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1. Topografie

Auf dem Gelände war um das Jahr 1700 eine zum Schloß Gottorf gehörende Tongrube. Durch den Abbau von Ton wird der heutige Steilhang hinter dem Grundstück entstanden sein.

2. Die Bairische Bierbrauerei

Die geschäftstüchtige Hotelfrau Doris Esselbach ließ 1850 auf diesem Gewese eine Bairische Bierbrauerei bauen, um damit den Bierkonsum in ihrem gegenüber gelegenen Hotel Stadt Hamburg zu steigern. Als es ihr witrschaftlich schlechter ging, verkaufte sie 1862 die Brauerei an den Bierbrauer Christian Blöcker. Dieser hielt das Gewerbe fast 50 Jahre lang aufrecht, er starb 1912.

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Alte Ansicht Flensb. Chaussee. Im Hintergrund das Brauhaus.
Rechts vorne ein Teil der alten Schleihalle.

Das Adreßbuch von 1881 nennt folgende Namen:
Chr. Blöcker, Bairische Bierbrauerei, Flensburger Chaussee VII 274 und
Heinr. Blöcker, Braumeister, kl. Hesterberg VII 286.
Weiterhin werden im Jahre 1881 folgende Bierbrauereien und Brennerein genannt:
C. Blöcker, Brüning, H. Lorenzen, Matthiessen und C. Nissen.

3. Gefriefleisch der Gebr. Rasch

Erst im Jahr 1918 werden die Gebr. Rasch als Eigentümer genannt. Sie wollen auf dem Grundstück Nr. 6 Gefrierfleisch produzieren. Aus diesem Grunde wollen sie ein neues Kesselhaus bauen und das vorhandene Brauerei- und Wohnhaus umbauen. In dem Bauantrag der Gebr. Rasch heißt es, daß 1500 Rinder in dem vorhanden Keller eingefroren werden sollen und daß dieses Gefrierfleisch von militärischem Interesse sei. Die Tiere sollten im Betrieb an der Plessenstraße geschlachtet und in den Räumlichkeiten in der Flensb.Str. eingefroren werden.

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1918.Links Nebengebäude, rechts Haupthaus.
Im Hintergrund der Schornstein des neuen Kesselhauses.
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Der Plan von 1918 über dem heutigen Grundstück.Die Gebäude:
1. Maschinenhaus
2. Wohnhaus
3. Kellergewölbe
4. neue Kesselhaus
5. Wagenremise
6. Nebengebäude

4. Die 20er Jahre

Im Jahre 1927 beabsichtigt die Schleswiger Sanitätsmeierei e.G.m.b.H die von der Fa. Rasch nicht mehr genutzten und leerstehenden Fabrikgebäude zu mieten, um dort einen vorrübergehenden Meiereibetrieb einzurichten, bis der Neubau der Meierei fertiggestellt ist.
Zu diesem Zeitpunkt müssen die Kellergewölbe und ein Packhaus schon an die Käseverwertung Schleswig-Holsteinischer Meiereien Kiel verpachtet worden seien, denn als Pachteinnahmen werden im Jahr 1928 RM 2000,00 p.a. von der Käseverwertung erzielt. Die Sanitätsmeierei zahlt eine Pacht von RM 1200,00 und die Wohnungsvermietung bringt noch weitere RM 1050,00.

In diesen Jahren versucht Gustav Rasch, der einige Räumlichkeiten von der Bauernhand A.G. (Gebr. Rasch A.G.) gemietet hat,eine KFZ-Werkstatt (Garagen-& Autoreparatur Schleswig) auf diesem Gelände zu betreiben. Der Antrag für das Betreiben einer Werkstatt wird von der Polizeiverwaltung aber abgelehnt mit dem Hinweis auf die zu erwartende Lärmbelästigung.
Merkwürdigerweise ist auf der anderen Straßenseite aber eine KFZ-Werkstatt genehmigt worden.
Im Jahr 1930 beabsichtigt Rhenania-Ossag Miniralölwerke (Shell) auf dem Gelände von Gustav Rasch eine Benzin-Zapfstelle einzurichten.

5. Der Luftschutzkeller

Im Januar 1936 wird geplant, die Gebäude einschließlich des Kellergewölbes für den öffentlichen Luftschutz herzurichten. Weiterhin sollten auch eine Sanitätsrettungsstelle und eine Entgiftungsanstalt in dem Keller unter dem Haupthaus eingerichtet werden.
In den darauffolgenden Jahren sind auch Umbaumaßnahmen durchgeführt worden, dies ist aus verschiedenen Rechnungen über Materiallieferung ersichtlich.

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Luftschutz.

In einem Schreiben der Käseverwertungsgesellschaft Kiel, die in diesen Jahren das Kellergewölbe gemietet hatte, an das Stadtbauamt Schleswig wird beklagt, daß durch den Einbau der Gasschutztüren die Breite der einzelnen Türen und Durchgänge im Keller verengt wurden, sodaß die Lagerkarren nicht mehr hindurch passen. Die Käseverwertungsgesellschaft forderte, daß entsprechend breitere Schutztüren eingebaut werden. Weiterhin heißt es, daß der Lagerkeller zu dem Zeitpunkt leerstehen würde, aber Anfang 1940 sollte wieder Käse eingelagert werden.
Insgesamt wurden 9 Schutzräume geplant: 3 im Kellergewölbe, 2 im unterirdischen Quergang, der Haupt-und Nebengebäude miteinander verband und der einzige Zugang zum Kellergewölbe war und 4 Schutzräume im Keller unter dem Haupthaus. Das gesamte Volumen wird im September 1939 mit 1862 cbm angegeben. Jeder Person wurde etwa 3 cbm Raum zugestanden, demnach sollten theoretisch etwa 620 Personen in dieser Anlage Schutz finden. Nach dieser Berechnung wäre das Rasch-Anwesen die größte LS-Anlage in Schleswig gewesen.
Es ist jedoch zu beachten, daß in den Kriegsjahren viele Planungen stattgefunden haben, in welchen Umfang diese dann auch realisiert werden konnten (Materialbeschaffung usw.) ist unklar.
In späteren Verzeichnissen über LS-Einrichtungen wird die Personenzahl mit 250 angegeben, somit wäre der Eiskeller im Lollfuß mit 330 Personen etwas größer. Das Kellergewölbe wurde jedenfalls LS-mäßig ausgebaut, die Maurer- u. Zimmerarbeiten waren bereits 1939 nahezu fertiggestellt und es erfolgte auch die Herstellung von Sitzbänken. 1941 heißt es nach einer Überprüfung der öffentlichen LS-Räume, daß die Räumlichkeiten in der Adolf-Hitler-Str. 6 gas-, splitter-und trümmersicher sind.
Nach Angaben von Zeitzeugen wurde der Gewölbekeller bei Luftalarm von vielen Personen aufgesucht.

6. Selterwasserfabrik

1947 beantragt die Schleswiger Soda & Selterwasserfabrik Kötter & Vogt ihre Produktionsräume von der Lollfuß-Apotheke (Lollfuß 41) in die nicht mehr genutzten Fabrikgebäude und Kellergewölbe in der Flensburger Straße zu verlegen.

Firmenlogo Kötter & Vogt.
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Offensichlich war Kötter & Vogt auch eine Zeitlang dort anwesend, denn im Mai 1947 wird von der Firma beantragt, ein Firmenschild dort anbringen zu dürfen.

7. August Walbohm Junior

1950 war bereits die Firma August Walbohm jun. Weine und Spirituosen in der Flensburger Strasse 6 ansässig. Eigentümer war zu dem Zeitpunkt aber immer noch die Gebr. Rasch A.G.
In der Baubeschreibung vom Juni 1951 heißt es, daß die Fa. Walbohm plant, eine Mosterei einzurichten. Bis dahin diente das Gebäude dem Spirituosenhandel, das Kellergewölbe wurde als Lagerkeller genutzt.
In den folgenden Jahren muß Herr Walbohm das Grundstück erworben haben, denn in einem Bauantrag von 1956 wird er als Eigentümer aufgeführt.

1957 stellte Herr August Walbohm jun. einen Bauantrag zum Umbau des Haupthauses, weil er mit seiner Familie das Erdgeschoß selbst bewohnen möchte. Das Haus soll an die städt. Entwässerungsleitung angeschlossen werden und eine Warmwasserheizung erhalten.

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Firmenlogo August Walbohm jun.

1961 unterrichtet Herr Walbohm das Bauamt darüber, daß die Dänen, ähnlich wie die deutschen „Butter-Touren“, richtige „Spiritousen-Touren“ nach Deutschland durchführen. Dabei kommt es immer wieder zu Verkehrsbehinderungen in der Flensburger Straße, da die Dänen, die sich bei der Firma Walbohm mit Wein versorgen, auf der Hauptstraße parken. Darum habe Herr Walbohm Schilder aufgestellt, um auf die Parkmöglichkeit auf seinem Grundstück hinzuweisen.

Eine Preisliste aus dem Jahr 1956 der Weine und Spirituosen gibt es hier (PDF-Datei).

Im Jahr 1964 plante August Walbohm jun., seine Betriebe in Bordesholm und Schleswig aus Rationalisierungsgründen zusammen zu legen. Die dadurch entstehende Zentrale sollte eine moderne Fabrikationsanlage mit entsprechender Kellerei werden. Darum fragte er bei der Bauaufsicht an, ob er einen zweigeschossigen Neubau genehmigt bekommen würde.Die Anfrage wurde damit beantwortet, daß die Flensburger Str.in diesem Bereich ein reines Wohngebiet sei und bestehende Produktionsanlagen nicht vergrößert werden dürfen.

Das Haupthaus 1965
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1968 beantragt Herr August Walbohm jun., die Südansicht des Haupthauses neu gestalten zu dürfen.

8. Abriß und Neubau

Im März 1971 schreibt die Firma „Wiking Schleswig Dr. Hisam“, daß ihr das Anwesen Flensburger Str.6 zum Kauf angeboten wurde. Es folgt ein Bauantrag, dort ein viergeschossiges Wohnhaus zu errichten. Das Problem war, daß dieses Grundstück in einem Wohngebiet der Klasse B II o liegt (zweigeschossig,offen). Für ein viergeschossiges Gebäude müßte die Befreiung von der Festsetzung des Bebauungsplanes erteilt werden.

16.08.1971: Die Firma „baltic bau GmbH & Co.KG“, Flensburg, erhält die Abbruchgenehmigung für die Gebäude Flensb. Str. 6.

Im Januar 1972 berichten die Schleswiger Nachrichten über dieses Bau-Projekt. Es heißt, die Firma baltic-bau will 53 Wohneinheiten in vier Baukörpern auf dem 4500 qm großen ehem. Walbohm-Gelände errichten, mit einer Gesamtwohnfläche von etwa 2700 qm. Die Eigentumswohnungen werden zwischen 50 und 70 qm groß, ein Balkon und ein Tiefgaragen-Stellplatz sind auch vorhanden. Der Preis für die teuerste Wohnung soll bei 85000,00 DM liegen. Die Wohnungen sollen bis zum Herbst 1972 bezugsfertig hergestellt sein. In dem Schaufenster der Vereins-und Westbank wurde in dieser Zeit folgendes Modell der Anlage ausgestellt :

Modell der Wohnanlage 1972.
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Zeitungsanzeige März 1972.
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Im April 1972 waren bereits das Fundament und Teile des Kellergeschosses fertiggestellt. Die Grundsteinlegung erfolgte am Freitag, 14. April 1972. Wie die SN berichten, wurde in Anwesenheit zahlreicher Gäste eine Kupferrolle mit Bauplänen, Tageszeitung und einigen Münzen von der Firmenleitung an dem ihr zugewiesenen Platz versenkt. Anschließend wurde bei der Feierlichkeit in der „Strandhalle“ bekannt gegeben, daß bereits 40 der 53 Eigentumswohnungen verkauft seien. Der Kaufpreis lag zwischen 57000 und 132000 DM. Der Bürgervorsteher August Lüthen „überbrachte die Grüße der Stadt und dankte dem Unternehmen für den Beitrag zur Sanierung der Stadt.“

Grundstück Flensburger Str. 6-8 im Jahr 2007
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9. Der Eiskeller

Eine Anmerkung zum Kellergewölbe :
Ich konnte in keinen Unterlagen einen Hinweis darauf finden, wann und von wem das Kellergewöbe erbaut wurde. In Analogie zum Eiskeller der Brauerei Brüning, Lollfuß, kann ich nur vermuten, daß der Gewölbekeller von der Brauerei Blöcker erbaut wurde, um Vorräte zu lagern. Das Einlagern in Eiskeller war zu jener Zeit die gängigste Methode, Vorräte zu lagern. Das Kellergewölbe wird erstmalig in den Bauplänen der Gebr. Rasch von 1918 aufgezeichnet.

Der Eiskeller. Grundriss.
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Beschreibung: Die beiden Längsstollen, die in den Berg hineinführen, hatten eine Länge von 17m, das Gewölbe eine Höhe von 5,50m. Die Breite eines Stollen betrug 5,40m. Die beiden Entlüftungsschächte hatten eine Höhe von 4m (Gewölbedecke bis Oberkante Schacht).
Der hintere Querstollen war 20m lang und 5,40m breit mit einer Höhe von 5,20m. Der Entlüftungsschacht hatte eine Höhe von 6,40m (gemessen wie die anderen beiden). Laut Plan gab es zwei Eingänge, die von einem 3,30m hohen unterirdischen Quergang in die Längsstollen führten. Dieser Quergang hat das Haupthaus mit dem Nebengebäude verbunden.

Der Eiskeller. Längsschnitt.
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Der Eiskeller. Querschnitt.
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Im Oktober 1971 wurden die Anwohner des Hesterberges 17 und 19, Jensen und Petersen, von der Stadt Schleswig aufgefordert, als Anwohner des Baugebietes ihr Einverständnis zur Baumaßnahme zu geben. Dieses Einverständnis gaben die beiden Anwohner auch ab, allerdings war sie an bestimmte Auflagen für die Firma baltic-bau gebunden.
In den Auflagen vom Januar 1972 erklärte baltic-bau, „einen noch vorhandenen Teil eines Käsekellers und dessen vorhandene Entlüftungsschächte zu entleern bzw. zu verfüllen.“
Im Februar 1972 erfolgte eine schriftliche Vereinbarung zwischen der Firma baltic-bau und des Anwohners Petersen. Darin heißt es u.a. den Käsekeller, „dessen Tiefe unter dem Grundstück des Herrn Petersen nicht bekannt ist“ und dessen Lüftungsschächte „durch Auffüllen mit druckfesten Stoffen gemäß Bauauflage zu entfernen.“

Reste der Stützmauer 2007
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Im März 1977 beklagten diese beiden Anwohner in einem Schreiben an die Untere Bauaufsichtsbehörde Schleswig, daß bestimmte Auflagen noch nicht erfüllt worden seien, dazu gehören die Böschungsneigung, der nicht abgebrochene Käsekeller sowie eine Stützmauer.
Im Januar 1978 wurde eine Ortsbesichtigung durchgeführt, anwesend waren ein Vertreter des Bauamtes, die Anwohner Petersen und Hass (Nachfolger Jensen) sowie zwei Vertreter der baltic-bau. Das Ergebnis war, daß die Anwohner jeweils einen Betrag von 500,00 DM von der baltic-bau als Entschädigung erhielten (es ging auch um möglichen Schadensersatz, falls ein Teil des Hanges abrutschen sollte). Anscheinend war die Angelegenheit für die Anwohner damit erledigt.
Drei Jahre später, im Nov. 1981, fragte der damalige Verwalter des Wohnkomplexes, die hgv Densch & Schmidt Flensburg, bei der Stadt Schleswig an, wofür ein 8m tiefer Schacht im Hang dient und wer die Verantwortung für diesen trägt. Es folgte eine Ortsbesichtung durch Mitarbeiter des Bauamtes, anschließend wurde dem Verwalter geraten, die Schächte verfüllen zu lassen.
Zu diesem Zeitpunkt bemerkte eine Anwohnerin, daß regelmäßig Fledermäuse diese Schächte aufsuchen. Kurze Zeit später sind die Schächte mit Zement zumindest abgedeckt worden, über eine Verfüllung gibt es keine Unterlagen.

Die Schächte des Eiskellers 2007
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Quellen: GA Sl-Fl, Bauamt, Beiträge zur Schleswiger Stadtgeschichte, Adreßbücher, Zeitzeugen
Schleswig in der Nachkriegszeit – Zeitzeugenberichte,
SN

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