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Mein Vater erzählte mir, daß auf dem Gelände der Fachklinik in Schleswig eine alte Mühle am Mühlenbach stand. Er hat als Kind Anfang der 50er Jahre in der alten Mühle gespielt und kann sich noch gut daran erinnern.

Heinrich Philippsen schreibt über diese Wassermühle :
Die „St. Jürgener Mühle“, richtiger die „grauklösterliche Zwangswasser-Mühle zu St. Jürgen“, war vermutlich ursprünglich ein Zubehör der Kapelle zu St. Jürgen, deren Kirchhof heute noch nachweisbar ist. Mühlenpflichtig waren sämtlichen grauklösterlichen Lansten in den Dörfern Holmühl, Idstedt, Klensby, Moldenit, Rosacker, Schuby und St. Jürgen, mit Ausnahme der zu Arenholz, Arup, Goltoft und Rabenholz auf Klostergebiet wohnenden Untertanen, die zwangsfrei, dafür aber zur Leistung der Hand- und Spanndienste und außerdem verpflichtet waren, das zum Decken der Mühle erforderliche Stroh zu liefern. Der zur Mühle gehörenden Teich ist ein Stauteich, hinter dem in malerischem Aufbau die strohgedeckte, nur mit einem Mahlgang ausgestattete Mühle liegt.


Wassermühle St-Jürgen



Bis 1760 betrieb das Graukloster die Mühle auf eigene Rechnung, dann wurde sie einem Pächter in Erbpacht überlassen. Nach dessen Tode pachtete (1794) die Stadt Schleswig die Mühle auf 89 Jahre für 80 Thl jährlich, die Pachtzeit lief bis zum Jahr 1883. Die Stadt mußte alle erforderlichen Instandsetzungsarbeiten allein ausführen und entschädigen, verpachtete aber die Mühle wieder. Der Mühlenbetrieb war wegen der verhältnismäßig kleinen Zahl der Mühlenpflichtigen (Mühlengäste)-es handelte sich nur um 162 Personen – kein besonders reger, obgleich Weizen wie auch Roggen für die Bäcker und den Hauptbedarf, sowie Schrot aller Art für die Brenner, Brauer und zur Viehfütterung gemahlen werden konnten und die Matte nur ½ Schipp von der Tonne betrug. Die Aufhebung des Mühlenzwanges im Jahr 1854, für die dem Graukloster ein Entschädigung von 1130 Thl gezahlt wurde, hob die Kundschaft der Mühle nicht. Nur Roggen und Schrotkorn kamen zuletzt zum Verarbeiten, Weizen dagegen gar nicht. Die Mühle ist jetzt von der Provinzial-Irrenanstalt (Heil- und Pflegeanstalt) angekauft und zu deren Areal gezogen. Unterhalb der St. Jürgener Mühle lag die zweite Mühle, die „Neue Stadtmühle“, die von dem Wasser des Polierteichs getrieben wurde.

Im April 1953 beschäftigt sich auch die Schleswiger Nachrichten mit der alten Wassermühle. Ein Teil des hölzernen Anbaus, in dem sich das Wasserrad drehte, ist eingestürzt. Die Mühle gehörte einst zu dem St.-Jürgen-Hospital und ging nach Aufhebung des Hospital Mitte des 16.Jahrhunderts in den Besitz des Grauklosters über. Mühlenpflichtig waren bis 1854 die zum Graukloster gehörenden Dörfer St.-Jürgen, Klensby, Moldenit, Schuby, Rosacker und Idstedt.
Von 1760 bis 1883 war die Mühle in Erbpacht vergeben, seit 1794 an die Stadt Schleswig für 80 Thaler jährlich. Die Provinzial-Irrenanstalt pachtete die Mühle im Jahr 1884, 1908 wurde sie von der Irrenanstalt käuflich erworben. Irgendwann in den Jahren 1900-1910 stellte die Mühle ihren Betrieb ein, sie war altersschwach und reparaturbedürftig. Seit der Stillegung des Mühlenbetriebes sorgte die Landesbauverwaltung für die außere Instandhaltung der Mühle.


Wassermühle St-Jürgen

Ein Lageplan der Irrenanstalt von 1871.
Die Mühle ist das kleine Gebäude direkt
am Mühlenbach.
Die Chaussee nach St.-Jürgen, heute: Mühlenredder, verlief zu
dieser Zeit zwischen der Mühle und dem Müllerhaus.
Auf dem Plan ist der alte Verlauf der Chaussee noch zu erkennen.

 

Wassermühle St-Jürgen

Lageplan 1910.
Zwischen Mühle und Müllerhaus befand sich ein kleiner Platz.
Der Stall wurde ebenfalls 1884 errichtet beim Umbau des Müllerhauses zu Wohnungen.

 

Im Juli 1953 scheint der Abbruch der Wassermühle kurz bevor zu stehen. Unter dem Titel „Das Ende einer alten Wassermühle – Die St.-Jürgener Wassermühle vor dem Abbruch“ erfolgt eine bauliche Beschreibung der Mühle sowie ein Streifzug in ihre Geschichte.
Das Fundament der Mühle bestand aus sauber behauenen Granitblöcken. Das Gebäude war ein grünbemaltes Fachwerk, in dessen Gefüge heller Backstein eingemauert war. Die unter dem Strohdach hervorstehenden Balkenköpfe hatten schöne, schlicht profilierte Formen. Auf den beiden Dachfirst-Enden des heruntergezogenen Strohdaches waren zwei Blitzableiter befestigt, „die zu den ältesten noch in der Stadt befindlichen gehören mögen“.
Die Mühle war zweigeschossig gebaut und hatte zwei kleine, glaslose Fenster, die mit geschwungenen Eisengittern versehen waren. Das halbzerstörte Räderwerk war im Jahr 1953 noch vorhanden, ebenso die zerbrochenen Kammräder. Der mächtige Schaft, an dem einst die Wasserschaufeln befestigt waren, schaute schräg aus dem Wasser, auch einige Getriebeteile lagen im Bachlauf.

Der Stadtarchivar Ernst Petersen forderte den Erhalt dieser Wassermühle, so schrieb Petersen : „Von der Landesbauverwaltung darf erwartet werden, daß sie für die Erhaltung des Baudenkmals sorgt“. In diesem Zusammenhang bedauert Petersen auch den Abriß des Hohen Tores im Jahr 1883.
Auch fordert Petersen die Stadtverwaltung auf, sich für den Erhalt der alten Wassermühle einzusetzten, offensichtlich ohne Erfolg.

Im Januar 2008 haben wir die Reste der alten Mühle fotografiert. Deutlich zu erkennen sind die „sauber behauenen Granitblöcke“.



Wassermühle St-Jürgen

Das Wasser fließt aus dem Mühlenteich auf der anderen Seite der Straße.
Rechts stand die Mühle.

 

Wassermühle St-Jürgen

 

Wassermühle St-Jürgen

 

Wie bereits o.a. hatte die Provinzial-Irrenanstalt die Wassermühle nebst Müllerhaus ab dem Jahr 1884 gepachtet. Im gleichen Jahr ließ die Bauverwaltung der Irrenanstalt die Mühle zu einem Wärterwohnhaus umbauen. In dem Verwaltungsbericht der Provinzial-Heilanstalt für die Jahre 1870-1920 heißt es dazu :
„Ähnlich störend war eine in der St.-Jürgener Wassermühle eingerichtete Wirtschaft dicht beim damaligen Zellenflügel des Frauennebenhauses. Später wurde die Wassermühle zurecht gebaut für Wärterwohnungen und ist hier ein landschaftlich besonders schöner Teil am Bach entstanden; nach regenreicher Zeit ist der Sturz des Wassers aus dem früheren Wasserradkasten in den fließenden Bach ein belebendes, anziehendes Bild.“

 

Wassermühle St-Jürgen

Das alte Müllerhaus im Jahr 2010.

 

Wassermühle St-Jürgen

Links der Mühlenteich und der Wasserdurchlass.
An der Straße das alte Müllerhaus mit Stallgebäude,
dahinter das Frauennebenhaus.

 

Wassermühle St-Jürgen

Die Ansicht von 1884.
Die Adresse lautete seinerzeit St.Jürgen I.Quartier Nr.48.
1888 wurde die Adresse in St.Jürgen Nr.1, 1928 in St.Jürgen Nr.9 geändert.
Die aktuelle Adresse lautet Mühlenredder Nr.14 und Nr.16.

 

Wassermühle St-Jürgen

Aus der Baubeschreibung zum Umbau des Müllerhauses 1884:
„Irrenanstalt bei Schleswig, den 6ten August 1884
Beschreibung
der für die Einrichtung einer Wohnung auf dem
Dachboden des Müllerhauses in St.Jürgen erforderlichen
Arbeiten.“

 

Wassermühle St-Jürgen

Insgesamt wurden drei Wohnungen eingerichtet. Zwei im Ergeschoß und eine Wohnung im Dachgeschoß.

 

Wassermühle St-Jürgen

Die Wohnung im Dachgeschoß.

 

Quellen : Alt-Schleswig: I. Beiträge zur Geschichte der Stadt Schleswig (Topographischer Teil) Schleswig Jul. Bergas‘ Verlag / Emil Thamling 1923 Bericht über die Provinzial-Heilanstalt bei Schleswig, Prof. Dr. Kirchhoff, 1920, Julius Bergas Schleswiger Nachrichten 9.4.1953, 22.7.1953, 29.7.1953

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