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Zur Erklärung:
Diese Anekdote dreht sich um die Eigenarten des Holmer Fischers „Käppn Fischer“, der bei den Holmern unter seinem Oekelnamen „Schipper Duk“, oder auch „Schipperduk“ bekannt war. Sein richtiger Name lautete Christian Fischer, er wohnte damals im VI. Quartier Nr.70 (Süderholmstraße 36).

Viele Holmer Fischer hatten einen Oekelnamen, der meistens aus einer besonderen Eigenart der Person hervorging. Christian Fischer war Schiffer einer der Holmer Fischwaden und fischte draußen auf der Schlei. Bei wechselndem Wind warnten ihn die Wadenfischer davor, das Segel an den Kopf zu kriegen: „Schipper, duk di!“, sagten sie, was man zu Schipper Duk oder Schipperduk zusammenzog.

Doch was zog den späteren preußischen Finanzminister Georg Freiherr von Rheinbaben (1855-1921) nach Schleswig? Bevor von Rheinbaben zum preußischen Innenminister und später zum Finanzminister ernannt wurde, arbeitete er ab 1882 im Oberpräsidium Schleswig.
In Schleswig lernte er seine zukünftige Ehefrau Hedwig von Liliencron (1854-1938) kennen. Ihr Vater war Rochus von Liliencron , der von 1876 bis 1908 Probst des Damenstiftes St.-Johanniskloster vor Schleswig war. Georg Freiherr von Rheinbaben und Hedwig von Liliencron heirateten 1885 im St.-Johanniskloster.

Auch zeitlich lässt sich die Anekdote einordnen. Im Text ist Freiherr von Rheinbaben bereits Finanzminister. Da von Rheinbaben dieses Amt von 1901 bis 1910 ausübte, muss sich die angesprochene Bootsfahrt im Gewittersturm in diesem Zeitraum zugetragen haben.


Auf dem Holm

Öllere Schleswiger un Holmer kenn em noch gut, Käppn Fischer, avers blots kenn se em ünner sein Oekelnam „Schipper Duk“. Als Fohrensmann harr Käppn Fischer de Weltmeere döchkrützt un harr veel fremm Lann un fremm Minschen kenn leert. Sien Lebnsfierobend verlev Käppn Fischer up de heimotliche Holm bi sien Frünn un Navers. He foar mit se up de Slie un hulp gelegentli bi das swoare Handwark, de Fischerie.

So ass de meisten Holmers stünn Käppn Fischer bi de Adelsfamili von Liliencron, de up dat St. Johanniskloster waant, domals, in bannig god Ansehn. Un ebenso bi den Oberpräsidenten in Schleswig.
Wat de Adelslüd mit Käppn Fischer verbunn, weer een ganz natürliche Fründschaft. An Käppn Fischer sien originale Eegenort harrn ebn de von Liliencron eer uprichdige Freud. Veele ole Lüd, ok de versturbn Domköster Jörn Ross kunn bannig god dorvunn vertelln, wussen von een dulle Bootsfoart in en Gewitterstorm, de Schipper Duk, Käppn Fischer, mit de Famili von Liliencron und von Rheinbaben, dat weer von Liliencrons Swiegersön, up de Slie dörchstoan hett. Schipper Duk hoale de Finanzminister Freiherr von Rheinbaben un sien Frunslüd moal vun Louisenlund na de Holm torügg, un dat güng so to.

Doar keem en Gewitterstorm up un dat regen düchtig. Dat Boot güng op un doal. De Frunslüd jammerten, un de Minister bäd Schipper Duk, he möch doch leever umkeern, orer Borgwedel anstürn, damit se all nich versupen brucken.
Schipper Duk avers seet ruhig ant Stür un sä to de Minister: „Bliebm Se man ganz ruhig sittn, Se verstan niks vun de Seefoart, wenn ok Se wat von de Finanzen doar babn in Berlin verstann. Ikk heff seggt, ik bring se na Hus, dennso do ik dat ock. Blots dat givt hüt moal ornlich en natte Mors!“ – Dat keem ok gut torech, wenn ok dornatt, keem de Famili von Rheinbaben nat Kloster torüch.

Na en korte Tid keem de Breefdräger to Schipper Duk un legger en grote Breef up de Kökendisch. Schipper Duk höll nicks vun Breefkram un sä to sien Fru: „Mak dat Schiet moal up!“
Doar avers keem Schipper Duk doch von de Sofa herünner un kreeg sien Piep ut de Mund. He höll en fein Bild vun Minister von Rheinbaben inne Hand mit Ünnerschrift vun em un en Dank vör „Rettung aus schwerer Seenot“. – Na en Tid lang kreeg Schipper Duk Besök. He seet werrer to smöken up de Sofa inne lütte Köök. Doar keem de Minister von Rheinbaben rin vun de Kökendör: „Guten Tag mein lieber Fischer, ich wollte mich nochmals persönlich bedanken…“ Schipper Duk sprung up vunne Sofa: „Gundag Exellenz, sett doal, nimm Platz Exellenz! Minschenkinner, wat hev ik mi to dat Bild freut! Mudder krieg de Ketl to für. Sett doal Exellenz, wi wüllt en lütte Krock drinken, wat heff ik mi freut Exellenz!!“

Käppn Fischer wurr ok moal vunne Oberpräsident vun Schleswig-Holsteen upfördert, em moal in sien Amtsstuv up de Regeerung in Schleswig to besöken. Doarmals waane de Oberpräsident noch in Schleswig, nich in Kiel.
Dat weer kort vor Wienachen un dat weer kold. Schipper Duk harr sin warm Wollschoal umme Hals bunn, de warme Wollstrümp över de Büx trocken un anne Föt harr he warme Klotzen. In düsse Antog avers wull em de Beamte inne Votstüv vunne Oberpräsidenten nich to sien Herrn anmelln un erst rech nich rinlaten.
Dat funn avers Käppn Fischer, Schipper Duk, doch rein lächerlich. Dorüm seggt he kort und bünnig to de Kerl: „Wenn du mi nich rinnletst, denn lat dat na, dennso ga ik süllm alleen rinn!“
De Vörstuvbeamte kreeg dat mit de Angst dorbi, he würr bang vör sien Posten. Sien Verwunnerung aver weer noch duller, als Schipper Duk süllm de Dör upmoakt un to de Oberpräsident ringüng. De Oberpräsident stunn vorts vunne Schrievdisch up un keem Schipper Duk inne Möt: „Ei, guten Tag mein lieber Fischer, das ist aber nett von Ihnen, daß Sie mich mal besuchen! Bitte nehmen Sie doch hier Platz…“
De Vörstuvbeamte warr gans merkwürdi to Mot. Wi dat blots angoan kunn, dat mit „einem si gewöhnlich angezogenen Menschen der Oberpräsident freundschaftlich verkehren konnte“; dat hett de Kerl sien Dag nich begreepn.

(Schleswiger Monatsheft, Oktober 1961)