Firmenlogo 1969
In den weitverzeigten Ladenräumen weht ein frischer Wind, Jahrgang 69. Vor kurzem wurde die Modernisierung des
bekannten Modehauses im Friedrichsberg vollendet. Nur die Außenfront bekommt mit der Zeit noch ein neues Aussehen.
Der nette, persönliche Umgangston hat sich nicht geändert. Er wird in diesem Hause seit jeher gepflegt. Die Kunden
aus Stadt und Land schätzen ihn, wie die individuelle Bedienung, gepaart mit fachlich geschulter Beratung und einem
weitreichenden Angebot in allen Abteilungen. Ganz hinten, im Kontor, herrscht nocht die traditionsreiche, gemütliche
Atmosphäre der Gründerjahre. Bilder erzählen von der Vergangenheit. Ein Stich von 1897 zeigt, wie das Gebäude damals
aussah. Ein Oelbildnis des Firmengründers grüßt von der Wand. In Holz geschnitzt ist der Leitspruch:
"Vertrau auf Gott,
doch auch auf eigne Kraft.
Gott segnet nur,
was Du Dir selbst erschafft."
Ihn haben die Inhaber offensichtlich beherzigt. 1897 übernahm der Textilkaufmann Georg Muhl die Firma. Speziell der
Aussteuer wurde damals ein breiter Raum gewidmet, als die voll gefüllte Brauttruhe noch große Bedeutung hatte. Heutzutage
schaffen sich junge Brautleute meistens gemeinsam den Grundstock für das Leben zu Zweit.
Wie alte Schriften besagen, war die Lage anfangs nicht sonderlich rosig. Der alte Gottfried Josten soll gesagt haben:
"In sis Geschäft wull ick keen Aktien stecken."
Georg Muhl stammte aus einem zähen Bauerngeschlecht und setzte sich eisern und erfolgreich durch. Schon 1914 unternahm
er den großen Umbau. Er erwarb bestes Ansehen und ließ sich auch durch Krieg und Inflation nicht entmutigen. 1920 trat
Willi Harm in die Firma ein. 1938 machte ihn der verehrte Chef zum Teilhaber, konnte sich aber bis zu seinem Tode 1952
nie ganz von seinem Lebensbereich trennen. Die nette, joviale Art und das grundehrliche Kaufmannstum des Nachfolgers machte
das Fachgeschäft noch beliebter. Die heutige KG war viele Jahrzehnte hindurch die Einkaufsquelle für den Stadtteil und den
Kreiswesten. In neuerer Zeit verlagerten sich die Verhältnisse. Das Modehaus Muhl übernahm für Stadt und Kreis den
Alleinverkauf von "Maris"-Modellen, die bekannten Spitzenerzeugnisse auf dem Sektor Damenoberbekleidung. Die Kunden aus
dem Stadtinneren mehrten sich zusehends un der Kundenkreis erweiterte sich bis in den Angler Raum hinein. MARIS sind
erstklassige Markenmodelle aus Kammgarn, also Mäntel und Kostüme. MARESSA ist die elegante Schwester, für Kleider und
Kostüme aus Strick und Trevira 2000. Ihre zeitlose, schlichte Eleganz ist bestechend. Exzellent sind Schnitt, Paßform und
Verarbeitung. Die frauliche Note für die modebewußte reife Dame gibt sich die Hand mit jugendlich-beschwingten Modellen.
Mutter UND Tochter finden im Modehaus Muhl ein interessantes Mode-Revier, das auch Zwischen- und Übergrößen in
modisch-aktueller Note bereithält.
1964
Willi Harm führte 1949 die erste Modenschau in Schleswig nach dem Kriege durch. Da war gerade der sensationelle New Look
up to date und jede modische Anregung noch, oder wieder, Pionierarbeit geworden. Der junge Günter Zimmermann machte seine
Lehrzeit bei der Firma Muhl durch und lernte auch den alten Herrn Muhl noch kennen. 1949 ließ er sich in der Textilbrance
zunächst fremden Wind um die Ohren wehen, erst als Verkäufer bei Hans Jürgensen in Rendsburg. Dort lernte er auch seine
Frau kennen, die heute die modische Richtung des Hauses mitbestimmt und täglich im Dienst der Kunden steht. Später ging
Zimmermann als Textilvertreter nach Hessen. Der frühe Lehrherr war in Bad Wildungen zur Kur. Zufällig begegneten sich die
beiden. Willi Harm, er war viele Jahre Fachgruppenleiter des Textileinzelhandels und zwölf Jahre Leiter des gesamten Einzelhandels
im Kreis Schleswig, hielt Ausschau nach einem würdigen Nachfolger. Er bat den tüchtigen jungen Fachmann um die "Rechte Hand"
d. h. er machte ihn zu seinem unentbehrlichen Helfer. So kehrte Zimmermann 1963 in die Heimatstadt zurück. 1967 wurde er zum
Mitinhaber, während der Senior-Chef sich weitgehend ins Privatleben zurückzog. Der Damenkonfektion gab der zielstrebige
Geschäftsmann seither den größten Raum. Die Teppichabteilung wurde aufgelöst. 1968 wurde die Damenabteilung ausgebaut
und hat im Obergeschoß einen ansprechenden, intimen Rahmen. Von der erfahrenden Frau Skora beraten, läßt sich hier ungestört
anprobieren und wählen. 15 Angestellte sind im Hause tätig.
Im Januar bekamen die unteren Räume ein zeitgemäßes Gesicht. Hell und hübsch ist der neue Rahmen. Zweckmäßige Fußböden,
Kabinen, praktische, formschöne Tische, Regale und Verkaufsständer gewährleisten die übersichtliche, reibungslose Wahl. Eine
Abteilung wird geschickt in die nächste übergeleitet. Von der "Nische" für Gardinen, Betten und Bettwäsche geht es über
in die Herrenabteilung. Der Abteilung für Unterwäsche schließt sich u. a. die Kurzwarenabteilung an.
MUHL und MODE wurden zu einem Begriff. Dazu gesellt sich das Stichwort MODENSCHAU! In Gemeinschaft mit befreundeten Häusern
der Modebrance, hält das Haus Muhl auch in diesem Jahr wieder seine beliebte Modenschau ab. Am 16. März, um 16 und 20 Uhr, und
wieder im idyllischen, noch schöner gewordenen "Waldschlößchen", geht die chice, vielseitige Frühjahrs- und Sommer-Kollektion
"über die Bühne". Sie wird vorgeführt von den schon bekannten, sympathischen Mannequiens (an die "Molligen" ist besonders gedacht)
und begleitet von munteren Modeplaudereien des bewährten Conferenciers. NOCH sind Karten für diese beiden Veranstaltungen
zu haben! Sie sind die beste Visitenkarte für das Modehaus im Friedrichsberg.
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Quelle: Schleswiger Monatshefte März 1969