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Bundeswehr-Manöver „Südwind“ und „Nordwind“ im Oktober 1957
Bau einer Schwimmbrücke über die Schlei in Missunde

Das erste größere Manöver der Bundeswehr fand in der Zeit vom 02.-10.Oktober 1957 in Schleswig-Holstein statt (Wehrbereich I, Hamburg/Schlesw.-Holst.). Ein Höhepunkt dieser Großübung war das Herstellen einer Schwimmbrücke über die Schlei im Bereich der Fähre in Missunde. Das Manöver war unterteilt in die Abschnitte „Südwind“ (02.-05.10.57) und „Nordwind“ (08.-10.10.57).
An diesem Manöver nahmen über tausend Fahrzeuge aller Art und ca. 15 Bataillone mit rund 7000 Soldaten teil. Etwa 300 Gäste, darunter auch Beobachter aus den NATO-Staaten, wurden zu dieser Übung eingeladen. Durchgeführt wurde diese Herbstübung von der 3.Panzerdivision, die mit ihren wesentlichen Verbänden in Schleswig-Holstein und Hamburg lag. Dazu kamen Truppen verschiedener Waffengattungen, die südlich der Elbe stationiert waren. Der „rote Feind“ wurde von der Panzeraufklärungsabteilung 3 aus Lingen/Ems, der Panzerkampfgruppe A3 aus Hamburg sowie der Panzerkampfgruppe B3 aus Schleswig gestellt.
Die Gesamtleitung dieser ersten großen Bundeswehrübung hatte der Brigadegeneral Christian Müller, „Südwind“ wurde von Oberst Philipp, „Nordwind“ von Oberst Helmut Wolff (Standortältester „Freiheit“ Schleswig) geleitet.

 

 

„Südwind“, 02.-05.Oktober 1957

Das Szenario : Starke Feindverbände haben sich auf der Linie Lübeck-Mölln-Lauenburg gesammelt, um nach Norden vorzudringen. Weiterhin wurde im Bereich zwischen Kiel und Flensburg mit dem Schwerpunkt Schleimünde mit der Anlandung feindlicher Verbände gerechnet. Um diese Anlandung abzuwehren, wird die Korpsreserve wird von ihrer Ausgangstellung an der Autobahn Hamburg-Lübeck nach Neumünster und weiter über Rendsburg durch die Hüttender Berge nach Missunde über die Schlei nach Süderbrarup gezogen. Die Kampfgruppe B3, unter Führung des Oberst Philipp, wurde aus ihrer Bereitstellung bei Ascheffel nach Norden geworfen.

Am 05.Oktober hatten die Verbände, von Süden kommend, Missunde erreicht. Ab 05.00 Uhr sammelten sich die Truppen, ein Panzerbataillon mit 40 t Panzern vom Typ M41 und M47, ein Panzergrenadier-Btl., ein Panzerartillerie-Btl. und Panzerjäger mit Pionieren, Panzer-Fla. und Abteilungen der Feldzeugdienste, bei Missunde am Südufer der Schlei. Das Panzerbataillon unter Leitung des Hauptmann Beier überquerte nun über die Schwimmbrücke die Schlei. Als die Panzer Steinfeld erreichen, wurden sie aus der Luft angegriffen. Der Luftangriff wurde von englischen Düsenjägern, die im Tiefflug über das Dorf jagten, gestellt. Zeitgleich überquerte ein verstärktes Bataillon der Panzergrenadiere die Brücke bei Lindaunis. Weitere Verbände sicherten Nordost-Schwansen gegen Kappeln ab, um eine Umfassungsaktion des Feindes zu verhindern. Gegen Mittag sammelte sich das Panzer-Btl. auf der B201, von Brebel bis zur Abzweigung nach Steinfeld standen „Panzer auf Panzer“ bis nach Klein-Brebel hinein. In Süderbrarup wurde der Stab, in den umliegenden Dörfern Biwaks errichtet. Der Brigadeadmiral Müller und der Generalmajor Hax beobachteten das Szenario aus der Luft, der Hubschrauber landete anschließend auf dem Marktplatz Süderbrarup. Im Roxy-Kino fand, natürlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit, die Abschlußbesprechung statt. Als Abschluß von „Südwind“ fand um 16.00 Uhr vor dem Angler Hof ein Platzkonzert statt, dem jedoch aufrund des Starkregens nur wenige Zivilisten beiwohnten. Am Sonntag, 06.Oktober, fanden vielzählige Manöverbälle statt, die von den Soldaten der Bundeswehr und von der Bevölkerung gut besucht waren.

„Südwind“ bestand hauptsächlich aus Märschen von Kraftfahrzeugen und dem Beziehen von Bereitschaftsstellungen und Rastplätzen unter kriegsmäßigen Bedingungen. Weitere Übungsinhalte waren das Erkunden, Aufklären und die Sicherung. Unfälle gab es während dieser Übung keine, die krankheitsbedingten Ausfälle bie der Truppe lagen bei 3,0 %. Der von den Verbänden angerichtete Flurschaden belief sich auf 1500,-DM, ein neu eingerichteter Flurschadenstab regelte die Schadensfälle an Ort und Stelle.

Die Schwimmbrücke in Missunde

Während sich die „Südwind“-Verbände nach Norden bewegten, wurde in Missunde an der Herstellung einer 125m langen Pontonbrücke über die Schlei gearbeitet. Die Brücke wurde die Schlei hinab durch Fähren eingefahren, da ein Aufbau vor Ort zu große Flurschäden angerichtet hätte. Die Brücke, bestehend aus einzelnen Schlauchpontons wurde von den Panzerpionieren von der „Freiheit“ Schleswig gebaut. Die Soldaten der Schwimmbrückenkompanie 733 setzten die Brücke vor Ort, etwa 150m von der Missunder Fähre, entfernt zusammen. Das Brückenbaugerät stammte aus englichen und amerikanischen Beständen.
Innerhalb von knapp 24 Stunden war die Pontonbrücke, die im Ernstfall über dem Nord-Ostsee-Kanal gebaut worden wäre, einsatzbereit. In Missunde wurden neben Planierraupen und Kränen auch ein Bergepanzer eingesetzt. Dieser schleppte die schweren Fahrzeuge frei, wenn sie im weichen Untergrund eingesunken waren.

Schwimmbrücke
Ein festgefahrender Kran, mit dem die Brückenpontons
in die Schlei gesetzt wurden, wird von einem Panzer
freigeschleppt.

Schwimmbrücke
„Ein Querschnitt der Schwimmbrücke“. Die Pontons
wurden mit Kompressoren aufgepumpt. Im Hintergrund
das Missunder Fährhaus.

Schwimmbrücke
Ausschnitt aus dem oberen Foto.

Schwimmbrücke
Eine Ankerfähre, besetzt mit Pionieren der Schwimmbrückenkompanie 733
vom Seefliegerhorst Schleswig. Die Ankerfähre bestand aus zwei mit Bohlen
verbundenen Sturmbooten der SchwBrKp 733.

Schwimmbrücke
Die fertige Brücke über die Schlei.
Auf der Brücke stehen Pioniere der SchwBrKp 733 und der PiKp, die am
Brückenbau beteiligt war.

 

 

„Nordwind“, 08.-10.Oktober 1957

Am 08.Oktober begann der zweite Teil der Großübung von Süderbrarup aus nach Süden bis zur Lübecker Autobahn. Um 07.30 Uhr rückten die Truppen aus Süderbrarup ab, um etwa 1,5 Stunden später die Schlei bei Missunde zu überqueren. Die Kriegsbrücke Missunde wurde zwischen den beiden Übungen abgebrochen und für den Übungsteil „Nordwind“ neu errichtet.
Das Szenario : Der Feind steht nördlich der Autobahn Hamburg-Lübeck. Oberst Wolff hatte den Auftrag, die Kampfgruppe zunächst nach dem Übergang über die Schlei im Rastraum bei den Hüttener Bergen zu sammeln. Dort Bereitstellung für den Nachtmarsch in den Verlegungsraum Neumünster.

Die Überquerung der Schlei am 08.Oktober war ein großes Medienereignis und ein Schauspiel für die geladenen Gäste. Neben dem NDR berichtete auch die Wochenschau über dieses Ereignis.
Gegen 09.00 Uhr morgens hat Oberst Wolff, Kampfgruppenkommandant „Blau“, das Panzer-Btl.13 mit schweren M47 Panzern bei der Kriegsbrücke zusammengezogen. Auf der Angelner Seite versammelten sich der General Heusinger als Generalinspekteur, der kommandierende General des 1.Korps, Generalleutnant Matzky, Konteradmiral Rogge als Befehlshaber im Wehrbereich I und Brigadeadmiral Müller.
Auch auf der Schwansener Seite hatte sich hohe Prominenz versammelt, um sich die Schleiüberquerung anzusehen. Unter ihnen Friedrich Franz Erbprinz von Mecklenburg, Generalleutnant a.D. Kluge, Prinz Friedrich Ferdinand von Schleswig-Holstein (Glücksburg), General a.D. Dahlmann und viele weitere Persönlichkeiten, die mit einem Sonderbus in Missunde eintrafen.

Schwimmbrücke
Links Sturmboote der SchwBrKp 733.

Schwimmbrücke
Auf der Brücke ein Truck, mit dem das Brückenmaterial transportiert wurde.
Das waren Fahrzeuge aus amerikanischen Beständen mit einem gewaltigen „Durst“.
Der Tankwagen musste immer in der Nähe sein.

Schwimmbrücke
Der Küchenwagen für die SchwBrKp 733.

Um 09.45 Uhr erschien die 1.Kompanie des Panzerbataillons unter der Führung von Hauptmann Rummel an der Brücke während Sturmboote auf beiden Seiten die Notbrücke sichern. Zeitgleich überquerte das Panzergrenadierbatailoon 13 mit Pionieren und Fla-Einheiten die Eisenbahnbrücke bei Lindaunis. Auf Schwansener Seite standen auf den Koppeln neben der Brücke Flugabwehrgeschütze gegen den Himmel gerichtet. Die Einheiten sammelten sich an den Waldrändern von Gut Krieseby.
In Missunde hatte mittlerweile die 1.Panzerkompanie den südlichen Brückenkopf gebildet und den Übergang des Bataillons gegen feindliche Angriffe gesichert. Eine große Menge an Reportern, Filmleuten und Fotografen hielten diese Aktion im Bild fest, die Presseoffiziere bemühten sich, die unzähligen Fragen der Reporter zu beantworten. Der NDR-Moderator Hans Jürgen Tietze interviewte den Oberstleutnant Schwarz und den Chef der Schwimmbrückenkompanie 733, Hauptmann Joly. Auch zum Abschluß von „Nordwind“ fanden überall auf den Dörfern wieder Manöverbälle mit Soldaten und Zivisten statt.

Schwimmbrücke
Manöverball „Nordwind“ – am Tische der Prominenz.
Vorne rechts – Hauptmann Joly, Chef der SchwBrKp 733, dahinter der Kompaniefeldwebel.
Vorne links – Oberleutnant Fuß, dahinter vermutlich örtliche Prominenz.
Im Hintergrund Pioniere der SchwBrKp 733.

Wer noch im Besitz von weiterem Bildmaterial von dieser Großübung ist und es für diese Seite zur
Verfügung stellen möchte, darf die „alte-schleihalle“ gerne kontaktieren.


Quellen : Manfred Kurps, hat als Soldat der SchwBrKp 733 an „Nordwind“ teilgenommen (Fotos).

SN 28.09.57, 03.10.57, 07.10.57, 09.10.57 (Text)

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