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An dieser Stelle veröffentliche ich einen Text aus dem Werk „Erinnerungen eines alten Schleswigers“ von C.N.Schnittger, das erstmals 1890/91 als Buch erschienen ist. Schnittger berichtet unter dem Kapitel „Ut min Jungsjohren“ über verschiedene Besonderheiten und Begebenheiten, die sich seinerzeit im Stadtgebiet zugetragen haben.

 

De Schuuleck (und dem Ursprung der Michaelisallee) 

Up min Nawerschop wer de Börgers ehr Hauptsommervergnögen, dat se sick Abends mit ehr lange Piepen bie de Micheliskirch in de „Schuuleck“ versammelten. Dat wer en Eck an de ole Micheliskirch, de har sin Namen darher, dat man dor so net schuulen kun vör de Wind. He har ok noch en anner Namen, „Joachims Ruhe“, un dat hung so tosamen:

De ole Etatsrat Joachims gefoll dat so, dat de Börgers hier Abends to hop kemen un sick wat vertellten, un so blev he denn ok mennigmal stahn und snackte en beten mit. Darum let he dar en stenern Bank maken und darup inhauen „Joachims Ruhe“ un daröwer let he en stenern Tafel inmurn, dar sten op to lesen :

„Setze Dich, Wanderer und erfreue erst Dich hier durch den Blick in Gottes herrliche Natur und wie in ihrem Schoße hier vor Dir Freunde, Bekannte und Verwandte so sanft ruhen un ihrem seligen Erwachen entgegenschlummern.“

Bank und Tafel is dar ok noch in de niee Kirch, un vör de Bank is Joachims sin Graff, awer de Namen „Joachims Ruhe“ is nümmer recht in Gebruk kamen, de Börgers blewen bie ehr „Schuuleck“.

Vergeten sall et Joachims awer hier nich warn, dat wi em unse schöne Allee to verdanken hem´n, denn de Böm dorto het he ut sin Bomschool schenkt.

 

Anmerkungen : Obwohl Christian Nikolaus Schnittger diese kleine Anekdote eher unwissenschaftlich niedergeschrieben hat, lassen sich viele Angaben, die er gemacht hat, auch heute noch beweisen. Die Leute haben sich damals in einer windgeschützten Ecke an der neuen Michaeliskirche getroffen, der Etatsrat Joachim hatte daraufhin eine Bank sowie eine Tafel mit Inschrift anfertigen lassen.
Es handelt es sich um den Etatsrat Dr.phil. Peter Jochims (18.02.1762 – 18.03.1844), der ein sehr bekannter und geschätzter Bürger der Stadt Schleswig war.
Die Begebenheit um die „Schuuleck“ müssen sich vor 1869 zugetragen haben, denn in diesem Jahr stürzte die alte Michaeliskirche ein. Auch der erste Neubau stürzte 1870 ein, der zweite Neubau, die neue Michaeliskirche, wurde im März 1877 eingeweiht. Glücklicherweise sind die Tafel mit der Inschrift und Jochims Grabstein bis heute erhalten geblieben.

 

Michaeliskirche

Die neue Michaeliskirche, 1877 eingeweiht,
1971 abgebrochen.
Michaeliskirchel

Die Tafel mit der Inschrift sowie Jochims Grabstein davor.
Man findet sie an der Südseite des Michaelis-Gemeindezentrums,
das 1974 eingeweiht wurde.

 

Jochims betrieb auf dem Erdbeerenberg, auf dem bis dato üppig und ertragsreich Waldbeeren wuchsen (daher der Name), eine große Baumschule. Der Erbeerenberg befand sich derzeit in Staatsbesitz, Jochims pachtete etwa 2 Hektar für das Anlegen einer Gärtnerei im Jahr 1812.
Zunächst baute Jochims dort Nutzpflanzen an, später wandelte er das Gelände in eine Baumschule um und zog damals gefragte Sorten wie z.B. Pappeln, Weiden, Ulmen und Birken heran. Seine Baumschule war ein beliebter Ausflugsort für die Schleswiger, im Jahr 1823 besuchte sogar der König Friedrich VI diese Anlage und sprach Jochims seine Anerkennung aus.

Als Beamter in hoher Position war Jochims nicht auf die Einnahmen aus der Baumschule angewiesen, so dass er regelmässig in großem Umfang junge Bäume zur Verschönerung von Ortschaften spendete. Durchschnittlich 3000 kleine Bäume verließen jährlich die Baumschule, um in alle Gegenden der Herzogtümer kostenlos ausgeliefert zu werden.

Auf diese Weise ist auch die Michaelisallee entstanden. 1825 spendete Jochims die Bäume für die Michaelisalle, die von bereitwilligen Bürgern zunächst nur nördlich des Stadtweges angelegt wurde. Erst 1866 wurde die Michaelisallee bis zur Flensburger Straße hin verlängert.

 

Michaeliskirche

Etatsrat Dr.phil. Peter Jochims
1762 – 1844
Michaeliskirchel

Die Baumschule auf einem Stadtplan von 1823.

 

Warum Jochims so uneigennützig in großem Umfang seine Anpflanzungen verschenkte, erklärt sich aus dem Spruch, der an dem Sommerhaus der Baumschule angebracht war :

 

„Ich halte es dafür, meine Mitbürger !
Freundliche, aufs beste eingerichtete Häuser – glückliche Einwohner,
Schönere Städte, Dörfer und Fluren – bessere Bürger;
Verschönerte Länder – verbesserte Völker;
Verschönerte Erde – veredelte Menschen.“

 

Nach dem Tode Jochims 1844 wurde die Baumschule von seinem in Flensburg wohnenden Neffen, dem Hardesvogt Johann Jacob Jochims, übernommen. Das Gelände verfiel jedoch im Laufe der Jahre immer weiter, 1853 zog der Staat das Grundstück wieder ein und verkaufte es an den Gärtner Jacob Robert. Der Robert´sche Garten ging später ein und das Gelände wurde parzelliert und bebaut.

Quellen : C.N.Schnittger, Erinnerungen eines alten Schleswigers, Neuauflage Philippsen, 1904
Heinrich Philippsen, Alt-Schleswig
Joachim Skierka, Schleswig in der Statthalterzeit 1711-1836
Ernst Schlee – Leben und Treiben im alten Schleswig

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