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Rathausmarkt 13, IV.Quartier Nr.54


Rathausmarkt 13 in den 1930er Jahren.



Rathausmarkt 13 vor dem Abbruch 1978,
rechts die Durchfahrt zum alten Straßenbahndepot.
Der alte Hausname lautete „Ordonnanzhaus“.





Über das Grundstück Rathausmarkt 13 schrieb Heinrich Philippsen 1926 :

Im Jahr 1742 finden wir schon in vollem Betrieb eine Kammertuch- und Zwirnfabrik, auch Batist-Manufaktur genannt, mit dem landesherrlichen Vorrecht, für den anzulegenden Flachsanbau Holz aus den königlichen Waldungen entnehmen zu dürfen.
An der Gründung dieses Unternehmens waren vorwiegend die gleichen Geldgeber beteiligt, die wir später als Interessenten an der Schleswiger Fayence-Fabrik kennen lernen werden. Die Kammertuchfabrik wurde nach französischem Muster betrieben und stand anfangs unter der Leitung des Direktors Paulier und des Werkeisters Louis de Laporte. Der Hauptteilnehmer war der Kanzleirat und Bürgermeister Friedrich Wilh. Otte in Eckernförde. Nach seinem Tode (1766) übernahm Joh. Wünne die Fabrik, die 1795 nach Løgumkloster verlegt wurde.
Das Fabrikgebäude für die Anfertigung der Kammertuche lag am Rathausmarkt (Nr.13), die Zwirnfabrik war in einem heute abgebrochenen Hause in der Norderdomstraße untergebracht, jedoch scheinen die einzelnen Betriebszweige örtlich nicht streng voneinander getrennt gewesen zu sein.
Die Zwirnfabrik bildete den Hauptanteil des Unternehmens, sie arbeitete nur für die Spitzenverleger Nordschleswigs, die bisher ihr Zwirnmaterial aus Flandern und Westfalen hatten beziehen müssen.
Außer einem Meister beschäftigte die Fabrik gegen 30 Personen, meist weiblichen Geschlechts. Trotzdem rentierte sich das Unternehmen nicht auf Dauer, von den staatlichen Subsidiengeldern konnten bei der Verlegung der Fabrik 7280 Thl. nicht gedeckt werden.

Im Jahre 1891 ließ die Schleswiger Straßenbahngesellschaft, die seit 1888 Besitzerin des Anwesens war, für die Pferdebahn für 60000 Mark im rückwärtigen Bereich des Grundstückes Rathausmarkt 13 ein Wagendepot bauen. Ab Juli 1909 wurde an der Herstellung der Anlagen für die neue elektrische Straßenbahn gearbeitet. Der alte Wagenschuppen der Pferdebahn wurde von dem Elektrizitätswerk Schleswig für die elektrische Straßenbahn umgebaut und mit einer Werkstatt ausgestattet, zu der eine Schmiede und eine Ankerwickelei gehörte. Dazu kamen noch Räumlichkeiten für das Personal. Neben der Wagenhalle wurde ein Lackierschuppen errichtet.


Rathausmarkt 13 und das alte Straßenbahndepot in den 50er Jahren.



Das Wagendepot der Pferdebahn, im Vordergrund eine Drehscheibe.



Die Wagenhalle der Straßenbahn, die Drehscheibe wurde durch Weichen ersetzt.
Links die Werkstatt mit Schmiede und Ankerwickelei.



Mitarbeiter der Schleswiger Straßenbahn 1935.





Im Jahr 1936 wurde die elektrische Straßenbahn aufgegeben und durch Omnibusse ersetzt, 1938 wurde die Stadt Schleswig, Grundstücksamt, Eigentümerin des Gebäudes, 1941/42 wurde die alte Wagenhalle in eine Vieversteilerstelle umgebaut. Die Tore wurden zugemauert, in der Wagenhalle wurden Rinderställe und Schweinebuchten, in der ehem. Werkstatt Waschräume und eine Wagendesinfektionshalle eingebaut.

In den 50/60er Jahren war die Bezeichnung „Viehmarkthalle“ gebräuchlich, der Kunde hatte die Möglichkeit, dort günstig „nicht mehr ganz so frisches“ Fleisch zu erwerben. 1978 erfolgte der Abbruch des Hauses Rathauses 13 sowie der Viehmarkthalle.


Die Viehmarkthalle vor dem Abbruch 1978.



Die Viehmarkthalle vor dem Abbruch 1978.





Nach dem Abbruch der Gebäude auf dem Grundstück Rathausmarkt 13 erfolgte im Winter 1978/79 eine archäologische Bodenuntersuchung, über die Dr.Volker Vogel folgendes schreibt :

Das Grundstück erwies sich über weite Flächen durch das Kellergeschoß eines abgebrochenen Wohnhauses und die mächtigen Fundamente eines ehemaligen Straßenbahndepots als tiefgründig gestört. Infolgedessen waren die spätmittelalterlichen Siedlungsschichten nur in Resten erhalten geblieben.
In den unteren, durch keinerlei jüngere Eingrabungen in Mitleidenschaft gezogenen Lagen wurden mehrer Schwellenbohlenhäuser und ein Bohlenweg ausgegraben, die in das 11. und das 12.Jahrhundert zu datieren sind. Ihre Ausrichtung in spitzem Winkel zu den Grenzen des Rathausmarktes läßt sich der am gegenüberliegenden Schild festgestellten Orientierung vergleichen. Der Verlauf des Weges schräg durch die Grabungsfläche dokumentiert die Überschneidung der ältesten und der jüngsten Parzellen an dieser Stelle und spiegelt damit die gleiche Wandlung topographischer Grenzen, die sich schon bei der Schild-Grabung zeigte. Wie auch dort, reicht hier die Bebauung in das Areal des heutigen Marktplatzes hinein.

Nach Beendigung der Bodenuntersuchung hat die Stadt Schleswig auf dem Grundstück das städtische Altenheim errichtet.




Rathausmarkt 13 im Januar 2010.



Eine Luftaufnahme aus dem Jahr 2004.

Aus dem Eigentümerverzeichnis :

1712 – Frau Justizrat Jügert
1735 – Frau Hofrat Holmer
1773 – Kanzleirat Otto Haug, Herr Joh. Wünne
1815 – Hedwih Koch, Gastwirtin
1849 – Mauermeister H.Jessen sen.
1888 – Schleswiger Straßenbahn Gesellschaft
1902 – Stadtgemeinde Straßenbahn
1931 – Stadtgemeinde Betriebswerke Straßenbahndepot
1938 – Stadt Schleswig
1954 – Stadt Schleswig Grundstücksamt
1982 – Stadt Schleswig, Altersheim

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