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Es ist sehr interessant herauszufinden, an welchen Orten im Stadtgebiet im Laufe der Jahrzehnte Müllplätze und Schuttkippen angelegt wurden, die heute z.T. in Vergessenheit geraten sind.  Der Stadt sind etwa 26 Altlasten bekannt, neben der bereits in den Jahren 2000 – 2002 sanierten Mülldeponie Haferteich gibt es jedoch auch viele kleinere Schutt- und Müllplätze, wie beispielsweise der ehemalige Bolzplatz am Moldeniter Weg. Die dortige Müllkippe der damaligen Anstalt Stadtfeld wurde nach der Aufschüttung jahrzehntelang als Bolzplatz verwendet. Heute ist das Areal zumindest teilweise überbaut.

Im Jahr 1926 wurden, soweit es heute noch ermittelbar ist, folgende Grundstücke als Schuttabladestellen zugelassen:

– am Husumer Baum vor dem Reichsbahnübergang
– zur Auffüllung des Hühnerhäuser-Teiches
– in der Wiesenstraße, neben dem Platz von Landsmann
– auf dem Theatergrundstück, zur Teichauffüllung

Diese Schuttplätze wurden auch in der Lokalpresse öffentlich bekannt gegeben. Es gab aber scheinbar noch weitere Schuttkippen, von deren Existenz nur noch kurze Aktennotizen hindeuten. So wurde in einer Akte im Jahr 1931 handschriftlich am Rande notiert: „Die Schuttabladestelle am Friedrichsberger Kirchhof soll beseitigt werden.“

Graue Wiese südöstl. vom Holmer Noor
Ein weiteres Beispiel ist das Gelände auf der Freiheit, der damaligen „Grauen Wiese“. In einem Protokoll der Landaufsichtskommission vom 3.Juni 1932 ist zu lesen: „Von einem Mitglied der Kommission wurde mitgeteilt, dass der Schlachtermeister Josten auf der ihm gehörenden „Grauen Wiese“ eine Schuttabladestelle eingerichtet hat. Herr Josten teilt auf telephonische Anfrage mit, dass er einen öffentlichen Schuttabladeplatz auf diesen Wiesen eingerichtet hat.“



Schuttplatz Holmer NoorDer größte Müll- und Schuttabladeplatz in diesem Bereich ist jedoch das Holmer Noor. Neben den Verunreinigungen durch die eingeleiteten Abwässer der am Noor gelegenen Lederfabrik Knecht & Wördemann, über die auf dieser Seite etwas zu lesen ist, wurde das Noor auch als innerstädtische Mülldeponie verwendet. In einem Bericht des Bauamtes vom 10.März 1932 heißt es: “ Bei einer Besichtigung wurde festgestellt, dass an der rechten Seite des Baumhofsganges an mehreren Stellen Schutthaufen lagern. Der Schutt ist in Ermangelung eines günstig gelegenen Schuttabladeplatzes wahrscheinlich von den Pächtern der anliegenden Schrebergärtnern dort abgeladen worden. Um diesem Übelstand abzuhelfen, wird vorgeschlagen, einen neuen Schuttabladeplatz im Holmer Noor südlich der Schleswiger Kreisbahn einzurichten.
Der neue Schuttabladeplatz wäre für die Anwohner des Gallbergs, Teile der Altstadt und des Stadtfeldes günstig gelegen und kann später zu Schrebergärten ausgelegt werden.“

Der Pächter der Noorwiese war von diesem Vorhaben der Stadt jedoch wenig begeistert, offensichtlich hatte er noch versucht, auf dem Rechtsweg das Anlegen eines Schuttplatzes zu verhindern. Aus dem Verhandlungsprotokoll: „Wenn die Schuttkippe auf der vom Bauamt beabsichtigten Stelle ihren Platz finden soll, ist die Wiese für mich nicht mehr nutzbar. Die Schuttkippe trennt dann die Wiese in zwei Teile, die einzeln nicht mehr weidefähig sind, weil die Flächen zu klein sind. Ich bin aber angewiesen auf diesen Nebenerwerb als Milchwirt, weil die Arbeit bei der Firma Knecht und Wördemann, bei der ich als Facharbeiter tätig bin, auch keine dauernde ist und ich mit der Möglichkeit rechnen muss, dass ich eines Tages der schlechten Wirtschaftslage wegen zur Entlassung komme.“

Nach dem Anlegen eines Schuttplatzes im Holmer Noor wurde im Dezember des gleichen Jahres damit begonnen, einen Damm durch das Noor anzulegen: „Im Dezember 1932 wurde die Schüttung eines Dammes durch das Holmer Noor in Angriff genommen. Der hierfür erforderliche Boden – es handelt sich um viele tausend cbm – wird aus der Kiesgrube des Tiefbauunternehmers Albrecht mit Kipploren herangeschafft. Durch die Schüttung des Dammes wird der Anfang zur Entwässerung und völligen Zuschüttung des Holmer Noores gemacht und gleichzeitig ein Verbindungsweg vom Holm nach der Fabrik von Knecht und Wördemann geschaffen.“ (Verwaltungsbericht der Stadt Schleswig 1932).

Holmer Noor April 1945
Im Laufe der Jahrzehnte wurde nicht nur im Norden des Noores Schutt abgeladen, sondern auch im Osten (städtische Mülldeponie), im Süden und Westen. Bei einer Begehung des Homer Noores im Januar 2014 war entlang des Mühlenbaches fast bis weit in das Noor hinein Müll zu finden. Im Osten wurde auf der alten Deponie die Stadtgärtnerei errichtet, neben dem Holmer Noorweg gab es jahrzehntelang lang einige Schrebergärten, dessen Hinterlassenschaften noch heute zu finden sind.




Vermutlich wurde der östliche Bereich des Noores auch als Müllkippe des angrenzenden Seefliegerhorstes benutzt, in ihren „Kindheitserinnerungen: Sommer 1944-1948“ schreibt Irmgard Busse: „Der Krieg war inzwischen beendet; wir Kinder waren wieder einmal auf Streifzug mit dem Blockwagen. Eine beliebte Stelle war der Schuttplatz am Holmer Noor, gegenüber dem Kasernengelände ((heute, 1994, sind dort die Kleingärten und die Stadtgärtnerei. Wir hatten nämlich von anderen Kindern gehört, dass die Engländer die Kaserne entrümpelten. Wir fanden dort u.a. neue Gasmaken und neue Gasschutzanzüge – von außen Stoff, von innen Gummi in hellgrün. Diese Anzüge wurden zum beliebten Tauschgegenstand, und für die Familie wurden daraus Windjacken und Mäntel genäht.“

 

Die aktuellen Pläne der Schleswiger Umweltschutzgruppen sehen vor, das Holmer Noor zu einem „Naturerlebnisraum“ aufzuwerten. Fritz Laß von der Interessengemeinschaft Umweltschutz hat zusammen mit seiner Frau Dorothee Tams Gestaltungspläne für diesen Erlebnisraum ausgearbeitet. Demnach sind auf der Mülldeponie im Osten des Noores ein neuer Fußweg, ein Aussichtsturm sowie ein Naturspielplatz, Bürgergärten und eine Streuobstwiese geplant. Im Bereich des nördlichen Schuttabladeplatzes soll ein Holzsteg errichtet werden, der zur Deponie im Osten des Noores führt. Die Kosten für dieses Naturprojekt werden auf 220000 € geschätzt, 75% der Summe könnten aus Fördemittel stammen. Im Jahr 2014 soll dieser Naturerlebnisraum eingerichtet werden. Sinnvoller dürfte es sicherlich sein, erst einmal das Noor von den Müllbergen und Altlasten zu befreien, ansonsten wird dieses Projekt zu einem „Erlebnisraum wilde Schuttkippe“.

 

Holmer Noor
Historische Ansichtskarte, im Vordergrund die Lederfabrik von Knecht und Wördemann, dahinter das Noor.

 

Holmer Noor 1924
Holmer Noor 1924

 

Holmer Noor 1950er Jahre
Holmer Noor 1950er Jahre, Mülldeponie im Osten

 

Holmer Noor 1953
Holmer Noor 1953, Aufschüttungen sind erkennbar.

 

Holmer Noor 1970er Jahre
Holmer Noor 1970er Jahre, Schuttplatz im Westen des Noores.

 

Holmer Noor 1970er Jahre
Holmer Noor 1970er Jahre, Schuttplatz an der Knud-Laward-Straße



Holmer Noor Januar 2014
Holmer Noor Januar 2014




Galerie Holmer Noor, Müllkippe Ost

 

Galerie Holmer Noor, Schuttplatz West



 

Konzept Naturerlebnisraum gebilligt

Der Bau- und Umweltausschuss hat in der Sitzung am 16.09.2014 das Konzept für einen Naturerlebnisraum am Holmer Noor gebilligt und die Umsetzung beschlossen. Die entsprechenden Fördergelder sollen beantragt werden.

„Die Gesamtkostenschätzung beläuft sich auf 175.000 €. Diese Summe kann seitens des Landes Schleswig-Holstein über das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (MELUR) gefördert werden. Bei einer finanziellen Maximalförderung durch das MELUR wäre ein Eigenanteil in Höhe von 70.250 € brutto zu erwarten. Eine Vorabstimmung mit dem MELUR hat stattgefunden. Es wurden positive Signale gegeben.“

In dem Konzept heißt es:
„Im 20.Jahrhundert wurde das Noor verstärkt sowohl von der Bevölkerung, von der Stadt als auch vom expandierenden produzierenden Gewerbe zur Entsorgung von ungeklärten häuslichen wie gewerblichen Abwässern sowie von Hausmüll, Bauschutt und anderen bei der Verarbeitung und Produktion anfallenden Rückständen genutzt.
Diverse Halden und Deponien bildeten sich. Sie wurden bis in die 50er Jahren genutzt. Die Deponien sind inzwischen abgedeckt, zum Teil saniert.“

Diese Aussage ist so nicht richtig, da die Deponien lediglich mit Bauschutt und Erde abgedeckt wurden, wobei in den Randbereichen noch heute Müll heraustritt. Saniert wurde keine der Deponien, lediglich der kleine Bereich zwischen der Dänischen Schule und dem Holmer-Noor-Weg wurde im Sommer 2009 saniert. Das Gebiet westlich vom Holmer-Noor-Weg müsste eigentlich saniert, d.h. mit einer wasserundurchlässigen Schicht abgedeckt werden, wie es auch in den Jahren 2000-2002 bei der Deponie Haferteich vorgenommen wurde. Das wäre eine professionelle Deponie-Sanierung. Stattdessen haben die Mitglieder des Bau- und Umweltausschusses die Umsetzung des Naturerlebnisraumes (Mülldeponie) Holmer Noor beschlossen.
An vielen Stellen tritt heutzutage Hausmüll und Bauschutt an die Oberfläche, der Müll liegt zum Teil nur eine Handbreit unter der Flora. Dabei handelt es sich u.a. um Autoreifen, Bitumen, asbesthaltiges Eternit, Farbdosen, Spritzen, Glas, Folien, Metallschrott uvm. Diese Sachlage  dürfte wohl kaum eine Grundlage für einen Naturerlebnisraum bilden.
Auf den Fotos weiter oben auf dieser Seite ist übrigens zu erkennen, dass auch noch bis in die 70er Jahre hinein das Holmer Noor als Schuttabladeplatz benutzt wurde.


Stand: 16.September 2014

 

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