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Im September 1968 erschien dieses Firmenportrait über Schleswigs damaligen größten Handwerksbetrieb Johannes Lilienthal.

Aus der Schleswiger Wirtschaft

Johannes Lilientahl
Schleswig, Michaelisstraße 5/7 * Ruf 22064

  • Installateur-, Klempner- und Dachdeckermeister
  • Eternit-Vertrieb und Bedachungsgroßhandel: Halle Ratsteich 6

Briefkopf 1962


Drei MEISTERBETRIEBE in EINEM

Dass die Flensburger ein schönes neues Rathaus bekommen haben, erkennen auch die Nachbarn gen Süd neidlos an. Schließlich besitzen sie dafür ein schönes altes.
Nur wenige Betrachter wissen, dass die Dachdecker- und Klempnerarbeiten des Hochhausneubaus von der Schleswiger Firma Johannes Lilienthal durchgeführt wurden. Ähnlich verhält es sich mit dem neu geschaffenen Kurzentrum in Glücksburg, mit der Eternit-Fassade der Kraftfahrzeug-Meisterschule in Heide, mit zwei modernen Dockbauten der Howaldt-Werke Kiel, der Zementfabrik in Lägersdorf/Itzehoe und den Krankenhäusern in Niebüll und Heide, um einige von vielen Leistungen zu nennen.

Der imponierende Aufstieg des Unternehmens ist für Außenstehende nur schwer erkennbar. Durch die lokalgefärbte Brille entdeckt man meistens nur den sichtbaren Fortschritt. Das Arbeitsprogramm der Firma dehnt sich auf den gesamten Raum Schleswig-Holstein aus. Raummäßig etablierte sie sich nun auch am Stadtrand. An Schleswigs Wirtschaftsader der Zukunft entstand im Rekordtempo eine große, moderne Halle mit weiten Anlagen. Am Hauptpeermarktstag wird sie offiziell in Betrieb genommen. Das ist aktueller Anlaß für eine ausführliche Entwicklungsgeschichte.

Chronik der Tüchtigkeit

Familien- und Firmengeschichte sind eng miteinander verbunden. Schwiegervater Wilhelm Anker trug viele Fotos, Anzeigen, Ehrenurkunden und Zeitungsberichte sorgfältig in einer ausführlichen Chronik zusammen. Akkurate Schriftzüge füllen Seite um Seite. Es wird berichtet von Freud und Leid, von Tüchtigkeit und Streben in drei Generationen.

Nach Lehr- und Wanderjahren wurde der Bredstedter Johannes Lilienthal in Schleswig sesshaft. 1884 gründete er die Firma in der Michaelisstraße 6. Der fleißige Klempnermeister fertigte außer Dachrinnen, Regenrohren und anderen Klempnerarbeiten auch Kohlenkästen, Milchkannen, Siebe und Trichter an.
Herstellung, Reparatur und Handel mit Haus- und Küchengeräten brachten ihm bald einen treuen Kundenstamm ein. Zum Peermarkt erwies sich die Lage an der „Handelsstraße“ als besonders günstig.

1904 wagte er den Sprung über die Straße. Die Töpferei auf dem neu erworbenen Grundstück Michaelisstraße 5 wurde abgebrochen und ein Neubau mit Wohnungen, Werkstatt und Laden errichtet. Das Haus blieb in seiner soliden Grundform erhalten.
Neben dem Handen mit Pütt und Pann verkaufte der alte Lilienthal auch Petroleumlampen, wie sie im Atomzeitalter wieder sehr begehrt sind. 1921 übergab er sein Lebenswerk in gute Hände. 1925 verstarb er nach allzu kurzem Lebensabend.

Geschäftshaus von 1904
Michaelisstraße 5

Hanne Bleck – der Mann mit der Zigarre
Johannes Lilienthal II., auch zweiter Sohn des Gründers, besaß neben hervorragenden fachlichen und kaufmännischen Fähigkeiten ein natürliches Talent zum Handeln, zum liebenswert-burschikosen Umgang mit seinen Mitmenschen.
Die überholten Petroleumsfunzeln schmiß er symbolischerweise „raus“. Er kam dem Zug der Zeit entgegen und erweiterte alsbald den Laden. Er übernahm den Vetrieb von Miele-Erzeugnissen, den Handel und Einbau von Bedachungen aller Art.
Neben Haus- und Küchengeräten verkaufte er elektrische Lampen, viele gängige Elektroartikel, später auch Rundfunkgeräte, Gasherde und sanitäre Einrichtungen. Wohl in weiser Voraussicht auf die glorreiche Zukunft des Wundermaterials aus Abest-Zement, übernahm Hanne Lilienthal bereits 1925 die General-Vetretung für ETERNIT-Erzeugnisse. In Stadt und Land wurde man dank seiner Pionierarbeit schnell auf den unverwüstlichen Baustoff aufmerksam.

Der populäre Mann wurde im Volksmund bald „Hanne Bleck“ genannt. Ohne Zigarre war er nie anzutreffen. Wie Vater und Sohn war er begeisterter Anhänger der Altstädter Schützengilde. Bevor er 1959 verstarb, konnte er noch den beachtlichen Aufstieg des Unternehmens miterleben.

Johannes (Eternit) – der III.
„Dat mit de Zigarr hevv ick wull von Vadder“ schmuzelt der heutige Firmeninhaber, genußvoll zigarrepaffend. Mit Rückblick auf den bekannten Ökelnamen des Vaters müßte der erfolgreiche Sohn eigentlich „Hanne Eternit“ heißen. Das würde ein wenig komisch klingen und an den Haaren herbeigezogen. Jedenfalls vollendet der Sohn in jeder Beziehung, was Vater und Großvater einst wagemutig anpackten. Drei Meisterbetriebe in einem sind meisterhaft gerüstet und geführt.
Modernes Managertum vereinigt sich mit großen handwerklichen Fähigkeiten. Der tüchtige Geschäftsmann, Jahrgang 1926, sprang gleich nach dem Kriege in die Fußstapfen des Vaters. Fotos aus den kargen Jahren von damals zeigen magare und dennoch fröhliche Gesichter. Es ging aufwärts!
Aus einem mittleren Handwerksbetrieb mit zwei Gesellen und zwei Lehrlingen wuchs einer der größten und modernsten Handwerksbetriebe in heimatlichen Regionen. 94 Mitarbeiter zählt das Unternehmen heute. 1953 war ein Wendepunkt. Kurz nacheinander legte der Juniorchef seine drei Meisterprüfungen ab. Heute befindet sich der vortrefflich organisierte Verwaltungsapparat mit zehn Büroräumen im Stammhaus an der Michaelisstraße 5-7.

Michaelisstraße 5
Schaufenster 1936

Modernen sanitären Anlagen wurde bereits 1962 ein bedeutender Platz eingeräumt. Die Geschäftsräume in der Michaelisstraße wurden nochmals erweitert. Vorher konnten Bade- und Duschanlagen nur anhand von Katalogen oder durch einen Kundenabstecher nach Kiel verkauft werden. Seither bildet eine sanitäre Musterschau im eigenen Hause die ideale Lösung. Lager und Werkstatt für sanitäre Installationen schließen sich an. Seit dem 1. Januar dieses Jahres präsentiert die Firma auch eine Ausstellung für zeitgemäße „Rose“-Küchen.

Die Klempnerei befindet sich an der Reiferbahn. ETERNIT-Vertrieb , Bedachungsgroßhandel und Dachdeckerei in der neuen Halle am Ratsteich. Die drei Betriebe sind handwerklich exakt voneinander getrennt. Drei erfahrene Handwerksmeister sind für weitreichendes Resort allein verantwortlich.
Günter Mielewski für die sanitäre Installation, Heinz Steinke für die Klempnerei und Hans Obermöller für die Dachdeckerei. Ihnen untersteht ein geschultes Team von Mitarbeitern. Neben regelmäßigen Chef-Besprechungen und Erfahrungsaustausch mit allen Mitarbeitern existiert in diesem Großbetrieb selbstverständlich ein rühriger, 5 Mann starker Betriebsrat.

Eternit-Lager
Ratsteich 6

Werbung auf Rädern

Dass Werbung nottut, erkannte bereits „Hanne Bleck“ in den zwanziger Jahren. Werbewirksame Annoncen von damals zeugen von zeitgemäßer Aufgeschlossenheit. Bildmatern schmücken die Texte. „Lilienthal liefert Milchkannen“ heißt es in einem Kannenbildnis. ETERNIT wird immer wieder angepriesen.
„ETERNIT-, Asbest- Schiefer für Dach- und Wandbekleidung“ heißt es, mit Parallelen zur Gegenwart, „billig, leicht, wetterfest, sturm- und feuersicher“. Unbegrenzt haltbar, fäulnissicher, frost- und farbbeständig, wirtschaftlich ist dieser Baustoff und bei seinen vorzüflichen Eigenschaften kann man noch die klare, gefällige Formgebung dazusetzen.
Zahlreiche Fotos in der Chronik machen den Siegeszug des ETERNITS deutlich. Gehöfte, Kirchen und Wohnhäuser weisen zuerst noch den gebräuchlichen Schiefer-ETERNIT, mit kleinen Pfannenblechen, auf. Später ging man zur modernen „Kurzwelle“ oder „Berliner Welle“ über. Ganze Rohrleitungssysteme werden aus ETERNIT hergestellt, das eine ideale Wetterhaut ist für Dächer und Fassaden aller Art. Ohne Anerkennungskämpfe ging es nicht ab, als immer mehr Bauherrn und Althausbesitzer diesen Baustoff bevorzugten.

Heute gehören 24 Fahrzeige zum Unternehmen. Sie sind eine treffliche Firmenreklame auf Rädern. Auf die verschiedenen Arbeitsgebiete verteilt, auf Erste Hilfe eingerichtet, bilden Vorarbeiter mit 2 – 3 Hilfskräften und ihrem Wagen ein eingearbeitetes Team.

Ein leicht vergilbtes Familienfoto von 1930 zeigt den stolzen Vater, die lächelnde Mutter, die wohl ob des Automobils so ängstlich drein blickende Großmutter und die drei schüchtern-verschmitzt lugenden Lilienthal-Kinder in einem imposanten „Wanderer“-Kabriolett. Dieses hochbeinige Auto war werbewirksamer Vorläufer des heutigen Wagenparks.

Werbung 1934

Pünktlichkeit wird groß geschrieben, Freizeit klein

Gans lei´s erklang Musik beim Besuch im Chefbüro. Gerda Lilienthal arbeitete unbeirrbar an der Schreibmaschine. Die Frauen der Lilienthals sind in vielen Jahrzehnten unermüdlich am Aufbau beteiligt. Die heutige Chefin ist zugleich Prokuristin der Firma. Der Alltag beginnt früh und endet spät. „Der Chef muß immer der erste sein!“ Morgens inspiziert Johannes Lilienthal zunächst die Arbeitsplätze, dann die weitreichenden Baustellen. Großvater machte das früher zu Fuß, mit der unentbehrlichen Lötlampe. Der Nachmittag ist dem Innerbetrieblichen vorbehalten.
Der Besuch des Steuerberaters, unzählige Telefonate und der Kontakt mit der Kundschaft prägte die Nachmittagsstunden. Die Eheleute arbeiten Hand in Hand. Sie kennen sich seit der Kindheit und Schulzeit und fanden nach schweren Schicksalsschlägen zusammen.

Ratsteich, – wo ist´n das??

Dem größten Artikel gehörte lange der kleinste Platz. Das ETERNIT-Lager wurde entweder von Baustelle zu Baustelle transportiert oder hatte einen provisorischen Platz oben an der Reiferbahn.
„Zum Peermarkt mußten wir immer die Straße räumen“. Am Ratsteich, im neuen Gebäude, ist nunmehr „Alles fürs Dach unter einem Dach“. Das vergangene konjunkturschwache Jahr war ein stürmisches für die Dachdeckerei. – Das bewährte Pappdach ist übrigens viermal so teuer als ETERNIT und wird im modernen Flachbau vorwiegend verwendet.

Lilienthal Ratsteich 6

Und wer noch nicht weiß, wo der Ratsteich ist, passiere die verflixte Kreuzung Mühlenredder/Berliner Straße. An Häusern und Gärten des Kattenhunder Weges entlang erschließt sich alsbald das neue Wirtschaftsgebiet. Hier sagen sich Katze und Hunde längst nicht mehr Gute Nacht.
Weit und breit gibt es höchstens Pfützen, doch keinen Teich, nur eine Straße, die Ratsteich heißt. Bei Numero 6 endet sie vorerst. Nach Bedarf werden die Erdwälle und Sandberge weiter versetzt. „Arbeit verdirbt einem den ganzen Tag“ heißt es in einem spaßigen Wandspruch in einem Arbeitsraum. Nur paßt er ganz und gar nicht zu den bewährten Prinzipien von Johannes Lilienthal und seiner bewährten Mannschaft!

Quelle: Schleswiger Monatsheft, September 1968