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31. Mai 2019
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150 Jahre Tierschutzverein Schleswig

Der Tierschutzverein Schleswig begeht in diesem Jahr sein 150jähriges Jubiläum mit einem großen Sommerfest.

Aus diesem Grund gebe ich an dieser Stelle einen Artikel wieder, der in der Februar-Ausgabe der Schleswiger Monatshefte 1968 unter der Rubrik „99 Jahre Tierschutzverein Schleswig“ erschien.

Aus alten Akten

Heute gibt es in Schleswig nur noch wenige Menschen, die den Namen ELPIS MELENA einmal gehört oder gelesen haben. Er war jedoch um die Jahrhundertwende noch gut bekannt. Der seltsame Klang erklärt sich dadurch, dass er aus dem Griechischen stammt. Er ist der Deckname einer hochherzigen adligen Dame, unter dem sie ihre schriftstellerischen Arbeiten herausgab. In Wirklichkeit war sie die Baronin Marie Espérance von Schwartz, die in Chalepa auf der Insel Kreta lebte. Um die weltweiten Beziehungen zu verstehen, muss man weiter zurückgreifen.

Im Jahre 1869 bildeten einige Schleswiger Herren einen provisorischen Zusammenschluss zur Gründung eines Tierschutzvereins, dem als erste Mitglieder angesehene Persönlichkeiten angehörten: u.a. Dr. Heiberg, Pastor Schnittger, Pastor Zieße, Direktor Reck, Oberlehrer Grünfeld, General von Manstein, Baron von Plessen. Geleitet wurde der Verein von Heinrich Detlefsen, Noorstraße.
Dir treibende Kraft aber war der Vereinssekretär Willibald Wulff, der 1893 in Schleswig starb und auf dem Michaelisfriedhof bestattet wurde. (Anm.: Sein bürgerlicher Name Joachim Wilhelm Wulff, Vater des Dichters Friedrich Willibald Wulff). Er muss eine sehr geachtete Persönlichkeit gewesen sein, denn ein alter Herr, der auf dem Hesterberg wohnt, erzählte, dass noch in seiner Jugend im Schulunterricht von Willibald Wulff gesprochen worden sei.

In Hamburg wurde Willibald Wulff 1807 geboren. Im 16. Lebensjahr trat er als Lehrling in ein Handelshaus ein. Er interessierte sich aber mehr für Kunst und Wissenschaft, trieb nebenher Sprachstudien und trat 1830 in den Polizeiverwaltungsdienst. In seinen Mußestunden schrieb er mehrere Bände Gedichte und Bühnenstücke. Wegen dauernder Kränklichkeit musste er seine Beamtenstellung aufgeben und lebte als Pensionär in Schleswig am Hesterberg 41, wo er Kunst und Wissenschaft pflegte.
Dem auflebenden Tierschutz war er ein warmer Freund und Förderer. Als geschäftsführender Sekretär führte er 20 Jahre glücklich den Verein. Er erreichte auch den Zusammenschluss der schleswig-holsteinischen Vereine zum Provinzialverband, dessen Präsident er mehrere Jahre war. Er machte Schleswig mehrfach zum Tagungsort. Dabei trieb er keine Kirchturmpolitik, sondern schloß Verbindungen mit weit entfernten Vereinen, mit Hamburg, Dresden, Schwerin, Stargard, Kassel, Köln, Göteburg, Lissabon, London und Neapel. Die Namen von Ehrenmitgliedern unterstreichen diese weltweite Beziehung. Genannt werden: Minister von Boethika, Berlin; Baron von Plessen, Schleswig; Justizrat Lembcke, Kopenhagen; Mr. John Colam, London; Pfarrer Wolf, Zürich; Präsident Elsinger, Wien; Prof. Dr. Szalkay, Budapest; Exzellenz Mary von Schilling, Riga; Hofstallmeister Soerdrup, Christiania und Baronin Marie Espérance von Schwartz (Elpis Melena).

Elpis Melena. Quelle: Wikipedia

Diese auf Kreta lebende Schriftstellerin findet sich in alten Akten als freundliche Geberin. Sie wurde in Southgate bei London als Tochter des Hamburger Bankiers Brandt im Jahre 1818 geboren und in Genf und Rom erzogen.
In Hamburg vermählte sie sich mit dem Baron von Schwartz. 1840 ließ sie sich in Rom nieder und trat in persönlichen Beziehungen zu dem italienischen Freiheitshelden Garibaldi, dessen Denkwürdigkeiten sie ins Deutsche übersetzte. Später siedelte sie auf die Insel Kreta über, wo sie sich der Aufständischen mit Rat und Tat und Schrift annahm. Sie gab „Kretische Volkslieder und Sagen“ und den Roman „Gemma“ heraus.
Besonders aufgeschlossen zeigte sie sich in allen humanitären Bestrebungen, also auch dem Tierschutz, zu dessen Ehrenmitglied sie ernannt wurde. 1885 machte sie dem Schleswiger Tierschutzverein eine erste Schenkung von 1000 Mk. Das war damals eine respektable Summe. Um das Geld sicher anzulegen, wurde es als erste Hypothek auf das Wulffsche Grundstück Hesterberg 41 eingetragen. Diese Hypothek sollte für immer unangetastet bleiben, die Zinsen aber nach dem Stiftungsstatut alljährlich zu Tierschutzzwecken verwendet werden. Als solche wurden festgestellt:

a) Beschaffung von Schutzdecken für Pferde und Zughunde, deren Besitzer derselben für ihre Tiere bedürftig seien.

b) Beschaffung von Kokos-Unterlagen für Zughunde zum Gebrauch bei nasser und kalter Witterung.

c) In einzelnen dringenden Fällen für Fütterung hungernder Tiere, einstweilige Unterbringung Umherirrender, einstweilige Pflege, Heilung in Verletzungs- und Krankheitsfällen, schmerzlose Tötung von Haustieren und sonstige dahin gehörende Vornahmen, so weit die Mittel reichten.

Auf blaugoldenem Grunde befindet sich in den Akten eine gedruckte Danksagung, die der Spenderin nach Kreta zugesandt wurde. Zu dem Statut gehört ein Kassenbuch, das lange Jahre von A. C. Andersen sorgfältig geführt wurde und genau aufführt, wie viele Pferde-, Esel- und Hundedecken angeschafft und welchem Fuhrhalter in Schleswig, Fahrdorf, Neuberend, Dannewerk sie ausgehändigt wurden. Als Revisoren der Jahre 1890-1918 zeichnen Taubstummenlehrer Warnecke, Redakteur Leonhard, die Kaufleute C. Jenter, Nootbaar und Domschullehrer Emil Terno. Dieser schuf auch Kreidezeichnungen von Elpis Melena und Willibald Wulff. Ob diese noch vorhanden sind, war nicht festzustellen.


Im Jahre 1893 machte die Baronin von Schwartz eine neue Schenkung von 400 Mk. Sie schreibt unter dem Datum vom 16. Oktober 1893 aus Florenz an Oberlehrer Steen (Domschule):

Sehr geehrter Herr Präses!
Anbei erlaube ich mir, Ihnen 400 Mk. zuzuschicken und gleichzeitig die Verwendung, die ich für jene Summen bestimme, anzugeben, wie auf folgender Seite von mir geschrieben steht. Ihnen für die genaue Erfüllung meines Wunsches im voraus meinen aufrichtigen Dank ausdrückend, bitte ich Sie, Herr Doktor, den Ausdruck meiner hochachtungsvollen und ergebenen Gefühle zu genehmigen.

Diese 400 Mk. sollen den Namen „Elpis-Melena-Stiftung zum Andenken an W. Willibald Wulff “ tragen, besonders berechnet werden und dieselbe Verwendung zum unmittelbarem Nutzen der Tiere (Pflege, Heilung, schmerzlose Tötung) finden wie die Elpis-Melena-Stiftung selbst, von welcher die 400 Mk.-Stiftung einen Teil bildet.

Elpis Melena (Marie Espérance v. Schwartz)

Im Protokoll des Jahres 1900 wird berichtet, dass die Baronin inzwischen verstorben sei. Der Vorsitzende wird beauftragt, sich mit den Erben in Verbindung zu setzen, um die 1000 Mk. Dem Verein zu erhalten, da die Stiftung auf den Namen der Baronin in das Grundbuch eingetragen war. So haben mehrfach Verhandlungen mit dem Testamentsvollstrecker Bankier Chattaway in London stattgefunden zwecks Abtretung des Protokollats an den Verein.
Sowohl Erben als auch Testamentsvollstrecker gaben bereitwillig ihre Zustimmung. Die Verhandlung führte Justizrat Hein in deutscher und englischer Sprache. Die letzten Schriftstücke stammen 1913 von Rechtsanwalt Lassen, der seine Kanzlei damals Mönchenbrückstraße 10 hatte.

Im Kriegsjahr 1915 wurde die Wulffsche Stiftung in Kriegsanleihe angelegt und durch die Inflation völlig entwertet. Ebenso verlor die Elpis-Melena-Stiftung ihren Wert. Auf Nachfrage beim Grundbuchamt in diesem Sommer konnte festgestellt werden, dass die Hypothek Hesterberg 41 im Jahre 1931 abgelöst worden sei. Ihr Wert betrug nur noch 4,65 Mk.

Das Protokoll berichtet noch von zwei weiteren Stiftungen. Die 1899 verstorbene Frau Pastor Meggers in Schleswig setzte in ihrem Nachlass dem Schleswiger Tierschutzverein ein Legat von 1000 Mk. aus. Die Schenkung trug den Namen „Meggers-Stiftung“ und sollte ausschließlich für Zwecke des Tierschutzes verwendet werden. Zuletzt ist die Stiftung von Polizeimeister David auf Gut Winning zu nennen. Sie betrug zunächst 400 Mk. und wurde später von seiner Gattin aufgestockt.

Alle oben genannten Personen weilen heute nicht mehr unter den Lebenden. Auch der materielle Wert ihrer Schenkungen ist im Wechsel der Zeiten verloren gegangen. Geblieben aber ist das Andenken an ihre guten Taten, die einer vornehmen Gesinnung entsprangen.

Quelle: Schleswiger Monatsheft 2/1968, Verlag Herbert Weber, Schleswig

Anmerkung von Nicole Schmonsees, Tierschutzverein:

Wir haben auf dem Michaelisfriedhof, versteckt unter Buschwerk den Gedenkstein für Willibald Wulff gefunden. Nach der Reinigung der Säule konnten wir lesen, dass der Stein von Elpis Melena selbst gestiftet wurde. Die Friedhofsleitung bot uns diesen Stein an, um ihn vor dem Verfall zu retten.
Wir haben die Gedenksäule von einer Fachfirma reinigen lassen und nun hat er einen Ehrenplatz am Katzenhaus.

Foto: Tierschutzverein