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Soweit mir bekannt ist, gibt es bisher noch keine veröffentlichte Ausarbeitung über die Geschichte des ehemaligen Garnison-Lazaretts. Daher kannn ich an dieser Stelle nur die Daten übernehmen, die auch schon an anderer Stelle veröffentlicht wurden.Die Geschichte des Gebäudes in Stichworten :


– gebaut 1851 als Garnisonslazarett mit 88 Betten für Offiziere und Garnisonsangestellte
– 1864 im deutsch-dänischen Krieg als österreichisches Feldspital verwendet
– 1866 im deutsch-österreichischen Krieg Verwendung als preußisches Reservelazarett II
– im 2.Weltkrieg Standort Reservelazarett I
– ab 1946 Gynäkologie und Kinderabteilung des Städtischen Krankenhauses
– ab 1952 Umbau zum Landesjugendheim, Schließung 1993
– Nutzung als Justizvollzugschule
– Leerstand ab 2004
– Dachstuhlbrand 2007
– mehrere Eigentümerwechsel
– Sanierungsbeginn August 2010

1. Auszug aus dem Denkmalschutzbericht des Landesamtes für DenkmalpflegeBereits während des schleswig-holsteinisch-dänischen Krieges 1848-50 richtete die dänische Heeresleitung im Schloß Gottorf ein Behelfs-Lazarett ein. Nach Beendigung des Krieges wurde der gesamte Schloßbereich ab 1851 als Kasernenanlage umgebaut.
In diesem Zuge entstand auf der obersten Terasse des einstigen Gottorfer Gartens der Neubau eines Garnisonslazarett mit allen Erfordernissen derzeitiger Hygiene und 88 Mannschaftsbetten neben den erforderlichen Zimmern für erkrankte Offiziere und Garnisonsangestellte (Planung: Baukondukteur Bondo 1854/56).
Diese Einrichtung erfuhr schon bald seine Bewährungsprobe im deutsch-dänischen Krieg 1864, wurde im Zuge der allierten Eroberungen in das österreichische Feldspital Nr.12 eingegliedert und nach dem deutsch-österreichischen Krieg 1866 als preußisches Reservelazarett II weitergeführt.Dieses Lazarettgebäude ist als bemerkenswertes Beispiel dänischer Militärarchitektur von hoher Bauqualität anzusehen, das von österreichischer wie von preußischer Seite in seiner ursprünglichen Funktion übernommen wurde.
Es macht damit historische Ereignisse einer für die schlesg-holsteinische Landesgeschichte besonders bedeutsamen Zeit anschaulich, während die Entwicklung des Militärlazarettwesens im Lande noch weitgehend unerforscht ist. Das Garnisonslazarett muß daher als Kulturdenkmal eingeschätzt werden, das aufgrund seines geschichtlichen und wissenschaftlichen Wertes von besonderer Bedeutung ist.

Paulihof Schleswig
Das Gebäude mit den Baracken in den 50/60er Jahren.
Paulihof Schleswig
Das Gebäude mit dem Verbindungsgang und dem Nebenhaus.

 

2. Das Feldspital 1864

Über das Kriegsjahr 1864 schreibt Heinrich Philippsen :

Bei Beginn des Krieges wurden Teile des Schlosses Gottorf und des Rathauses, ferner das damalige Domschulgebäude, wie der diesem benachbarte „Bischofshof“ und die sog. Waisenhausschule, und daneben das „Jäger-Hospital“, wie auch „Scheers-Hof“ im Friedrichsberg zu Lazaretten eingerichtet.
Es kamen bei Bedarf hinzu das „Prinzen-Palais“ im Friedrichsberg, „Leißner´s Hof“ (der spätere Hof des Barons von Plessen) und die Räume des Gesellschaftshauses von F. Lorentzen auf dem „Großen Baumhof“. Zeitweilig standen somit 11 Lazarette mit 1200 Betten zur Verfügung, u.a. auch des 1851 errichtete Garnison-Lazarett im Tiergarten.

Philippsen schreibt über die Ankunft der Verwundeten in Schleswig:

„In der Nacht vom 6. auf den 7. Februar trafen den auch von dort her die ersten Gefährte mit Verwundeten in Schleswig ein. Sie kamen von Oeversee, wo der Kampf gestanden hatte. Auf Bauernwagen, notdürftig in Stroh und Decken gehüllt lagen Freund und Feind nebeneinander gebettet, mit blutenden Gliedern und keuchender Brust, vor Kälte zitternd, viele bereits eine sichere Beute des Todes.
Den ganzen folgenden Tag hielt dieser traurige Transport an, bald war die Zahl der Schmerzensreichen auf fast 700 gestiegen, die mit den nahezu 300 sonstigen Kranken alle Lazaretträume füllten.“

Major Ernst Entner vom Regiment „König der Belgier“, ein Held aus den Schlachten von Magenta und Solferino, gehörte ebenfalls zu den bei Oeversee Schwerverwundeten. Er war im Garnisonlazarett Neuwerk (Paulihof) untergebracht, wo er bis zum 25.März 1864 litt, bevor ihn der Tod erlöste. Seine Gemahlin, die aus Österreich herbeigeeilt war, hatte treu an seinem Krankenbett gewaltet und ihm seine Schmerzen nach Möglichkeit erleichtert, sie begleitete auch seine Leiche zur Gruft, die auf dem Militärkirchhof im Neuwerk neben dem Haupteingang liegt.

 

Paulihof Schleswig
Die Grabstätte des Major Ernst Entner im Jahr 2008.

Weiter schreibt Philippsen:
„Nur das Garnisonlazarett, das Schloß Gottorf und das „Prinzen-Palais“ behielten lange eine Anzahl Schwerverwundeter, diese Lazarette bildeten zusammen das österreichische Feldspital Nr.12 und dienten, da der Typhus und eine Augenerkrankung unter dem Militär epidemisch geworden war, zugleich zur Unterbringung dieser Kranken.“

Nach dem deutsch-österreichischen Krieg 1866 wurde das Garnisonlazarett Tiergarten als preußisches Reservelazarett II weitergeführt.

 

 

3. Versorgungskrankenhaus und Familienwohnungen

Im Jahr 1926 wird das Garnisonslazarett in der Gebäudeakte als „Versorgungskrankenhaus Schleswig“ bezeichnet. In diesem Jahr wurde das Gebäude teilweise umgebaut und ein Verbindungsbau zwischen dem Hauptgebäude und der massiven Krankenbaracke errichtet.
Weiterhin wurden das Hauptgebäude und die Krankenbaracke an eine neu installierte Zentralheizungsanlage angeschlossen. Dafür war es notwendig, drei vorhandene Kellerräume im Hauptgebäude 1,50m tiefer zu legen. Außerdem wurde neben dem Ostflügel ein unterirdischer Brennstoffkeller angelegt. Die Hälfte der Decke des Brennstoffkellers wurde fahrbar ausgerüstet, so dass die Brennstoffe vom Hof aus in den Keller geschüttet werden konnten.
Als dritte Baumaßnahme wurden einige allzu große Krankenzimmer unterteilt, Aborte und feste Waschtische installiert sowie Mädchenkammern im östlichen Flügel eingerichtet. Das Hauptgebäude und die Massivbaracke wurden mit jeweils einer Sputumküche ausgerüstet.

 

Paulihof Schleswig
Lageplan 1926.

In dem Lageplan von 1926 sind der Verbindungsbau und der Brennstoffkeller rot eingezeichnet. Nordöstlich des Brennstoffkeller steht das Leichenhaus mit einem Sezierraum. Aud dem Plan sind insgesamt vier weitere Liegehallen verzeichnet, eine westlich der Massivbaracke und drei südöstlich des Hauptgebäudes. Über die Ausführung und Bauzeit der Liegehallen sind z.Zt. keine Angaben bekannt.

Die Räumlichkeiten des Versorgungskrankenhauses 1926 :

Das Hauptgebäude – Kellergeschoß :
– Heizungsraum und Brennstoffkeller
– Lagerräume für Lebensmittel
– Werkstatt
– Kartoffelkeller und Schälraum
– Küche mit Waschraum
– Waschküchen
– Wäscheraum und Flickstube
– Sputumküche
– Aufbewahrungsraum
– Abort für Dienstmädchen

Das Hauptgebäude – Erdgeschoß :
– Brausebad und Wannenbad mit 4 Wannen
– Beobachtungsräume für Kranke
– Chefarztzimmer
– Stube des wachhabenden Arztes mit Vorzimmer und Kammer
– Behandlungszimmer
– Zimmer für Assistensarzt
– Verwaltungsräume
– Telephon- und Schreibzimmer der Schwestern
– Laboratorium
– Schwesternzimmer
– Lesezimmer und Tagesraum für Schwestern
– Zimmer der Oberschwester
– Küche und Speisekammer
– 4 weitere Zimmer
– Aborte für Kranke
– Aborte und Bad für Ärzte und Schwestern
– Geräteraum

Das Hauptgebäude – Obergeschoß :
– Röntgenraum und Röntgendunkelkammer
– Raum für Höhensonne
– Waschraum
– 13 Krankenzimmer für 25 Patienten
– Waschraum
– Speiseraum
– Sputumraum und Aborte
– Geräteraum

Das Hauptgebäude – Dachgeschoß :
– Mädchenzimmer
– Bekleidungskammer
– Boden für die Wärter
– Boden für die Verwaltungsbeamten
– Trockenboden (über dem gesamten Südflügel)
– Wasserbehälter für Feuerlöscher
– Raum für Geräte und Wäsche
– Lagerraum Matrazen
– Schwesternzimmer und Aborte

Die Massivbaracke :
– 1 Tages- und Leseraum
– Sputumküche, Aborte, Wasch- und Baderaum
– 1 Schwesternschlafzimmer
– 1 Krankenzimmer für 4 Personen
– 2 Krankenzimmer für 2 Personen
– 2 Krankenzimmer für 8 Persoen
– 1 Krankenzimmer für 3 Personen

Der Verbindungsbau :
– Gänge
– 1 Nebenraum
– 1 zentraler Aufenthaltsraum

Paulihof Schleswig
Grundriß Leichenhaus 1926.
Während der Zeit des Landesjugendheimes war in diesem Gebäude
die Schlosserei untergebracht.
1971 erfolgte der Abbruch mit „heimeigenen Kräften“.

Das Leichenhaus :
– 1 Sezierraum
– 1 Leichenraum
– 1 Raum für Löschgeräte

1927 wurden südlich des Hauptgebäudes 2 Massivliegehallen errichtet, offenbar reichten die Räumlichkeiten im Hauptgebäude für die Unterbringung der Patienten nicht mehr aus. Somit standen insgesamt 6 Liegehallen auf dem Gelände des Versorgungskrankenhaus Tiergarten.

Paulihof Schleswig
Die Liegehallen in den 1930er Jahren.

Im Jahr 1932 erfolgte erneut ein massiver Umbau des Krankenhausgebäudes. Scheinbar wurde in dieser Zeit der Krankenhausbetrieb deutlich verkleinert, denn im Hauptgebäude wurden Familienwohnungen eingebaut. Lediglich einige Räume im Erdgesschoß und die Massivbaracke wurden als Krankenhaus verwendet. Die Heersstandortverwaltung Schleswig betrachtete es als notwendig, in dem ehemaligen Versorgungskrankenhaus Tiergarten Wohnungen zu schaffen für verheiratete Unteroffiziere und Mannschaften, die im benachbarten Schloß Gottorf stationiert waren.
Im Erdgeschoß und Obergeschoß wurden jeweils 6 Wohnungen eingerichtet durch die Zusammenlegung kleinerer Räume. Die Größe der Wohnungen lag zwischen 33,9 m² (Küche, 1 Zimmer) und 66,73m²m (Küche, Flur, 3 Zimmer). Zu jeder Wohnung gehörte 1 Wasserspülabort, 1 Boden- und 1 Kellerraum. Zur gemeinsamen Nutzung standen im Keller 2 Waschküchen und eine Rollkammer zur Verfügung. Im Dachgeschoß wurde der Trockenboden von allen Familien genutzt. Außerdem gab es im Erd- und Obergeschoß jeweils eine Badeanlage, die sich jeweils 6 Familien zu teilen hatten.

 

 

4. Das Baracken-Lager

1938 wurde südlich der Liegehallen auf dem Gelände des ehemligen Reitplatzes ein Barackenlager errichtet. Die drei militärisch genutzten Mannschaftsbaracken boten Unterkunft für bis zu 50 Personen. Für die Abwässer der Aborte wurde eine eigene Kläranlage östlich der Baracken gebaut, das geklärte Abwasser wurde anschließend in einen Sickerschacht geleitet.

Paulihof Schleswig
Lageplan 1938. Das Barackenlager ist rot eingezeichnet.

In den Baracken wurden Mannschaften und San-Schüler untergebracht, die Räumlichkeiten waren zur Unterbringung von 34 San-Schülern ausgelegt. In der großen Mannschaftsbaracke ist der Raum Nr.16 als „Kinder-Schlafzimmer Prof.Dr.Jacobi“ bezeichnet. Handschriftlich wurde die Bezeichnung „6 San.Schüler“ hinzugefügt. Prof.Dr.Jacobi hat ab 1946 die Frauenabteilung des Krankenhauses Tiergarten geleitet. Offensichtlich war er schon 1938 im Lazarett als Arzt tätig. Warum in einer Baracke für San-Schüler für ihn ein Kinder-Schlafzimmer eingerichtet werden sollte, ist mir nicht bekannt.

 

Paulihof Schleswig
Grundriß Mannschaftbaracke.
Raum 16 ist als „Kinder-Schlafzimmer Prof.Dr.Jacobi“ bezeichnet.
Paulihof Schleswig
Eine der Baracken von 1938 im Tiergarten.
Paulihof Schleswig
In den 50/60er Jahren waren noch die Liegehallen und
die große Mannschaftsbaracke vorhanden.

5. Das Reserve-Lazarett I

Im 2.Weltkrieg war in dem Gebäude Paulihof 2 das Resevelazarett I untergebracht.
Aus dem Lexikon der Wehrmacht :

Das Reservelazarett I in Schleswig war im Paulihof 2 in Schleswig untergebracht und hatte eine Kapazität von 110 Betten.
Es hatte am 1. Januar 1941 eine Belegungsstärke von 40 Kranken. Sie wurden von 32 Mann Sanitätspersonal und 5 Krankenschwestern betreut. Chefarzt war zu diesem Zeitpunkt Stabsarzt Dr. Dr. Büscher.
Das Reserve-Lazarett war aber nicht nur zur Betreuung von Kranken und Verwundeten da, es übernahm auch die Ausbildung von neuem Sanitäts-Personal.
Am 3. Februar 1941 trafen hierzu 25 Mann an der Sanitätsschule ein. Am 27. Februar 1941 wurde der Chefarzt Dr. Dr. Büscher an das Reserve-Lazarett V in Hamburg versetzt, bis sein Nachfolger eintraf, führte Stabsarzt Dr. Alslev die Geschäfte. Er wurde durch den neuen Chefarzt Oberstabsarzt Dr. Hiller abgelöst.
Am 1. März 1941 war das Lazarett mit 62 Kranken belegt. Am 18. März trafen wieder 32 Mann für die Sanitätsschule ein.
Am 1. Juni 1941 war das Lazarett mit 59 Kranken belegt, die von 65 Mann Sanitätspersonal und 10 Schwestern versorgt wurden. Am 14. Juli wurden weitere 32 Mann für die San-Schule aufgenommen. Der August zeigte sich für das Lazarett wie folgt: 55 Kranke, die von 65 Mann Sanitätspersonal (darunter 42 San-Schüler) und 8 Schwestern versorgt wurden.
Im August 1941 gab es 79 Zugänge und 93 Abgänge an Kranken. Die Kapazität des Lazaretts wurde vom Wehrkreisarzt X auf 137 Betten festgelegt.
Am 1. Juli 1941 war das Lazarett mit 65 Kranken belegt, die von 48 Mann Sanitätspersonal (darunter 23 San-Schüler) und 9 Schwestern versorgt wurden.
Im August 1941 gab es 91 Zugänge und 101 Abgänge an Kranken. Im Oktober 1941 wurde die Krankenbettenzahl von 137 auf 195 erhöht. Außerdem wurde eine „Abteilung für Seuchenkranke“ eingerichtet und mit 23 Kranken belegt. Die Abteilung wurde vom Reserve-Lazarett II übernommen.
Am 1. Dezember 1941 war das Lazarett mit 146 Kranken belegt, die von 67 Mann Sanitätspersonal und 10 Schwestern versorgt wurden. Im August 1941 gab es 226 Zugänge und 221 Abgänge an Kranken. Die Steigerung zeigt die Auswirkungen der schweren Kämpfe an der Ostfront.

 

Paulihof Schleswig
Das Lazarett in den 1940er Jahren.

Insgesamt gab es während des II.Weltkrieges drei Reservelazarette in Schleswig :

– Reservelazarett I Tiergarten
– Reservelazarett II, es war in drei Steingebäuden auf dem Gelände der Landesheilanstalt Stadtfeld untergebracht. Das Res.Laz.II war für ganz Schleswig-Holstein zuständig, es war für größere Operationen ausgelegt.
– Reservelazarett III bestand aus der Infektionsabteilung des Stadtkrankenhauses Lutherstraße.

 

 

6. Die Frauenabteilung des Krankenhauses

Im September 1948 wird zwischen dem Eigentümer des Lazaretts, dem Deutschen Reich – Britische Zone – vetreten durch den Oberfinanzpräsidenten Schleswig-Holstein in Kiel und der Stadt Schleswig ein Pachtvertrag geschlossen. Mit diesem Vetrag wurde das Lazarett rückwirkend zum 1. März 1946 – dem Zeitpunkt der Betriebseröffnung des Krankenhauses durch den Pächter – an die Stadt Schleswig verpachtet.

Im Jahre 1948 war das Gewese Paulihof wie folgt bebaut :

– Hauptgebäude
– Verbindungsbau
– Massivbaracke
– Liegehallen a und b
– Leichenhalle
– Kraftfahrzeughalle
– Mannschaftsbaracke
– Wirtschaftsbaracke
– 14-Mann-Baracke
– Kläranlage

Paulihof SchleswigDas Gewese Paulihof im Jahr 1948.

Im Dezember 2008 sind von den o.g. Bauten nur noch das Hauptgebäude, die Massivbaracke sowie die Kraftfahrzeughalle vorhanden. Alle anderen Bauten wurden im Laufe der Jahrzehnte abgebrochen.
Die Parzellen südlich der Liegenhallen waren einstige Reitplätze, die u.a. von dem Husarenregiment 16 für Reitübungen verwendet wurden.

In dem Buch „100 Jahre Krankenhaus Schleswig“ heißt es:
„Mit 160 Betten der chirurgischen Klinik nahm das städtische Krankenhaus am 1.Februar 1946 unter der Leitung von Dr. Timmermann seine Arbeit am alten Platz wieder auf.
Die Frauenabteilung des städtischen Krankenhauses mit 120 Betten unter der Leitung von Prof. Dr. Jacobi wurde im ehemaligen Standortlazarett I, Paulihof beim Tiergarten untergebracht.“

Weiter heißt es in dem Buch :

„Die meisten Aufnahmen 1953 verzeichnet die Frauenstation der städtischen Krankenanstalten Tiergarten.
Hier wurden 1953 584 Patientinnen aufgenommen. Die Verweildauer war erheblich kürzer, lediglich 8029 Verpflegungstage waren zur Behandlung notwendig.
Nur bei Schwangerschaftskomplikationen war ein überdurchschnittlich langer Krankenhausaufenthalt notwendig. 322 Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane betraf über die Hälfte der Patientinnen. 114 Fehlgeburten und 32 Schwangerschaftskomplikationen wurden ebenfalls in der Frauenklinik versorgt. 26 gutartige und 23 malignöse Geschwülste kamen ebenso zur Aufnahme wie 12 Fälle von Geburtskomplikationen.“

 

7. Landesjugendheim 1952-1993

In dem Buch „Schleswig 1945-62“ heißt es zur Landesjugendanstalt :

„1952 – Das Landesjugendheim erhielt im Herbst des Jahres das ehemalige Reservelazarett II und den Hof Königswill sowie die alte Ziegelei, insgesamt 70 ha für rd. 300 Jugendliche; nach dem Fortgang des englischen Residenzoffiziers kam auch der Besitz Paulihof 1 hinzu.“

Paulihof SchleswigDie Postkarte um 1900 zeigt das Anwesen Paulyhof 1.
Urpsrünglich im Besitz der alten Schleswiger Familie Harmsen,
nach dem 2. Weltkrieg Unterkunft des englischen Residenzoffiziers.
Später gehörte das Anwesen zum Landesjugendheim.

8. Großfeuer im Oktober 2007

Am 18.Oktober 2007 brannte der Dachstuhl des Mitteltraktes vom Hauptgebäude. Als gegen 6 Uhr morgens die Feuerwehr eintraf, brannte der Dachstuhl schon seit mindestens 2 Stunden. Die Löscharbeiten wurden gegen 10.20 Uhr beendet. Der Mittelteil des Gebäudes wurde durch das Feuer so stark beschädigt, daß Einsturzgefahr besteht. Als Ursache des Feuers wird eine Brandstiftung vermutet.
Weitere Informationen findet man im Polizeibericht (PDF).

Paulihof Schleswig
Der brennende Dachstuhl.
Quelle : Freiwillige Feuerwehr Schleswig
Paulihof Schleswig
Löscharbeiten.
Quelle : Freiwillige Feuerwehr Schleswig
Paulihof Schleswig
Der ausgebrannte Dachstuhl.
Quelle : Freiwillige Feuerwehr Schleswig

9. Die Brandruine 2007-2010

Bis Ende 2003 wurde das Gebäude vom Justizministerium als Justizvollzugschule verwendet.

Im Jahre 2005 erwirbt eine dänische Fondgesellschaft mit Sitz in Kopenhagen das Anwesen für ca. 3,4 Millionen Euro.
Die Investoren wollten das Anwesen zu einem Altenheim umbauen, Betreiber sollte die Firma „Vita Care“ aus Hannover werden. Die Umbauten verzögerten sich aber, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht.
Im Zuge der Umbauarbeiten wurde im September 2005 damit begonnen, den Toilettenanbau im nördlichen Bereich abzubrechen. Im Oktober 2006 erfolgte der Abbruch des Verbindungsbaus zwischen dem Hauptgebäude und dem massiven Nebengebäude.

 

Paulihof Schleswig
Der Toilettenanbau.
Ansicht von Norden.
Paulihof Schleswig
Der Verbindungsbau aus dem Jahr 1926, rechts das Hauptgebäude.
Ansicht von Süden.

Nachdem die Seniorenresidenz Stampfmühle von dem Bauunternehmer Udo Wagner im März 2007 fertiggestellt wurde, war in Schleswig kein weiterer Bedarf an Altenpflegeheimen vorhanden, der weitere Ausbau des Paulihofs zum Altenpflegeheim wäre unwirtschaftlich gewesen.
Im Oktober 2007 wurde das Hauptgebäude Opfer einer Brandstiftung, der Dachstuhl wurde größtenteils vom Feuer zerstört.
Die weitere Nutzung der unter Denkmalschutz stehenden Brandruine Paulihof ist im Jahr 2008 unklar.

Im September 2009 berichten die Schleswiger Nachrichten, dass mittlerweile der Bauunternehmer Udo Wagner aus Tetenhusen wieder Eigentümer des Gebäudes ist. Wagner hatte 2005 den Paulihof an eine dänische Fondsgesellschaft verkauft, der Verkauf wurde inzwischen rückabgewickelt.
Es ist aber weiterhin nichts darüber bekannt geworden, wie das Gelände in Zukunft genutzt werden soll.

Die denkmalgeschützte Brandruine ist seit dem Großfeuer 2007 sich selbst überlassen und verfällt langsam. Obwohl das Gebäude einsturzgefährdet ist, wird es weiterhin von Obdachlosen und „Geisterjägern“ aufgesucht.

Im Dezember 2009 werden von den Schleswiger Nachrichten zwei neue Nutzungsmöglichkeiten für die Brandruine genannt. Zum einen hat das Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte ein Interesse an dem Grundstück. Während der mittlerweile pensionierte Direktor des Landesmuseums Dr. Guratzsch im Jahr 2002 aufgrund zu erwartender hoher Folgekosten den Erwerb des Gebäudes durch das Landesmuseum abgelehnt hat, bewertet sein Nachfolger, Dr. Fitschen, die Sachlage heute anders. Um den Barockgarten zu vergrößern, hat Dr. Fitschen nun ein Interesse daran, die Brandruine für das Landesmuseum zu erwerben.
Eine ganz andere Nutzung der Brandruine planen Frau M.Schubmann und ihre Freundin R.Berg. Nach ihren Vorstellungen könnte die Brandruine in ein Hospiz umgebaut werden. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes werden auf 2,4 Millionen Euro geschätzt, die Einrichtung und medizinische Ausstattung des Hauses würde eine weitere Million Euro Kosten. Der heutige Eigentümer des Gebäudes, der Bauunternehmer Udo Wagner, wäre bereit, die Brandruine zu verkaufen, wenn es realistische Pläne für eine Nutzung des Anwesens gibt.

 

 

10. Sanierungsbeginn August 2010

Im Juli 2010 hat das Gebäude erneut den Eigentümer gewechselt. Der 52-jährige Unternehmer Michael Fey aus Lürschau, Inhaber der Firma HADIKO WIND in Schuby, hat die Brandruine erworben um sie komplett zu sanieren.
Als erste Baumaßnahme soll bis Ende 2010 der Dachstuhl erneuert werden, anschließend sei die Entkernung des Gebäudes geplant. Über die spätere Nutzung gibt noch keine konkreten Pläne, möglicherweise werden in der Anlage Arztpraxen, großzügige Wohnungen und eine Gastronomie eingerichtet.
Falls ein Leser weitere Ideen für eine Nutzung des Anwesens Paulihof Nr.2 hat, möge er diese dem Eigentümer vorschlagen.

Pläne für eine weitere Verwendung dieses denkmalgeschützten Hauses wurden in den vergangenen Jahren von den jeweiligen Eigentümern desöfteren geschmiedet. Bisher sind keine der Ideen realisiert worden, das alte Lazarettgebäude war nach dem Großbrand 2007 dem Verfall ausgesetzt.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob der neue Eigentümer in der Lage ist, seine Pläne auch umzusetzten. Bis zum Jahr 2012 soll die Komplettsanierung abgeschlossen sein.

Stand : 07.04.11
Quellen: Schleswiger Nachrichten 24.10.2005, 19.10.2007, 24.10.2008, 04,09.09, 23.12.09, 08.10.10
Heinrich Philippsen, Alt-Schleswig
Harald Jenner, 100 Jahre Krankenhaus Schleswig
Theo Christiansen, Schleswig und die Schleswiger 1945-1962
Theo Christiansen, Gruss aus Schleswig
August Reimers, Das Husaren-Regiment Nr. 16
Gebäudeakte Paulihof 2

 

 

 

 

 

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