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In Schleswig wurden während des 2. Weltkrieges drei Luftschutzrettungsstellen (LSR) auf Veranlassung des Luftgaukommandos XI Hamburg eingerichtet.
Eine befindet sich im hinteren Bereich auf dem Grundstück der ehemaligen Brauerei Brüning im Lollfuß 76. Die Brauerei existierte bis etwa 1925 und verfügte unter anderem über einen Gärkeller. Dieser Keller war im Jahr 1913 umbaut von ein Eishaus und ein Spülraum. Der Gärkeller (Gewölbekeller) wurde 1941 zu einer Luftschutzrettungsstelle ausgebaut.
Der Keller besteht aus 3 Stein starken Außenwänden mit einem 1 Stein starken Tonnengewölbe als Decke und hat eine mittlere Höhe von 4,00 m. Der Kellerraum liegt mit 2 Seiten voll an den Bergabhang und die Gewölbedecke ist noch mit ca. 1,00 m Erdboden überdeckt.


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Die ehem. LSRst (links) 2006



In dem Keller befanden sich der Arzt- und Behandlungsraum sowie ein Warteraum. An- und Auskleideräume für Männer und Frauen sowie Duschen und Aborte waren ebenfalls im Kellergewölbe untergebracht.

Neben dem Umbau des vorhandenen Gärkellers wurde auch noch ein Vorbau aus gelben Klinker errichtet, in dem zwei Gasschleusen, jeweils ein Liege- und Warteraum eingerichtet wurden. Heizungsraum, Waschküche und ein öffentliches Pissoir waren auch in dem Vorbau untergebracht. Zudem wurden 4 Trockenklosette (Torfstreuklosette) eingebaut in die Rettungsstelle eingebaut.


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Der Grundriss



Alle von den beiden Gasschleusen ausgehenden Türen wurden als Gasschutztüren ausgebildet, wovon die beiden Eingangstüren außerdem noch splittersicher waren. Die vom Arzt- und Behandlungsraum ausgehenden Fenster erhielten splittersichere Gasschutzblenden.
Für die allgemeine Beleuchtung war elektrisches Licht vorgesehen und als Notbeleuchtung wurde eine elektr. Lichtanlage mit Batteriespeisung eingebaut.
Im Oktober 1940 beantragte das Stadtbauamt Schleswig beim Luftgaukommnando XI Hamburg Blankenese die für den Ausbau benötigten Baustoffe. Beantragt wurden 1,5 cbm Schnittholz für Zimmermanns- und Tischlerarbeiten, 4,8 Tonnen Eisen für Formstahl (Baustahlgewebe, Heizungsanlage, Be- und Entwässerungsleitungen, eiserne Gasschutztüren, Gasschutzfensterblenden) und 6 Tonnen Zement für Maurer- und Betonarbeiten.
Das LGK XI stellte im November 1940 Bezugsscheine aus für 2 cbm Schnittholz und 1 fm Stammholz. Die 6 Tonnen Zement wurden mit der Dezemberzuteilung überwiesen. Das geforderte Eisen konnte vom LGK XI nicht zur Verfügung gestellt werden, das Stadtbauamt wurde aufgefordert, dieses Material bei einem anderen Kontingentsträger zu beantragen (Deutscher Gemeindetag). Das Bauamt teilte dem LGK XI noch einmal die Dringlichkeit dieser Baumaßnahme mit, daraufhin wurden am 23. Nov. 1940 dem Luftschutzort Schleswig 4,8 Tonnen Baueisen zugeteilt.


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Zement-Bezugs-Schein



Da nun alle benötigten Baustoffe zur Verfügung stehen, beantragt das Stadtbaumt am 11.12.1940 beim Arbeitsamt eine Ausnahmegehmigung vom Bauverbot für den Einbau einer LSR im Lollfuß 76. Diese Genehmigung erteilte das Arbeitsamt am 23.12.40 mit der Auflage, das nur ältere, ortsgebundene Arbeitskräfte eingesetzt werden dürfen.
In der Chronik des Sicherheits- und Hilfdienstes werden die Arbeiten wie folgt beschrieben : „…daß der Bau unter Leitung des Stadtbautechnikers Brix uns seines Maurermannes Karl Boas, 76 Jahre alt, Hermann Göring Str. 49, sowie eines ziemlich beschränkten Handlangers nur langsam vorwärts ging. Hätte Oberltn. Schröter nicht jeden 2. Tag die Baustelle kontrolliert, baute man vielleicht noch heute. Allem Anschein nach glaubten sich die Handwerker gut geborgen, einmal fehlte es an Sand, das andere mal an Zement, dann an Kalk, an Steinen, usw. Gewöhnlich standen sie umher und hielten Beratungen ab und freuten sich des Daseins.“

Am 04. Januar 41 wurde der Bauschein für dieses Vorhaben ausgestellt. Beim LGK XI wurden für den Innenausbau zusätzlich 8 verchromte Sicherheits-Mischbatterien mit Brauserohr und Düsenbrause sowie eine verchromte Ärzte- Waschtischbatterie mit Armhebelbetätigung und Ablaufvorrichtung mit Kniehebel beantragt. Diese Mischbatterien wurden vom LGK nicht zur Verfügung gestellt (22.01.41), da dem LGK für einen LS-Ort II. Ordnung, zu denen Schleswig gehörte, nun keine Metalle mehr zur Verfügung standen. Es sollten Austauschmaterialien verwendet werden.

Das LGK genehmigte dem Stadtbauamt Schleswig für diese Baumaßnahme eine Summe von 12000,– RM, alle anfallenden Baukosten wurden von der W.-Abteilung des LS-Ortes Flensburg gezahlt. Die Endabrechnung vom 04. April 1942 weist einen Gesamtbetrag für den Bau der Rettungsstelle in Höhe von 17132,40 RM aus. Die meisten Mehrkosten, ein Betrag von 2599,21 RM, entstanden durch erweiterte Maurer- und Zimmerarbeiten. Diese ergaben sich durch die äußerst schwierigen Grundwasserverhältnisse, bedingt durch den nahegelegenen Abhang.
Am 13. Juli 42 genehmigte das LGK XI die Gesamtsumme einschließlich der Mehrkosten mit dem Hinweis, daß bei zukünftigen Kostenvoranschlägen mit größerer Sorgfalt gearbeitet werden müsse.

In den Jahren 1942/43 verursachte die Rettungsstelle Heizkosten in Höhe von 466,09 RM. Dazu heißt es in einem Vermerk des Stadtbauamtes, daß die Kosten „zunächst auf Haushaltskostenstelle Vorschüsse verausgabt wurden unter der Annahme, daß die Kosten evtl. wieder vom Staat rückerstattet würden. Eine Rückerstattung ist jedoch vom Staat abgelehnt worden. Um die Haushaltsstelle Vorschüsse zu bereinigen, müßten diese Ausgaben wieder bei der Haushaltsstelle Vorschüsse vereinnahmt werden. Die Verausgabung muß bei der Haushaltsstelle 12005 (öffentl. Luftschutz) erfolgen.“


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Wo Gasschleusen waren, sind heute Tore.



Das Gebäude ist heute noch vorhanden, es wurde jedoch umgebaut, da die Schleswiger Jugenfeuerwehr die Räumlichkeiten nutzt.
Die Türen wurden umgebaut und ein Garagentor an der Stelle eingebaut, wo sich eine Gasschleuse befand.
1961 wurde ein kleines Feuerwehrgerätehaus neben dem Vorbau mit den Gasschleusen errichtet, diesem Neubau mußten die vordere Gasschleuse im Vorbau sowie die An- und Auskleiderräume und die Männerduschen im Gewölbekeller weichen.


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Der Gärkeller ist in den Hang gebaut worden



Nach dem Krieg wurde in die ehem. Rettungsstelle eine Warmbadeanstalt eingerichtet. Im Jahr 1959 betrieb Frau Olga Lindner in diesen Räumlichkeiten eine medizinische Badeanstalt mit Sauna.
Der Gewölbekeller mit dem Arzt- und Behandlungsraum existiert noch im Jahr 2006, ist aber nicht mehr zugänglich. Im Mai 2014 hatte die „alte-schleihalle“ endlich die Möglichkeit, den Rest der Luftschutzrettungsstelle/Warmbadeanstalt zu besichtigen, nachdem ein Zugang wieder hergestellt wurde.



Galerie Luftschutzrettungsstelle / Warmbadeanstalt




Quellen: Luftschutzakten Gemeinschaftsarchiv Schleswig, Chronik des SHD, Branchenbuch 1959


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