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Im September 2015 wurde damit begonnen, das seit Jahren leerstehende Haus G auf dem Gelände der Kinder- und Jugendpsychiatrie Hesterg auf den Abbruch vorzubereiten. Diese Gebäude wurde im Jahr 1913 von der damaligen „Provinzial-Idioten-Anstalt Schleswig“ als Heim für 130 „körperlich rüstige, ruhige und regelmäßig beschäftigte Kindern“ errichtet. Die Baukosten des im August 1914 fertiggestellten Hauses betrugen 162 000 RM.

Bis zur seiner vorgesehenen Bestimmung sollten allerdings noch einige Jahre vergehen, denn der Kriegsausbruch 1914 sorgte dafür, dass dieses Haus sofort nach der Fertigstellung vom Militär beschlagnahmt wurde. Das Sanitätsamt des 9. Armeekorps richtete ab dem 1.Oktober 1914 in Haus G ein Reservelazarett ein, bereits am 30. November traf ein größerer Transport mit Verwundeten von der Ostfront ein. Das Resevelazarett war verwaltungstechnisch dem Hauptlazarett Tiergarten angegliedert.
Für Unterkunft, Beköstigung, Waschen der Wäsche (erforderlichefalls Desinfektion oder Entlausung), Heizung, Beleuchtung, Lieferung der Reinigungsmaterialien und Unterhaltung des Inventars zahlte die Militärverwaltung pro Kopf und Tag 1,50 RM.
Als Protektorin des Roten Kreuzes besuchte am 23.Mai 1917 die Kaiserin Auguste Viktoria die Verwundeten des Lazaretts Hesterberg. Die Kunde hatte sich schnell in der Anstalt verbreitet, sodaß die Schulkinder vom Lazarett bis zum Haupteingang am Hesterberg Spalier bildeten und der Kaiserin bei ihrer Abfahrt zujubeln konnten.
Die Belegung des Reservelazaretts Hesterberg schwankte zwischen 100 und 120 Militärpersonen. Die Höchstbelegung war 1915 mit 145 Personen. Das Reservelazarett Hesterberg galt als chirurgische Station, es wurde als letztes Reservelazarett im Bereich des 9.Armeekorps am 1.September 1920 aufgelöst. Nach einer gründlichen Überholung konnte im Frühjahr 1921 das Haus mit Anstaltspfleglingen gelegt werden.

Stalag XA, April 1945
Stalag XA, April 1945

Bereits 19 Jahre später mussten die Kinder das Haus G wieder verlassen – im März 1940 beschlagnahmte die Militärverwaltung die Krankenhäuser F, G, H sowie die Schule für die Einrichtung eines Kriegsgefangenenstammlagers (Stalag XA) mit eigener Selbstverwaltung  (einschließlich Verpflegung). Der daraufhin in der Anstalt eintretende massive Platzmangel machte es notwendig, 108 männliche Pfleglinge im April 1941 in die Anstalt Stadtfeld zu verlegen.

In diesem Zusammenhang sei nur kurz erwähnt, dass einen Monat später, im Rahmen des T4-Tötungsprogramms,  ein erster Transport von 58 überwiegend jugendlichen Patienten vom Hesterberg in die Zwischenanstalt Königslutter und von dort weiter in die Tötungsanstalt Bernburg stattgefunden hat. Bis zur Einstellung des T4-Programms im August 41 fanden noch 4 weitere Transporte von Patienten der Schleswiger Anstalten in die Tötungsanstalt Bernburg statt.

Stalag XA, 1941
Stalag XA, 1941

Mit der Beschlagnahmung aller übriger Häuser der Anstalt Hesterberg durch die Militärverwaltung Anfang 1942 zur Einrichtung eines Reservelazaretts existierte die Anstalt auf dem Hesterberg erst einmal nicht mehr. Am 23.Februar 1942 war der ganze Bestand des Landesjugendheimes mit 343 Pfleglingen sowie der des Pflegeheims mit 254 Patienten in die Landesheilanstalt Stadtfeld übergesiedelt.

Das Stalag XA Hesterberg war für ca. 1100 Männer ausgelegt. Die Militärveraltung ließ auf den freien Flächen des Geländes mehrere Holzbaracken aufstellen, die größtenteils als Unterkünfte für Kriegsgefangene verwendet wurden. Die Lagerkommandantur war in der Schule und in den hinter der Schule errichteten Holzbaracken untergebracht.

 


Zur Baubeschreibung von Haus G, Juli 1913:

Baubeschreibung zum Neubau für 130 Kinder auf dem Grundstücke der Provinzial – Idiotenanstalt in Schleswig.
Das Gebäude soll auf dem Grundstück der Provinzial-Idiotenanstalt errichtet werden und wird nur zum Teil unterkellert. Es enthält Erdgeschoß, I.Obergeschoß und ein mit seinen Außenmauern zurückgesetztes II.Obergeschoß.
Im Kellergeschoß soll die Warmwasserheizungsanlage nebst den erforderlichen Kohlenräumen untergebracht werden. Die übrigen Räume dienen Betriebszwecken.
Das Ergeschoß enthält die Tageräume mit den erforderlichen Nebenräumen und das I. und II. Obergeschoß Schlafräume mit den zugehörigen Nebenräumen und den Räumen für das Aufsichtspersonal usw.
Die Fundamente des Gebäudes werden in Beton, das aufgehende Mauerwerk von Kalksandsteinen mit äußerer Verblendung von roten Handstrichvormauersteinen ausgeführt. Die äußeren Ansichtsflächen des II.Stockwerkes werden mit Terranoputz geputzt. Über dem Keller- Erd- und I.Obergeschoß sind massive Hohlsteindecken zwischen eisernen Trägern vorgesehen. Die über dem II.Obergeschoß angeordnete Balkendecke wird mit Zwischendecke versehen und unterhalb beroht und geputzt.
Die Fußböden der Tage- und Schlafräume sowie die der Räume des Aufsichtspersonals werden mit Linoleum belegt. Bade-, Waschräume und Aborte erhalten Fußbodenplattenbelag.
Das Dach wird mit Biberschwanzziegeln auf Lattung eingedeckt. Sämrliche Zu- und Abflußleitungen werden an die Hauptleitungen der Anstalt angeschlossen.
Kiel, 15.Juli 1913. Der Landesbaurat Kessler.

Quellen:

Denkschrift über Anlage Hesterberg 1852-1942, LA SH Abt.64.1, Nr.1107
Verschleppt zur Sklavenarbeit – Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Schleswig-Holstein, Hrg. Gerhard Koch, Rolf Schwarz
Die psychiatrischen Kliniken Schleswig-Hesterberg und Schleswig-Stadtfeld zur Zeit des Euthanasieprogramms des Nationalsozialismus, Maik Ruhnau (Studienarbeit)
Gebäudeakte Haus G

 

 

Galerie Haus G