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Vor langer, langer Zeit war die Gegend, wo jetzt der dritte Stadtteil von Schleswig,
der Friedrichsberg, liegt, mit Gestrüpp und Holz dicht bewachsen und war menschenleer.
Einige Hirten und Jäger sammelten sich jedoch nach und nach um eine Quelle mit schönen
reinen Wasser, und es entstand ein Dorf.
Eines Tages geschah das Unglück, daß die Quelle versiegte.Weit und breit war sie die
einzige gewesen, und die armen Leute standen nun hilf- und ratlos da. Die Not war groß.
Da ging ein Jäger bei Nachtzeit in den Wald, um Abhilfe zu schaffen, wenn er auch nicht wußte,
wie er es machen sollte. Nach langem Suchen sah er ganz Nahe einen Hirsch mit goldenem Geweih.
Schon legte er an, doch dann setzte er die Büchse voll Mitleid mit dem schönen Tiere ab
und ging nach Hause.
Am andern Morgen fand er das goldenen Geweih bei der Quelle; den Hirsch
aber hat niemand wiedergesehen. Jetzt konnte man den stattlichsten Brunnen bauen, der bis auf
den heutigen Tag der Hirschhorn- oder der Hornbrunnen heißt und das schönste Wasser in ganz
Friedrichsberg gibt, das früher auch heilkräftig war.



Anmerkung zur Sage
Der Heimatforscher Heinrich Philippsen (1858-1936) schreibt über den Hornbrunnen und die mit ihm verbundene Sage :
Was die Lull-Kapelle für den Lollfuß war, war für den Friedrichsberg der Hornbrunnen, ein Heil- und Gesundbrunnen, der die ersten Anfänge der „Kratzenberg“ hat vermutlich entstehen sehen und als lustig sprudelnder Waldquell vielleicht schon in vorgeschichtlicher Zeit seine heilbringende Wirkung äußerte.
Die Sage umspinnt ihn und führt das Auffinden der Quelle auf einen weißen Hirsch mit goldenem Geweih zurück, der, als er gejagd wurde, sein Geweih an der Stelle abstreifte, wo die Quelle emporquoll, die deshalb den Namen „Hornbrunnen“ oder „Hirschhornbrunnen“ erhalten habe. Spätere Zeiten wußten von „kranken und breßhaften Leuten“ zu berichten, denen durch den Genuß des Brunnenwassers volle Gesundheit wiedergegeben sei.
Ulrich Petersen (1656-1735) behauptet, daß die Quelle im Winter nie zufriere, bei starkem Frost sogar rauche und gefrorene Wäsche „sofort von dem Eise erlöse“, weshalb er ihr Lob in folgenden tönenden Worten, die freilich besser gedacht, als gedichtet sind, singt :

„Dieses ist das schönste Wasser an und um der ganzen Stadt,
Daß auch Arethusens Quelle kaum ein besser Wasser hat.“

Tatsächlich war der Hornbrunnen während der Regierungszeit der Gottorfer Herzöge eine „hochfürstliche“ Quelle, aus der für die herzogliche Tafel „das Theewasser geschöpft“ und die, wenn sie vorübergehend „zugestopft“ oder „ganz Leck“ war, auf Kosten der Herrschaft wieder in Stand versetzt wurde.
Trotzdem ist sie im Laufe der Zeit aus der Mode gekommen, da das Schloß Gottorf seine eigene Wasserleitung erhalten hatte, die mit dem Neuwerk in Verbindung stand. Heute (1923) ist der Brunnen in eine gewöhnliche Pumpe umgewandelt, die ihre reiche Vergangenheit nicht ahnen läßt.
Nur die „Hornbrunnenstraße“ bewahrt pietätvoll ihr Andenken für fernere Zeiten.

Eine weitere herzogliche Heil- und Gesundquelle befindet sich im Autal (Hasselholmer Tal). Gegen welche Krankheiten dieses Heilwasser helfen sollte, ist an dieser Stelle nachzulesen. Wahrscheinlich hätte das Hornbrunnen-Wasser auch diese Krankheiten heilen sollen.

Da es sich bei dem Hornbrunnen um eine herzogliche Quelle handelte, dürfte die Bevölkerung keinen Nutzen von ihr gehabt haben. Weiterhin war auch die Benutzung der etwa 30 öffentlichen Brunnen streng geregelt. So schreibt Skieka :
1. Aus den Notbrunnen am Pferdemarkt und der Wasserleitung an der Langen Straße sollte nur Wasser zur Notdurft und „nicht zur Lust“ entnommen werden.
2. Bei den Brunnen Wäsche zu waschen, war untersagt. Zimmermeister Hinrich Fick sollte aufpassen und Ungehorsam sofort abstellen. Übertretungen kosteten 2 Rthlr. Strafe.
3. Die Armenvögte wurden ebenfalls täglich zur Aufsicht befohlen. Falls sie jemand beim Wäschewaschen ertappten, konnten sie „das Zeug mit den Füßen treten“ und sofort konfiszieren.

Dem „Stadtpipenbohrer“ und den Vögten drohte Dienstentlassung, wenn sie nicht ordentlich aufpaßten.

Quellen : „Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg“, hrsg. von Karl Müllenhoff
Heinrich Philippsen, Alt-Schleswig
Joachim Skierka, Schleswig in der Statthalterzeit 1711-1836