftes, der hier sprudelte und unzählig Vielen die Stunden der Arbeit, wie die der Eholung gekürzt und gewürzt hat, für immer versiegt.

In den letzten Jahren vor der Schließung leitete Christian Nissens Schwiegersohn, Gustav Hansen, den Betrieb. Der alte Brauereibesitzer Nissen baute sich Ende der 1870er Jahre neben dem St.-Johanniskloster eine Villa, in der er seinen Lebensabend verbrachte.

1919 erwirbt Christian Oellerking (Schleswiger Tauwerkfabrik) die alten Brauereigebäude und lässt diese abbrechen, um mit den erhaltenen Ziegelsteinen Wohnhäuser zu bauen. Abgebrochen wurden die Betriebsgebäude sowie ein Eishaus mit Scheune am Weg „Hinterm Rackerstall“. Das Wohnhaus ist erhalten geblieben, heute ist in diesem Gebäude die Gaststätte „Ringelnatz“ ansässig. Geplant war auch der Abbruch des unterhalb des Brauereigebäudes liegenden Lager- und Eiskellers. Dieser Gewölbekeller ist aber bis heute erhalten. Warum dieser Keller nicht zusammen mit dem Brauhaus abgebrochen wurde, konnte ich nicht klären.

Der große Gewölbekeller besteht genau genommen aus aus einzelnen Kellern, die durch einen Gang miteinander verbunden sind. Im Gang führte eine Treppe ins ehemalige Brauhaus. Der große Gewölbekeller wird ein Lagerkeller gewesen sein, der kleinere der Eiskeller, da die Ostwand eine Doppelmauer mit Hohlräumen ist, wie beim Eiskeller der Brüning´schen Brauerei.

Im Oktober/November 1939 wurde der große Lagerkeller zu einem Sammelluftschutzraum umgebaut, dort sollten bis zu 30 Personen Schutz finden. Der kleinere Eiskeller war für Luftschutzzwecke ungeeignet.

 

Fischbrückstraße 3

Unter Nr.1a – der Eiskeller der Brauerei.
Fischbrückstraße 3

Gewölbekeller Brauerei Nissen.

 

 

Fischbrückstraße 3

Diese Treppe führte einst ins Brauhaus, das 1919 abgebrochen wurde.
Fischbrückstraße 3

Blick von der Treppe, links Lagerkeller, rechts Eiskeller.

 

Etwa acht Jahre später wird das Grundstück Fischbrückstraße Nr.3 geteilt. Der Bereich, auf dem sich das Brauhaus einschließlich Gewölbekeller befand, wird abgetrennt und erhält die Adresse Fischbrückstraße Nr.1a. Auf diesem Grundstück errichtete der Baugeschäft-Inhaber Siegfried Harenberg ein Werkstattgebäude über dem östlichen Bereich des Gewölbekellers. In den 30er Jahren wird in diesem Kellerbereich eine Eismaschine installiert, einige Jahre besteht auf diesem Grundstück die Eisfabrik des Kaufmanns Karl Steinhagen.

Dieses Wekstattgebäude wurde im Laufe der Jahre zu Wohnungen umgebaut sowie saniert und steht noch heute auf einem Teil des Gewölbekellers.

 

Fischbrückstraße 3

Fischbrückstraße Nr.1a und 3 (um 1953).
Fischbrückstraße 3

Fischbrückstr.3 (1981, heute Ringelnatz)

 

5. Die Eiskeller von Schloß Gottorf

Lütgert nennt drei Eiskeller, die in Zusammenhang mit dem Schloß Gottorf stehen.

Der erste Eiskeller befand sich in der Südwest-Ecke der Schloßinsel direkt am Burggraben. Es handelt sich um das kleine, runde Backsteingebäude mit dem kegelförmigen Reetdach. In diesem Rundbau war der Eiskeller, ein Eiszylinder, vorhanden, der jedoch vor einigen Jahren mit Bauschutt verfüllt und mit einer Betondecke versiegelt wurde. Das Gebäude ist bis heute erhalten.

 

Eishaus Schloß Gottorf

Eishaus Schloßinsel im Juni 2011
Eishaus Schloß Gottorf

Eishaus Schloßinsel im Juni 2011

 

Der zweite Eiskeller befand sich laut Lütgert in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts im Tiergarten. Der Eiskeller wird von U.Petersen in seiner „Beschreibung der Stadt Schleswig“ genannt. Weitere Informationen sind nicht bekannt.

Besser dokummentiert ist der dritte Eiskeller nördlich des ehemaligen Fürstengarten. Nach dem Abbruch des „Ringelhauses“, das nordöstlich der Amalienburg gestanden hat und in dem ein mechanisches Karussell installiert war, wurde 1797 an dieser Stelle ein Eiskeller errichtet.

6. Eishaus vom Heeresverpflegungsamt

Lütgert berichtet von einem kleinen, rechteckigen Eishaus auf dem Gelände des ehem. Heeresverpflegungsamtes in der Suadicanistraße, heute Volkskundemuseum, das auf einem Stadtplan von 1928 eingezeichnet ist. Das Eishaus befand sich im Südosten des Geländes zwischen zwei Wagenschuppen. Das Gebäude ist heute nicht mehr erhalten, weitere Angaben über Entstehung, Größe und Abbruch sind nicht bekannt.

 

Eishaus Volkskundemuseum

Eishaus ehem. Heeresverpflegungsamt 50er Jahre.
Eishaus Volkskundemuseum

Das Eishaus gibt es 2011 nicht mehr.

 

 

 

7. Eiskeller der Irrenanstalt

Der Eiskeller der Irrenanstalt Stadtfeld wurde nur auf einigen wenigen Plänen verzeichnet. Er befand sich im nordwestlichen Bereich der Anstalt, im sogannten „Westend“. Den einzigen Hinweis auf die Bauzeit des Eiskellers habe ich in dem „Summarischen Bericht über die Irrenanstalt bei Schleswig den Zeitraum von 1820 bis 1870 umfassend“, der von dem Sanitätsrath Dr. J.Rüppell erstellt wurde, gefunden. In dem Absatz über die baulichen Maßnahmen der Anstalt in den Jahren 1848 – 1870 heißt es : „Umbau der Wohnung des Oekonomen, des Kutschers, zweier Wärter-Familienhäuser, Neubau eines Trockenhauses, eines Eiskellers, zweier Garten-Pavillons, eines Gewächshauses, eines Kohlenschuppens und eines Gewächshauses.“

 

Eiskeller Irrenanstalt

Der Eiskeller wurde im Lageplan von 1907 als Kreis eingezeichnet.
Eiskeller Irrenanstalt

In diesem Bereich müßte sich der Eiskeller befunden haben.

 

Der Eiskeller lag in etwa zwischen dem Oekonomiegebäude im Westen und dem Männerhaupthaus (heute Verwaltungsgebäude) und Männerstation im Osten. Über die Ausführung des Kellers, Größe sowie Abbruch konnte ich keine Informationen finden. Heute verläuft die Straße, die über die Brücke zur Nebenanstalt Neufeld führt, über das Gebiet des ehemaligen Eiskellers.

8. Eiskeller Hotel Stadt Hamburg

Nicht nur die großen Gewerbebetriebe verfügten über Eiskeller zum Kühlen von Vorräten, sondern in einem kleineren Maßstab auch Gastwirte und bessergestellte Privatpersonen. Diese Eiskeller waren keine großen Gewölbekeller, sondern tatsächlich kleine Kellerräume, die sich in einem ohnehin unterkellerten Gebäude befanden.

 

Eiskeller Hotel Stadt Hamburg

Der Eiskeller auf einem Plan von 1908.
Eiskeller Hotel Stadt Hamburg

Unter dem Gebäudeteil befand sich der Eiskeller (2008).

 

Persönliche Anmerkung :

Ich habe vor längerer Zeit versucht, von dem Eigentümer, dem Architekten Volker Stoll aus Neuberend, die Erlaubnis zu bekommen, das Hotelgebäude zu besichtigen und u.a. auch den ehem. Eiskeller zu fotografieren. Nachdem ich zweimal telefonisch „vertröstet“ wurde, hat Herr Stoll mir beim dritten Telefonat mitgeteilt, dass eine Besichtigung grundsätzlich nicht mehr möglich sei, da er und sein Sicherheitsdienst „Bärenfallen“ !! um und im Gebäude aufgestellt haben, um die Leute zu fangen, die sich um das Hotelgebäude herumtreiben. Diese Begründung ist noch lächerlicher als die Behauptung der BUND-Mitglieder, ich würde „Nazischätze“ suchen.

9. Eishaus Schlachterei Rasch

Auch die Exportschlachterei Rasch an der Plessenstraße verfügte über Eis- und Kühlhäuser, die im Laufe der Jahrzehnte baulich verändert wurden. Aufgrund der Größe und der umfangreichen Geschichte dieser Firma kann ich an dieser Stelle nur eine Momentaufnahme wiedergeben. Als Bespiel habe ich das Jahr 1909 gewählt. Aus dem Lageplan ist ersichtlich, dass die Schlachterei zu jenem Zeitpunkt über drei Kühlräume sowie einem Eishaus verfügte.

 

Eishaus Exportschlachterei Rasch

Kühlräume (grün) und Eishaus (rot) 1909.
Eishaus Exportschlachterei Rasch

Exportschlachterei Rasch in den 50er Jahren.

 

Quellen : Lütgert, Stephan A.: Eiskeller, Eiswerke und Kühlhäuser in Schleswig-Holstein und Hamburg

Christiansen, Theo : Schleswig 1836-1945

Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte, 19/1974

GA Sl-FL : Abt.101, Stadtdokumentation, Abt.2,054 Eigentümerverzeichnis 1712-1888,

Abt.17,1153 Luftschutzkeller Flensburger Str. 6, Abt.17,1233 Abbruch Flensburger Str.6

Abt.17,0800 und 0968 Luftschutzrettungsstelle Lollfuß 76

Abt.17,0730 Sammelschutzräume

Abt.17,1429 Abbruch Firma Rasch

Abt.110, 56 Nachlaß Familie Jähkel/Brüning, Fotobestand Handwerk

Gebäudeakten Lollfuß 76, Fischbrückstraße 1a und 3 Stand : 23.Juli 2011

 

 

Diesen Bericht als PDF-Datei herunterladen : brauerei.pdf

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