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„Es sitzt wie angegossen…“, sagt man von einem Kleidungstück, das auf Anhieb paßt. Im weiten Sinne übertragen auf das Kaufhaus GRIMME kommt dem Betrachter der gleiche Gedanke: „Es paßt wie angegossen! In das Stadtbild, das Geschäftsleben unserer Stadt, in seinen großen Platz zwischen Stadtweg und Allee.“ „Schleswig bekommt ein großes Kaufhaus! Grimme kommt!“ hieß es vor reichlich zwei Jahren. Bei gut organisierten Zwischenlösungen, zuerst im alten Gebäude am Stadtweg, später im großen Pavillon am ZOB, wuchs eindrucksvoll und im rasanten Tempo der Kaufhaus-Neubau. Bereits im vergangenen September öffnete es erstmals sein 6 Meter breites Glasportal und vermittelte uns zugleich einen Hauch von Großstadt. Mit seinen grünfarbenen Kacheln und der interessanten weißen „Schachtel-Fassade“ aus Keramik Elementen entspricht es dennoch so ganz dem dezenten Provinz-Charakter. Ein großes Warenhaus mit dem Motto: Alle Güter des täglichen Bedarfs unter einem Dach – ist erfahrungsgemäß ein Anziehungspunkt, der allen zugute kommt.

Mit Begeisterung begrüßte vor allem die Jugend Schleswigs erste Rolltreppe, nicht ohne Scheu der Älteren. Mittlerweile benutzen alle Besucher diese bequeme Beförderungseinrichtung als nahezu sebstverständliches Privileg. Überhaupt wurden die „Verkehrsprobleme“ innerhalb des Hauses auf vorbildliche Weise gelöst. Außer den Rolltreppen stehen zwei Fahrstühle für Kunden- und Warentransport zur Verfügung. Eine neuartige Lösung des Parkproblems ist das große Parkdeck im 3. Stock, mit der Auffahrt vom Stadtweg. 60 PKW’s können hier gleichzeitig parken. Allein die herrliche Aussicht über Stadt und Schleipanorama lockt viele kauflustige Autobesitzer in die luftige Parkhöhe.

Bei GRIMME gibt es eine Vielzahl von imponierenden Einrichtungen nach neuzeitlichsten Gesichtspunkten. Von dem vorzüglichen Kundendienst und sorgfältig und reichhaltigen sortierten vielen Spezialabteilungen des Hauses überzeugt sich der Kunde täglich auf neue. Ein gut funktionierender Service ist nur gewährleistet, wenn, wie hier, auch im „Hinterland“ gut geschulte Mitarbeiter und moderne technische Hilfsgüter zur Verfügung stehen.

Der Geschäftsführer des Schleswiger Unternehmens, Herr Möller, ist ein vielbeschäftigter Mann. Dennoch fand er Zeit, und auf dem interessanten Rundgang durch sämtliche Stockwerke zu begleiten, obwohl alle Augenblicke der elektrische Hausgong ertönte: „Herr Möller in den X-ten Stock…“, „Herr Möller bitte an’s Telefon“. Die Rufanlage verfügt über 70 Lautsprecher.

Eine öffentliche Telefonzentrale befindet sich im 1. Stock beim Eingang zum Erfrischungsraum. – Es prägt die harmonische Atmosphäre des ganzen Hauses, daß jeder Mitarbeiter sich sichtbar stolz und freudig der Wichtigkeit seines Postens bewußt ist, von den fleißigen Küchenhelferinnen und dem Portier in der Parkdeckloge bis zum Abteilungsleiter im eleganten Dress. Es soll ja vorkommen, daß Angestellte zuweilen auf den Warnpfiff „Der Chef kommt“ hektisch und übereifrig alles stehen und fallen lassen. Hier wägte der Hausschlachter erst seine Rinderkeule ab, ein kräfiger Schlag mit dem Hackebeil. Dann erst hieß es: Guten Tag. Der Lagermeister zählte „zweiundzwanzig – dreiundzwanzig Matratzen…“, der Koch mit der lustigen hohen Mütze rührte seine leckere Suppe fertig, dann strahlte er über’s ganze Gesicht. Die arbeitsreichste Tageszeig hatt er auch gerade hinter sich.

Im Keller werden wir von Kühlraum zu Kühlraum geführt. Sämtliche Lebensmittel sind getrennt nach benötigten Kältegraden in blitzsauberen Räumen untergebracht. Hier unten werden auch die zahlreichen Aspiranten für die knusprige Hähnchenbraterei vorbereitet und Räucherwaren, Obst und Gemüse hygienisch in Folien verpackt oder gepreßt. – Große Lagerräume befinden sich im angrenzenden Keller. Die Dekorationsabteilung ist in einem Raum gleich hinter bzw. unter den 13 Schaufenstern zu Hause. Mit Hilfe von verstellbaren Leitern klettern die Dekorateure direkt in die Fenster. Hier sah es nach muterem, blütenreichen Frühling aus. Die ständig wechselnden, stilvollen Auslagen des Kaufhauses Grimme sind laufend aktuellen Ereignissen der Mode, der Natur, der Jahreszeit und oft auch bedeutenden kulturellen Veranstaltungen der Stadt angepaßt. Aus kleinen Einzelkabinen plinkern lanbewimperte Kunststoffdamen kokett durch’s Fenster.

Beim Eintritt in’s Erdgeschoss empfindet man gleich die übersichtliche Einteilung des Ganzen. Neben der Abteilung für Bücher und Papierwaren steht eine hübsche Schallplattenbox. Wäsche, Miederwaren, Kurzwaren, Strümpfe und Lederwaren befinden sich hier. Streng getrennt von Lebensmitteln sind Seifenartikel und Parfümerien. Die Lebensmittelabteilung ist ein Schmuckstück. Überhaupt ruht das ganze Haus auf festen Säulen, die in alle Etagen ein verschiedenfarbiges Mosaiksteinchenkleid bekamen. In der – durch „Luftschürze“ seperat gehaltenen – Lebensmittelabteilung sind es blau-weiße Steinchen. Das sieht so sauber und frisch aus, wie der gesamte, vorzüglich aufgeteilte Raum und seine für Frischfleisch besonders klimatisierten Nebenräume. Eine Vielzahl verlockender Gaumengenüsse aller Marken und Himmelsrichtungen geben sich hier ein großzügig arrangiertes Stelldichein.

Im 1. Stock lockt von weitem der aparte Erfrischungsraum. Er wurde inzwischen sehr populär. Viele Schleswiger treffen sich hier zum Imbiß und zur Kaffeestunde. Mittags herrscht ein besonders großer Andrang. Die Tageskarte verzeichnet täglich eine Fülle schmackhafter, preiswerter Gerichte. Bis zum Nachmittag kann à la carte gegessen werden. 160 Sitzplätze sind in diesem schönen, behaglichen Raum vorhanden. Durch die Anordnung der Tische und Stühle und durch Halbwände ermöglicht er ungestörtes Sitzen in einer netten, intimen Atmosphäre. Er wirkt besonders eindrucksvoll durch die Teppichwandbespannung in warmen Rot. Originelle „Igel- Lampen“ und wertvolle Kristallampen schaffen anheimelnde Beleuchtung. Neben der großen Klimaanlage für das ganze Gebäude gibt es eine spezielle Klimaanlage für den Erfrischungsraum. Per Außentemperaturregler wird die Luftzufuhr, je nach Jahreszeit, automatisch reguliert. Dem freundlichen, aufmerksamen Bedienpersonal sei hiermit eine lobende Extrazeile gewidmet. Angrenzende Küche und Konditorei sind eine Zauberwerkstatt für sich. Abwechslungsreiche Menüs, kalte Platten (bis zur tischfertigen Luxusausfertigung frei Haus), leckere Torten, Eis- und Sahne-Spezialitäten werden hier zubereitet. Warmhalte-Büffets für die bestellten Gerichte, riesige Elektroplatten-Herde mit einer großen Haube zur störungsfreien Entlüftung, automatische Abwaschmaschine, Super-Kaffeemaschine sind einige der vielen komfortablen technischen Assistenten.

 

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Kaffe und Kuchen waren first class. Nun wandern wir weiter durch die Verkaufsräume des Hauses. Charakteristisch für alle Abteilungen ist die Aufteilung in viele ineinandergehende und doch seperat gehaltene „Kabinen“, in denen der Kunde ungestört und bequem beraten wird. Verkaufsstände, Regale und Gondeln laden zur Vorwahl ein. Doch überall steht Personal zur individuellen Bedienung bereit.

Bedeutend ist das Warenangebot in den Konfektionsabteilungen. Rund 4000 Beleuchtungsröhren, auf alle Räume des Hauses verteilt, sorgen für angenehme, tageslichtähnliche Beleuchtung. In die Anprobekabinen der Konfektions-Abteilung fällt sogar natürliches Tageslicht.

Im 2. Stockwerk befindet sich die kürzlich nochmals erweiterte Abteilung für Wohnraumgestaltung. Geschmackvolle Zimmereinrichtungen werden hier in mehreren Boxen präsentiert. Für Rundfunk und Fernsehen (zum Teil auch Parterre) gibt es eine Sonderabteilung. Lampen, Elektrogeräte, Haushaltswaren aller Art sind hier zu erstehen, genau wie Spielwaren, Sport und Campingartikel sowie Notlichtanlage.

Die hinteren Räume des 2. Stocks sind, mehr anonym und doch sehr wichtig, für den Kundendienst gerüstet. Hier ist die Anfahrtsrampe für Waren. In der Warenannahme wird alles systematisch verteilt. Kundenlieferungen sammeln sich wiederum hier beim Versand, um pünktlich und sorgfältig verpackt mit einem der sieben stadtbekannten, gelben Lieferwagen transportiert zu werden.
Das 3. Stockwerk gehört weitgehend dem Parkdeck. Vollautomatische Heizungsanlagen, Klimaanlagen, sowie die große Müllverbrennungsanlage fanden hier außerdem ihren Platz.

In der 4. Etage geht es fast ebenso lebhaft zu wie in den Verkaufsabteilungen. Hier sitzt die Verwaltung in hübschen, hellen Büros untergebracht. Eine abgeschlossene Telefonzentrale ist vorhanden. Kreditwünsche werden im eingenen Büro diskret und zu günstigen Bedingungen behandelt. Über 300 Mitarbeiter sind im Kaufhaus GRIMME tätig. Ihnen gelten die bemerkenswerten sozialen Einrichtungen wie Schulungsraum, Krankenzimmer, Duschraum und vor allem das Personal-Kasino. Es ist ähnlich gestaltet wie der Erfrischungsraum und verfügt über eine eigene Küche. Das Mittagsessen wird pr. Paternoster von der Großküche im Hause geliefert. Eine wunderschöne Aussicht und die fürsorgliche Betreuung machen das Kasino zu einem idealen Aufenthaltsraum für die freien Augenblicke. Präzise und gründliche Planung prägt den gesamten Komplex des imponierenden Neubaus. An alles wurde gedacht!

Dabei kommt uns der Ausspruch des dänischen Geschäftsmannes in den Sinn, dem wir neulich Schleswig zeigten und dabei von einem modernen Kaufhaus-Neubau erzählten. Nun, er kannte die modernsten Häuser des Nordens in- und auswendig und erwartete gewiß nichts Sensationelles. Doch „ualmindelig flot!“ rief er aus beim Anblick des GRIMME-Hauses. „Ungewöhnlich schön“ wäre das in etwa übersetzt und darf gewiß als Werturteil gelten.

 

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Das Kaufhaus Hertie in Schleswig hat am 08.August 2009 um 16.00 seine Türen geschlossen.

 

 

Quelle : Schleswiger Monatsheft April 1966

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