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Über den alten Wasserturm am Mühlenreich war mir bisher recht wenig bekannt. Die Recherche zu diesem Bauwerk hat längere Zeit in Anspruch genommen, da zunächst einmal der Eigentümer des Turmes ermittelt werden mußte. Auf dieser Seite habe ich die mir bis jetzt bekannten Fakten zum Turm zusammengefaßt.

 

Über die ursprüngliche Wasserversorgung der Anstalt heißt es es dem Verwaltungsbericht von 1970:
„Bei Gründung der Anstalt Stadtfeld wurde das Gebrauchswasser in geringer Tiefe mit Handpumpen aus offenen Brunnen mit artesischer Füllung entnommen. Das Abwasser floß in den Mühlenbach ab. Das erste Druckpumpwerk mit Handbetrieb entstand 1846 beim Bau des Frauenhaupthauses.
Die Zapfstellen in den Häusern erhielten durch Falldruck Wasser aus Behältern auf den Dachböden. Für das Ökonomiehaus (Küchengebäude) stand seit 1853 eine Dampfpumpmaschine zur Verfügung, die auch den Küchenbetrieb und das Männerhaus mit Wasser versorgte.
Für die 1873 erbaute Wäscherei pumpte eine kleine Dampfmaschine das Wasser aus einem besonderen Brunnen in ein Reservoir. Mit dem Dampfkessel für diese Maschine wurde auch das Warmwasser für die Wäscherei hergestellt.“

Die Provinzial-Irren-Heil- und Pflegeanstalt (ab 1914 Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt) expandierte unter der Leitung des Direktors Kirchhoff (Direktor von 1902-1919) stetig weiter. Besonders in den Jahren 1902-1914 fand auf dem Gelände der Anstalt eine umfangreiche Bautätigkeit statt. Vorgesehen war eine Erweiterung der Anstalt auf etwa 1500 Plätze für Kranke. Aus diesem Grunde war nicht nur der Bau neuer Häuser für die Patienten notwendig, sondern auch die Anpassung der Versorgungseinrichtungen an die steigende Patientenzahl (Patientenbestand Mai 1916 : 1263).
Ein wichtiges Projekt war der Bau eines Wasserturmes, da der bestehende Turm auf dem alten Ökonomiegebäude für die Wasserversorgung der wachsenden Anstalt nicht mehr ausreichend war. In welchem Jahr mit der Planung des neuen Wasserturmes begonnen wurde, ist mir nicht bekannt. Der mir vorliegende Entwurf des Turmes ist auf den 27.Juli 1905 datiert.

 

Bereits im Jahr 1906 wurde der Wasserturm fertiggestellt und in Betrieb genommen. Der Turm hat eine Gesamthöhe von 30,85 m. Der äußere Durchmesser beträgt am Sockel 9,50 m, der Turm verjüngt sich auf 8,88 m unmittelbar unter dem Wasserbehälter. Der obere Turmbereich, in dem der Wasserbehälter untergebracht ist, hat einen äußeren Durchmesser von 10,36 m. Der Durchmesser des Wasserbehälters beträgt etwa 8 m, seine Höhe 4,86 m. Bei dem Reservoir handelt es sich um einen Hängebodenbehälter. Diese Behälter sind rund und besitzen einen durchhängenden Behälterboden. Der Boden ist frei zugänglich, der Behälter sitzt auf einem äußeren Auflagering auf, der starke horizontale Kräfte beim Befüllen und Entleeren ausgleichen muss. Die ersten Hängebodenbehälter entstanden Ende der 1860er Jahre bei der französischen Eisenbahn.

 

Damit der Turm überhaupt in Betrieb genommen werden konnte, wurde 1906 ein Pumpenmaschinenhaus mit einer Wohnung für den Maschinenmeister errichtet. Auch dieses Gebäude ist heute (2010) noch erhalten, es befindet sich ebenfalls nicht mehr im Besitz des Klinikums. Das Pumpenmaschinenhaus wurde nach den Plänen des Landesbaurates Kessler errichtet, der auch viele andere Neubauten der Anstalt in dieser Zeit entworfen hat.

 

Der Turm wurde mit Wasser aus einem Tiefbrunnen befüllt, der sich in dem gegenüberliegenden Anstaltspark befand. Aus dem Brunnen wurde das Wasser in ein neben dem Brunnen errichtetes Bassin gepumpt. Das Wasser wurde von dem Pumpenmaschinenhaus angesaugt und mittels Druckleitungen in den Behälter des Wasserturmes gepumpt. Der Turm wiederum versorgte das anstaltseigene Wassernetz und sorgte für einen ausreichenden Wasserdruck.

 

Ab dem Jahr 1906 verbanden gußeiserne Wasserrohre die einzelnen Häuser mit der zentralen Wasserversorgung. Zusätzliche Brunnen mußten gebohrt werden, um den steigenden Wasserbedarf der nstalt zu decken : 1923 – Brunnen 2, 1925 – Brunnen 3, 1930 – Brunnen 4 und 1944 – Brunnen 5. Alle Brunnen zapften eine 40 m tiefe Wassersohle an und lieferten ihr Wasser in das Bassin, von dem der Turm gespeist wurde. Da der Grundwasserspiegel mittlerweile abgesunken ist, wurde 1960 ein 6.Brunnen gebohrt, die ersten 5 Brunnen wurde zugeschüttet. 1966 wurde in der Nähe des Turmes ein weiterer Brunnen gebohrt, der das Wasser aus einer Tiefe von 133,5 m fördert.

Im April 1976 wurde die Anstalt gezwungen, sich an das städtische Wassernetz anzuschließen, der Wasserturm hatte somit seine Funktion verloren. Im August 1993 hat die Klinik den Turm an eine Privatperson veräußert. Der neue Eigentümer plante den Umbau des Wasserturmes zu Wohnungen, auf dem Dach des Turmes sollte für die obere Wohnung ein Wintergarten mit einer Dachterasse installiert werden.

 

In den Turm sollten im Erdgeschoß Büroräume eingerichtet werden, die erste Ebene hätte zu einer kleinen Wohnung für eine Einzelperson ausgebaut werden sollen. Die darüberleigenden Wohnungen hätten jeweils über zwei Stockwerke verfügt : Wohnung 2 mit Ebenen 2 und 3, Wohnung 3 mit Ebenen 4 und 5, Wohnung 4 mit Ebenen 6 und 7 sowie die Wohnung 5 mit den Ebenen 8, 9 und 10 (Wintergarten). Die Umbauarbeiten hätten im Frühjaht 1997 beginnen sollen. Bis Ende 1997 sollten die Arbeiten abgeschlossen sein, die Kosten für den Umbau vom Wasser- zum Wohnturm wurden mit 2,3 Millionen DM beziffert.

Der Eigentümer konnte diese Pläne jedoch nicht realisieren, so dass der Turm bis heute nur als „Funkturm“ für die auf den Dach installierten Antennen genutzt wird.

 

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