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Gliederung

1. Der Bau des Seefliegerhorstes
2. Die „große Schleitaufe“ und der erste Appell
3. Die Fliegerersatz-Abteilung 16 (See)
4. Blick über den Seefliegerhorst
5. Bildmaterial Flea 16 (See)

 

1. Der Bau des Seefliegerhorstes

Ab 1935 wird auf der Halbinsel „Freiheit“ für die noch junge Luftwaffe der Wehrmacht eine neue Kasernenanlage, der „Seefligerhorst“, gebaut. Der Bereich vom Holm bis zur Werft nach Klensby wird so projektiert, daß in 6 Kompanien ausgebildet und der Flugbetrieb mit Wasserflugzeugen durchgeführt werden kann. Die Gesamtbaukosten für den Seefliegerhorst betrugen 14 772 402,- Reichsmark.

Damit der neue Seefliegerhorst für die Einheiten gut erreichbar war, wurde zeitgleich der Niemannsweg, am 14.03.1947 in Knud-Laward-Straße umbenannt, angelegt. Im Zuge dieses Straßenbaus verlor der Holm seinen Status als Halbinsel, der Wasserlauf „de Beek“, der den Holm vom Stadtgebiet trennte, wurde zugeschüttet.

Die Kaserne entstand in drei Bauabschnitten A bis C. Der Bauabschnitt A wurde 1935/36 zusammen mit der großen Flugzeughalle errichtet. In diesem Bauabschnitt befindet sich auch das alte Fabrikgebäude aus dem Jahr 1919, in dem die ersten Rekruten stationiert wurden. Nach Fertigstellung von Bauabschnitt A wurde unmittelbar darauf mit dem Bauabschnitt B begonnen, der einen ähnlichen Umfang wie Abschnitt A hatte – insgesamt acht Blocks als Mannschaftsunterkünfte sowie Wirtschaftsgebäude und KFZ-Anlagen. Der Abschnitt B wurde 1937 fertiggestellt und bezogen. Der dritte Bauabschnitt C wurde im darauffolgenden Jahr seiner Bestimmung übergeben, damit war der Ausbau des Seefliegerhorstes abgeschlossen.

Seefliegerhorst Schleswig
Die Bauabschnitte A und B. (1935)

1 – Stabsgebäude (umgebautes Fabrikgebäude)
2 – Unterkünfte (acht Blöcke)
3 – Wirtschaftsgebäude
4 – Wohnhaus außerhalb der Einzäunung
5 – Hauptwache
6 – Tennisplatz
7 – Offizierswohnheim
8 – Offizierskasino mit Freigelände zur Schlei
9 – Bauleitung
10 – Bootshaus
11 – Bootshafen
12 – Landungsbrücke für von See angeliefertes Baumaterial



Das Richtfest der Kaserne fand am Samstag, 17.08.1935 statt, keine zwei Monate später, am Dienstag, 1.Oktober 1935, zogen die ersten Rekruten der neu aufgestellten „Flieger-Ersatz-Abteilung 16 (See)“, in die neue Kasernenanlage ein. Gleichzeitig wurde auch die Fliegerhorstkommandantur Schleswig gebildet, der erste Fliegerhorstkommandant war Oberst Schmidt.

Für das Richtfest am 17.8.35 wurde die Kasernenanlage festlich geschmückt. Die Schleswiger Nachrichten berichteten über dieses Ereignis wie folgt : Von den Gebäuden flatterten die Fahnen des Dritten Reiches. Girlandenumwundene hohe Fahnenmasten umgaben den Platz. Die Rednertribüne, die auf dem Gerüst eines Neubaus errichtet war, war feierlich mit frischem Laub, den schwarz-weiß-roten Farben und der Hakenkreuzflagge geschmückt. Und oberhalb derselben waren die Embleme der Deutschen Arbeitsfront angebracht.
Durch die fahnengeschmückten Straßen der Altstadt und insbesondere des Holms eilten die an der Wohnanlage Tätigen und zahlreiche Gäste dem Festplatz zu. Vor dem zu richtenden Gebäude nahm ein Ehrensturm der Flieger Aufstellung.
Während sich an den verschiedenen Stellen die Betriebsführer mit ihren Gefolgschaften sammelten, spielt der Musikzug der SA-Standarte 86.
Den Richtspruch sprach der Zimmerpolier Ohm, die Bergrüßungsansprache hielt im Namen der Bauleitung der Dipl.-Ing. Ziegenbein. Weiterhin sprachen der Generalleutnant Zander, als Vetreter des Fliegerwesens sowie für die Stadt Schleswig der Bürgermeister v. Baselli.
Nachdem die Feierlichkeiten auf der Freiheit beendet waren, setzte sich ein Zug aus Bauleitung, Betriebsführern und Arbeitern unter Vorantragung der Richtkrone durch den Holm in Bewegung. Weiter ging es durch die Langestraße und dem Stadtweg zum „Großen Baumhof“, dem „Hohenzollern“ und dem Stadttheater, wo die Feierlichkeiten fortgesetzt wurden.

 

Seefliegerhorst Schleswig
Das Richtfest am 17.08.1935

 

2. Die „große Schleitaufe“ und der erste Appell

Vor dem Einzug der Rekruten im Oktober fand bereits am Mittwoch, 18.September 1935 im kleinen Garten des Fährhauses die „Schleitaufe“ der neuen Rekruten statt. Die „große Schleitaufe“ begann um 15.oo Uhr bei schlechtem Wetter, zu dieser Veranstaltung waren u.a. Vetreter der Bauleitung, der Ortsgruppe NSDAP sowie der Holmer Fischer geladen. In der Mitte des Gartens war ein großer Wasserbehälter aufgestellt worden, das als „Taufbecken“ dienen sollte. Über den Ablauf der „Schleitaufe“ berichteten die linientreuen Schleswiger Nachrichten wie folgt : …Und schon tauchten, unter großem Gelächter der Zuschauer, eine Anzahl Neger mit einem ohrenbetäubenden Geschrei aus dem Unterholz des Gartens auf. Denen folgten Neptun, der Beherrscher aller Meere mit seiner Gemahlin und dem ganzen Hofstaat.
Neptun und sein Gefolge nahmen auf einer aus Schilf hergerichteten Tribüne Aufstellung, das Gesinde (die Neger), verteilte sich um den großen Wasserbehälter. In würdiger Form hieß Neptun alle Anwesenden willkommen und beauftragte seinen Aktuar mit der Vorlesung der Täuflinge zu beginnen.
Als erster mußte sich der Kompanieführer der Taufe unterziehen. In bewundernswerter und anerkennender Weise ist er seiner Truppe in der Taufe vorangegangen. Nachdem er von dem Hofbabier mit einer großen Fensterbürste tüchtig eingeschäumt und mit einem Holzrasiermesser bearbeitet war, wurden ihm noch die Haare mit einer Holzschere zerzaust.
Alsdann stellte man ihn dem Wunderdoktor, der jeden Täufling auf Tauffähigkeit untersuchen mußte, vor. Dieser verabfolgte dem Täufling einige aus Brot, Salz und Pfeffer hergestellte kirschgroße Pillen und eine Medizin, die man aus einer Unmasse von verschiedenen Getränken zusammengestellt hatte.
In der ganzen Würde eines deutschen Kriegers wurden diese Medikamente, die bestimmt kein Leckerbissen, aber den Bedingungen eines Täuflings oblagen, ohne ein Verziehen des Gesichtes heruntergewürgt.
Anschließend fand ab 18.oo Uhr in dem Speisesaal der Fliegergruppe ein gemeinsames Essen mit den Fliegern und ihren Gästen statt. Nach dem Essen wurde im kleinen Saal des Fährhauses noch ein Bierabend veranstaltet. Für die Unterhaltung sorgte die von den Fliegern zusammengestellte Hauskapelle, die fliegereigene Künstlergruppe sowie die Sangesbrüder der Holmer Fischer.

Der erste Appell der neuen Fliegerersatz-Abteilung 16 (See) wurde am Samstag, 5.Oktober 1935, abgehalten. Zu den Gästen des Fliegerhostkommandeurs und Kommandeur der Fliegerersatz-Abteilung 16 (See) Oberst Schmidt zählten u.a. General a.D. Freiherr v. Liliencron, Major v. Dewitz, Landrat Kolbe, Oberfeldarzt Dr. Genz, Major Morree, Kreisleiter Dr. Carstensen, Brigadeführer Gehris, Vertreter der hiesigen Behörden, die Bauleitung des Flughafens Dipl.-Ing. Ziegenbein, die Architekten Spieker und Rothloff, die Ingenieure mit den Arbeitern und Angestellten sowie die Ältermänner der Holmer Fischer.
Nachdem der Kommandeur Oberst Schmidt die Front der angetretenen Kompanien abgeschritten hatte, wendete er sich mit einer Rede an seine Gäste. So erklärte Oberst Schmidt u.a. : Wir wären nicht hier, wenn nicht der Führer dem Volke seine Ehre wiedergegeben hätte…Und wir, die wir dazu bestimmt sind, diese Waffe zu führen, werden sie im Geiste der Helden des Krieges führen, denen wir nacheifern werden. Mit allen Kräften müssen wir uns für die gestellten Aufgaben einsetzen, um dem Führer ein Machtmittel zu schaffen, das mit Schärfe und Erfolg für unser Volk eingesetzt werden kann.

 

 

3. Die Fliegerersatz-Abteilung 16 (See)

Im Oktober 1935 bezogen die ersten 4 Kompanien der Fliegerersatz-Abteilung 16 (Flea 16) den Seefliegerhorst. Die Rekruten waren zunächst in einem bestehenden Fabrikgebäude untergebracht und wurden nach Fertigstellung der Kasernenblöcke auf diese verteilt. Folgende Einheiten unterstanden der Flea 16 :

– die Blindflugschule der Luftwaffe (See)
– der Seeflugplatz Borgstedter Enge
– der Scheinflughafen Schuby
– ein Luftwaffenausbildungsregiment
– ein Luftwaffen-Musik-Korps
– der Übungsplatz „Gut Falkenberg“

Zu den Aufgaben der Flea 16 gehörte die Grundausbildung der Rekruten im Bereich des Luftkreiskommando VI (See), die Kraftfahrerausbildung sowie die seemännische Ausbildung der Flieger. Die fliegerische Ausbildung fand in einer A/B-Schule an der Schlei statt, diese machte sich bereits 1936 selbstständig und verlagerte ihren Betrieb auf den Seeflugplatz Borgstedter Enge. Nach Verlegung der A/B-Schule nahm im Seefliegerhorst ein Blindfluglehrgang für mehrmotorige Maschinen statt. Eingesetzt wurden u.a. folgende Flugzeugtypen : Heinkel He42, He59, He60, Dornier Do „Wal“, Junkers Ju52, W34.
Aus diesem Blindfluglehrgang ging später die Blindflugschule Luftwaffe (See) hervor. Kommandeur dieser Schule war der Oberleutnant, später Hauptmann, von Glasow. Die Blindflugschule bestand bis 1939.

Ostwärts der Kasernenanlage an der Kleinen Breite der Schlei wurde 1935/36 eine ungewöhnlich große Halle für Seeflugzeuge mit einer Ablaufbahn zur Schlei gebaut, wo Flugzeugreparaturen und Grundüberholungen durchgeführt wurden.

 

Seefliegerhorst Schleswig
Die Seeflugstation an der Kleinen Breite.

1 – Seeflugzeughalle
2 – Ablaufbahn für Flugzeuge
3 – Buhne, Reste dieser Buhne sind noch heute bei Niedrigwasser sichtbar
4 – Bahnanschluß
5 – Schleinoor, wurde später mit einem Damm von der Schlei abgetrennt

Seefliegerhorst Schleswig

Die Seeflugzeughalle.

 

1936 wird die Fliegerhorstkommandatur B/See auf der Freiheit eingerichtet. Im gleichen Jahr werden ein Teil der Flieger (K88) mit ihren Wasserfahrzeugen „DO 26“ zur Unterstützung der Legion Condor nach Spanien verlegt. Die Piloten tragen zivile Kleidung, die Maschinen falsche Hoheits-, Erkennungszeichen.

1937 wurde die Fliegerersatz-Abteilung 16 in „Flieger-Bataillon 16 See“ umbenannt, der Bauabschnitt B der Kaserne wird fertiggestellt.
Am 28.07.1938 besucht der Fliegeradmiral und Reichsluftfahrtminister Hermann Göring besucht den Seefliegerhorst.
Die Dienststelle „Flughafenbereichskommando“, der alle Flugplätze von Kaltenkirchen bis Westerland unterstehen, wird 1940 in dem Seefliegerhorst eingerichtet. Das „Flieger-Bataillon 16 See“ wird nun zum „Flieger-Regiment 16 See“ und ist für die Durchführung der Grundausbildung und Kriegsverwendung für Boden- und Luftpersonal zuständig.
1942 erfolgt die Umgliederung des Flieger-Regimentes 16 (See) zur „5.Luftwaffendivision“. 1944 werden Teile dieser Division nach Holland und später nach Südrußland verlegt.
In dem Seefliegerhorst Schleswig werden 1943 Teile der „Marine-Offiziers-Schule Mürwick“ sowie Soldaten des Heeres und der Luftwaffe untergebracht. 1944 erfolgt die Stationierung des „Stab der Luftflotte“ an der Schlei.

Die Kommandeure der Flea 16 in der Reihenfolge ihres Dienstantrittes waren :
Oberst Hugo Schmidt, 01.08.1935 – 31.03.1938
Oberst Carl Köchy, 01.04.1939 – 28.02.1941 Sein Lebenslauf mit Foto.
Oberst Hans-Jochen von Arnim, 01.03.1941 – 01.01.1942

Einen ungewöhnlichen Auftrag führte die Seenotgruppe (SNG) 81 am 18.Juni 1945, also 43 Tage nach der Kapitulation der Wehrmacht in Europa durch. Die SNG 81 hatte bis Mai 45 in vielen Einsätzen Soldaten sowie Zivilisten aus den Ostprovinzen evakuiert. Im Mai 1945 wurde die SNG 81 unter ihrem Kommandeur, Hauptmann Karl Born, mit ihren 15 Dornier Flugbooten Do24, einer Arado Ar 196 sowie den schwimmenden Einheiten nach Guldborg in Dänemark verlegt.
Auf Anordnung der dänischen Behörden sollte die SNG 81 im Juni 45 noch einmal tätig werden, indem sie Verwundete und Kranke aus einem riesigen Flüchtlingstroms, der nach Dänemark hineinströmte, nach Deutschland ausfliegen sollte. Auf den Flugbooten wurden die Hakenkreuze unkenntlich gemacht und zusätzlich weiße Roundels mit dem Roten Kreuz angebracht.
Am 18.Juni 45 transportierte die SNG 81 dann insgesamt 1000 Personen, darunter 450 Verwundete, von Dänemark zum Seefliegerhorst Schleswig.

 

 

4. Blick über den Seefliegerhorst

Hier zeige ich zwei Bilder mit Hilfe von Google-Maps, die jeweils während einer Vereidigung in den Jahren 1935-1945 entstanden sind. Diese Bilder dokumentieren zusätzlich den Bebauungszustand der Kaserne.

Bild 1
Blick über die Freifläche vor Gebäude Nr.55 nach Osten zur Schlei.
Rechts im Bild ist die Landungsbrücke zu sehen, die der Anlieferung von Baumaterial per Schiff diente.
Bild 1
Blick nach Westen in Richtung Bauabschnitt A. Rechts im Bild die alte Sporthalle.
Bei den Fluggeräten müßte es sich um die Schulflugzeuge Arado AR 66 handeln.

 

5. Bildmaterial Flea 16 (See)

Fliegerhorst

Rekrutenausbildung.

Fliegerhorst

Bauabschnitt B, KFZ-Bereich.

Fliegerhorst

Eine BV 138 mit Besatzung.

Fliegerhorst

Stabsgebäude Meiereihof 1936. Technischer Dienst.

Fliegerhorst

Stabsgebäude Meiereihof 1936. Technischer Dienst.

Fliegerhorst
Fliegerhorst

Tag der Deutschen Wehrmacht 1936.
Im Hintergrund Bauabschnitt B.

Fliegerhorst

KFZ-Bereich, Bauabschnitt B.

Fliegerhorst
Fliegerhorst

Vereidigung 20.04.1937. Abschreiten der Fahnenkompanie durch
Oberst Schmidt und Oberst Ritter.

Fliegerhorst

Vereidigung am 20.04.1940.

Fliegerhorst

Vereidigung am 20.04.1942.
Die Gebäude haben einen Tarnanstrich erhalten und
sind mit Tarnnetzen versehen.

 

Quellen: Privatarchiv,
Deine Garnison Schleswig, I. Teil, 1971
Deine Garnison Schleswig, II.Teil, 1972
Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA) Potsdam
Schleswiger Nachrichten 19.08.1935, 21.09.1935, 07.10.1935
Alex Herz – Die Fliegerhorste Schleswig entstehen

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