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Ein eher unbekannter Weg, der so manchen älteren Schleswigern und Bewohnern des Stadtteils St.Jürgen noch bekannt ist, ist der St.Jürgener Kirchensteig, auch bezeichnet als St.Jürgener Kirchenweg oder Wurt. Dieser Weg verlief zwischen dem damaligen Dorf St.Jürgen, das erst 1936 von der Stadt eingemeindet wurde, vom oberen Gallberg beginnend bis zum Polierteich. Die Dorfbewohner konnten über diesen Kirchensteig die Michaeliskirche erreichen, daher auch seine Namensgebung.  Der Verlauf des Weges wurde aufgrund der Expansion der Provinzial Heil- und Pflegeanstalt mehrfach verlegt. Zuletzt verlief der Kirchensteig etwa parallel zur heutigen Zufahrtsstraße vor den Häusern 16 und 17.


1863
Die „Daareanstalt“ im Jahr 1863. Zu erkennen sind das Männerhaupthaus (heute Verwaltungsgebäude) westlich sowie das Frauenhaupthaus östlich des Mühlenbaches. Der Kirchensteig verlief südlich der Anstalt über freies Gelände.

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Damit die Fußgänger auf dem Kirchensteig nicht mit den Patienten der Heilanstalt in Kontakt kamen, wurde eine Überbrückung des Weges notwendig. Der Kichensteig führte unter der Brücke hindurch. Lageplan von 1907.

 

Durch weitere Landkäufe wurde das Anstaltsgelände in der Zeit von 1820 bis 1870 von 56 Hektar auf 140 Hektar vergrößert. In den folgenden Jahren wurde die Anstalt auch nach Süden erweitert, was eine Berührung mit den Kirchensteig zur Folge hatte. Offensichtlich war es für die Anstaltsleitung wichtig, dass die Patienten nicht mit den Dorfbewohnern in Kontakt kamen. In dieser Zeit war das Anstaltsgelände komplett eingezäunt, ein Betreten des Areals war für Unbefugte nicht möglich. In dem Verwaltungsbericht der Provinzial-Heilanstalt für den Zeitraum von 1870-1920 schreibt Prof. Dr. Kirchhoff (1902- 1919 Direktor der Anstalt):

„Ein Vorteil von hohem Werte war es, dass es infolge der Landankäufe auch möglich wurde, die Verlegung und Absonderung des sogenannten St.Jürgener Kirchensteiges vom Anstaltsgelände zu erreichen. Dieses Servitut hatte schon 1836 nach Ankauf östlich vom Bach liegender Ländereien nicht abgelöst werden können; nur eine Verlegung des Weges an den Südrand des damaligen Gebietes wurde erreicht.
Als sich nun die Anstalt vergrößerte, wurde der Weg bei einer späteren dadurch erforderten Verlegung noch offen durch das Gebiet geführt, als aber auch südlich von ihm neue Häuser entstanden, wurde er bei der dritten Verschiebung an mehreren Stellen tiefer gelegt und an den Stellen abgegrenzt, sowie überbrückt, so dass die St.Jürgener Kirchgänger jetzt ohne das Anstaltsgebiet zu berühren, ihren Weg benutzen können; dies ist umso wichtiger, als das sonst überall offene Gebiet sehr leicht von Unbefugten betreten werden kann.
Eine der genannten Brücken führt zu dem an einem Abhang über den Polierteich sehr schön gelegenen Wäldchen, welches aber vorläufig nur bis 1927 gepachtet ist; die Hoffnung, es dauernd zu erwerben, führt zu dem Wunsch, dass ein der Anstalt in Aussicht gestelltes größeres Legat die Mittel dafür hergeben darf; diesen Vorschlag des Herrn Sanitätsrates Dabelstein würde ich auf das lebhafteste unterstützen, da das Wäldchen für viele Patienten ein schöner, stiller Ruhepunkt geworden ist, den man nicht verlieren will.“

 

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Auf dem Plan ist der Verlauf des Kirchensteiges vor den Häusern 16 und 17 zu erkennen. Die Brücke, die die Patienten von den Dorfbewohnern trennte, ist eingezeichnet. Plan von 1914

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Auf einem Lageplan von 1914 sind beide Brücken über den Kirchensteig eingezeichnet. In der Mitte Haus 17, rechts Haus 16.

 

Im Juli 1915 hatte der Magistrat der Stadt Schleswig folgenden Beschluss gefasst:
„Die Stadt Schleswig als Eigentümerin des sogenannten St.Jürgener Kirchensteiges gibt demnach nunmehr ihre Zustimmung zu der durch den Provinzialverband der Provinz Schleswig-Holstein über den genannten Weg an zwei Stellen zwecks Verbindung der einzelnen Anlagen der Provinzial-Heilanstalt vorgenommenen Überbrückung, jedoch vorbehaltlich eines jederzeit möglichen Widerrufs.“

Im Juli 1921 war die Brücke beim Wäldchen derart baufällig, dass ein Einsturz drohte. Die Provinzial-Heilanstalt musste eine möglichst kostengünstige Reparatur der Brücke vornehmen lassen:
„Um die Fußgängerbrücke über den Kirchensteig auf der Provinzial-Heilanstalt Stadtfeld vor dem Zusammenbrechen zu bewahren, musste eine sofortige Reparatur vorgenommen werden. Das Aussehen ist dadurch nicht verändert worden, nur die Höhe ist etwas geringer, denn anstatt des früheren freien Holzbogens wurden 3 eiserne Träger verwendet und die Holzbögen auf die Träger gelegt, sodass die Höhe von Oberkante Fußsteig jetzt 2,30m beträgt. Der großen Kosten wegen musste von einem freitragenden Holzbogen Abstand genommen werden.“

Wann die Brücken und der Kirchensteig rückgebaut wurden, ist mir nicht bekannt. Mein Vater kann sich aber daran erinnern, dass er als Kind/Jugendlicher in den 50er Jahren im Winter mit dem Schlitten den Kirchensteig entlang unter den Brücken hindurch gefahren ist.

 

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Bauskizze von 1907 von der Brücke beim Wäldchen.

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Eine Ansicht von 1914 der geplanten Brücke über den Kirchensteig im Bereich der Häuser 16 und 17.

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Der Kirchensteig verlief zuletzt links von den Bäumen, rechts Haus 16. Aufnahme 15.11.2010.

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Auf dem Bild sind die Reste der Widerlager von der Brücke am Wäldchen zu sehen. Aufnahme 16.02.2013.

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Der Verlauf des St.Jürgener Kirchensteiges ist am Abhang heute noch zu erkennen. Aufnahme 16.02.2013

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Im Vordergrund der Rest des Brückenwiderlagers und Haus 17. Aufnahme 16.02.2013

 

 

Stand: 16.02.2013