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Zu den wenigen Geschäften, die es erfolgreich in die Gegenwart geschafft haben, gehört auch die Firma Richard Petersen. Im Dezember 1969 erschien dieses Firmenportrait in den Schleswiger Monatsheften:



Der Eisenhandel im Zeitenwandel

Firma Richard Petersen
Inhaber: Max Rühr KG

„Über unsere Branche gibt es ja nichts Blumenreiches zu berichten“, schmunzelt der Seniorchef und Inhaber des Hauses Richard Petersen, Max Rühr. Das war eine einwandfreie Festnagelung auf die sachliche Linie.
Dabei assistierte ein 9 mm kleiner Nagel, womit man etwa eine Zierleiste in einer Puppenstube festnageln kann, sowie ein 260 mm langer Nagel, wie man ihn für stabile Hausbalken verwendet. Beide kontrastreichen Eisenartikel sind zwei von insgesamt 48000 Artikeln aus dem Warensortiment des bekannten Unternehmens in der Mönchenbrückstraße. Wir nahmen sie als Souvenir mit nach Haus´. Was weiß ein Laie sonst schon von Nägel…!

Die „Reise durch Vergangenheit und Gegenwart“ begann in der behaglichen Wohnung des Ehepaares Rühr. An den stattlichen Räumen selbst hat sich nach dem ersten großen Um- und Neubau nichts geändert. Natürlich ist modernisiert und verschönert worden, in der Wohnung, in den Geschäfts- und Büroräumen, auf dem Hof, im Lager. Eine Ausfahrt führt bis zum Kattsund. Garagen und Hallen umsäumen die Räume.

Nichts Blumenreiches in dieser „stahlharten Branche“? Das wollen wir doch ´mal sehen! Alte Zeitungen gewinnen bekanntlich mit den Jahren an Wert. Beim Renovieren entdeckt man plötzlich unter uralten Tapeten ein wahres Museumsstück mit Schlagzeilen wie „Die Kaiserin in Schleswig“, oder „Husarenball im Bellevue“, sind, wenn es sich um eine Zeitung von 1907 handelt: „Alte Firma in neuem Gewande“.
Damals hatte die tradtionsreiche Eisenwarenhandlung soeben ihren großen Neubau vollendet. Ein originelles Photo aus der heutigen „Ahnengalerie“ zeigt, dass das fast nach dem Baurezept von 1969 vor sich gegangen war. Es wurde von außen nach innen, um das kleine Stammhaus herum gebaut. Das erregte damals viel aufsehen.

Eisenwarengeschäft Richard Petersen

Auch eine knapp zehn Jahre alte Zeitung hat manchmal schon historischen Wert. So heißt es in den SN vom 14. Mai 1960 beispielsweise „Änderungspläne der Anlagen am Freiheitsdenkmal“. Ein Foto zeigt die Schleihalle, vom anderen Ufer aus betrachtet. Eine halbseitige Anzeige verkündet „150 Jahre Richard Petersen“. Auf der Titelseite berichtet Johannes Thomsen ausführlich über „Schleswigs ältestes und größtes Eisenwarenkaufhaus, das repräsentative Gewese Mönchenbrückstraße 8“.

Es war 1810 von dem heimischen Kaufmann Johann Hinrich Petersen gegründet worden und führte hauptsächlich Gewürze, Kurzwaren und Stangeneisen. 1853 übertrug der Gründer sein Geschäft seinem Sohn Heinrich Richard Petersen, der sich mit der Zeit weitgehend auf Eisenwaren und Hausstandssachen umstellte. Der eigentliche Namensgeber setzte sich 1889 zur Ruhe und übergab sein Lebenswerk dem erfahrenen Friedrichsberger Kaufmann Christoph Stehn.

Er war es, der im Hause Mönchenbrückstraße das erste Telefon Schleswigs installieren ließ.
Aus dem „Friesbarch“ hatte sich Christoph Stehn, der Inhaber des Eisenwarengeschäftes Friedrich Kähler, seinen frühren Commis, den gebürtigen Kieler August Möller mitgebracht. Dieser tüchtige, weitblickende Mann wurde bereits ab 1890 Mitinhaber und 1933 alleiniger Inhaber. „Aha“, sagen alte Schleswiger jetzt sicher, „DAS war also der berühmte Möller mit´n Ö!“. Das stimmt und man kann nur vermuten, wie dieser populäre Name entstanden ist. Vielleicht, weil man zu Möller dauernd Müller sagte…

August Möller war ein rechtes Unikum und viele lustige Döntjes ranken sich um seine unvergessene Person. Sein Schlagwort war „Unsere Parole ist SOFORT“ und damit war er auch nicht zu schlagen!
Max Rühr, Sohn eines Schleswiger Postoberinspektors, trat 1924 als Lehrling in die Firma ein. Zu jener Zeit scharte sich schon ein großer Kundenkreis aus Stadt und Land um das Geschäftshaus in der Altstadt. Öfen, Herde und landwirtschaftliche Geräte zählten nun auch zur Handelsware. Rühr sah sich gründlich in allen Sparten der gewichtigen Branche um, war auch in Bad Segeberg tätig und kehrte 1929 in das Haus seines Lehrherrn zurück.
Der versierte Eisenkaufmann erhielt 1934 Prokura. In diesem Jahr starb August Möller. Mit seiner Witwe führte Rühr das Geschäft gemeinsam, wurde 1948 Teilhaber, führte es nach dem Tode Frau Möllers 1952 mit der Erbengemeinschaft weiter und wurde 1959 Inhaber. Die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft erfolgte.
An dieser langen Aufwärtsentwicklung hat Frau Marianne Rühr wesentlichen Anteil. Sie hat die gesamte Buchhaltung unter sich. Während der Kriegsjahre musste sie selbst mit im Kundendienst tätig sein.
„Und wenn Heine Landsmann und andere gute Kunden mir nicht zuerst alles genau erklärt hätten, wäre ich mit meiner Warenkunde damals nicht weit gekommen“.

Richard Petersen, Hofansicht

Zu unserer fröhlichen Plauderrunde gehört auch Sohn Klaus Rühr, der Juniorchef des Hauses, der schon als Schuljunge im langen Kittel mithalf und später den Beruf von der Pike auf lernte. Er war lange auch im Außendienst tätig, der ein wichtiges Bindeglied zum auswärtigen Kunden ist. Heute ist ein Vertreter fest im Kundendienst beschäftigt.
Mit viel Ballast aus alten Zeiten hat man sich bei Richard Petersen nicht umgeben. Fortschritt prägt die modernisierte Front, die Verkausräume und das Warenprogramm. Eine uralte Balkenwaage aus dem Jahre 1710 ist noch vorhanden. Mehrere Jubiläumsplaketten aus stabilem Eisen zeugen von den stabilen Beziehungen zu Ahlmann in Rendsburg. Diese bestehen seit 1835 und zu jedem runden Ereignis untermauerte ein gewichtiges Geschenk das treffliche Verhältnis der Geschäftspartner.

Es ist fast problematisch, das Warenangebot, das im Groß- und Einzelhandel vertrieben wird, verständlich darzulegen. Es ist bezeichnend für unsere baufreudige Zeit, das Baubeschläge zu den führenden Artikeln gehören. Das Sortiment an Nägeln, Schrauben, Haken und Ösen ist für das fachmännisch geschulte Personal nur ein Griff in die richtige Schublade.
Was der ungeschulte Kunde oft umständlich ausdrücken muss, wird ihm im Blitzkursus präsentiert. Handwerker aller Sparten zählen vornehmlich zum Kundenstamm. Werkzeug und alles Bauzubehör für Bad, Küche, Stallungen, Dach, Haus und Garten sind auf Lager. Drahtgeflechte, Ketten und Verkleidungsmaterial stehen parat. Landwirtschaftliche Geräte und, in großer Auswahl, Gartengeräte, stehen auf dem Programm.

Die Firma hat die Vertretung der bekannten WOLFF-Geräte und ist ab 1970 Service-Händler von WOLFF. Hand-, Motor- und Elektrorasenmäherhalten zwar gerade Winterschlaf, zählen aber gewiß zu den begehrten Weihnachtsgeschenken. Bei jedem Mann, der das „Klütern“ zu Hause liebt und beherrscht, steht bestimmt ein Heimwerker auf dem Wunschzettel. Do it your-self heißt die moderne Losung und dafür hält Richard Petersen eine Reihe bekannter Markengeräte bereit, darunter Black & Decker, Rockwell, Metabo und Bosch. Zum Grundgerät gibt es mehrere praktische Zusatzgeräte. Auch Frauen wünschen sich erfahrungsgemäß so ein individuelles Geschenk.

Weiter im Wunschzettel: Rollschuhe, Schlittschuhe, Gleitschuhe, Schlitten. Im tollen letzten Winter musste laufend für Nachschub gesorgt werden. Die Schleswiger sind ein wintersportliches Volk und zwar von Kindesbeinen an. Überhaupt ist in dem großen Verkaufsraum alles sehr übersichtlich dargeboten. Der Besucher kann sich in vielem der Vor- und Selbstwahl bedienen. Ganze Reihen von Ständen bieten gängige Eisenkurzwaren, Werkzeuge und kleine Helfer für den perfekten Hausstand an.

Das Personal setzt sich aus 23 Mitarbeitern zusammen, die zum Teil schon viele Jahre zum Haus gehören. Jeder hat seinen festen Aufgabenbereich, im Laden wie im Lager.
Was früher Regulierofen war, ist heute der Vollautomatik-Kohleofen. 1954/55 wurden Ölofen sehr populär. Moderne Öfen und Herde stehen ebenfalls auf dem Lieferprogramm, genau wie Garagentore, feuerhemmende Türen, Stahltüren, Betonmischer und andere imponierende „Zutaten“ für den Hausbau.

Den Schlüsseldienst nicht zu vergessen! Die Firma Richard Petersen unterhält einen eigenen Schlüsseldienst. Wenn jemand vor seiner eigenen Tür ausgeschlossen ist, wende er sich immer an den Schlosser in der Nähe, der wiederum zum Kundenkreis von Richard Petersen zählt. Dieser harmonische Kreislauf machte die Firma in Generationen zu einem führenden und blühenden Unternehmen.

(Quelle: Schleswiger Monatsheft, Dezember 1969)

Anmerkung:
Die Firma Richard Petersen hat es erfolgreich in die Gegenwart geschafft und hat ihren Firmensitz in der Agnes-Pockels-Straße 1 im Gewerbegebiet St. Jürgen. Website:
www.richardpetersen.de