Anlässlich des 10-jährigen Bestehens des sPiBtl 718 in Schleswig fand ein Tag der offenen Tür in der Kaserne Auf der Freiheit statt.
In der Presse war angekündigt worden, dass im Rahmen dieser Veranstaltung am 23. September 1967 eine Schwimmbrücke über die Schlei nach Fahrdorf
gebaut werden würde. Es sollte mit 1150 m Länge die längste jemals bebaute schwimmende "Kriegsbrücke" werden.
Diese Ankündigung wurde sogar im
Hamburger Abendblatt (
hier der Artikel von 1967 als PDF-Datei) veröffentlicht. Aufgrund dieser Ankündigung waren sehr viele Angehörige der Soldaten und Bürger aus Schleswig und Umgebung in die Kaserne gekommen.
Das meiste für diesen Brückenbau benötigte Material lagerte üblicherweise am Nord-Ostsee-Kanal, da die Sicherung und Schaffung von Übersetzmöglichkeiten über den Kanal eine der Aufgaben
des sPiBtl 718 gewesen ist. Das Material wurde in den Monaten vor dem Brückenbau per LKW nach Schleswig gebracht und dort zu Brückenlementen von jeweils ca. 100 m montiert. Diese lagen in Deckungen am Schleiufer.

Der Verlauf der Schwimmbrücke über die Schlei.
Sat-Bild : Google Maps
Auf das Signal durch eine Leuchtkugel wurden diese Einzelemente mit Motorbooten in die vorgegebenen Positionen bugsiert, miteinander verbunden und am Ufer vertäut. Die Brücke bestand aus zwei Abschnitten von
jeweils 4 x 100 m Elementen aus Pontons an den Schleiufern sowie ca. 350 m Schweres Schwimmbrückengerät in der Mitte der Brücke. Die Gesamtlänge betrug 1150 m.
In der Presseankündigung war das Bataillon von
50 Minuten Bauzeit ausgegangen. Die Soldaten vollbrachten jedoch die unerwartete und erstaunliche Leistung, die Brücke über die Schlei in sehr viel kürzerer Zeit herzustellen: 14 Minuten nach dem Startzeichen
mit der Leuchtkugel befuhr das erste Bundeswehr-Kraftfahrzeug die Brücke.
Belastungstests musste die Brücke durch das Befahren mit einer Panzerhaubitze M 109 G und einem Kampfpanzer M 47 bestehen. Nach div. weiteren
Militärfahrzeugen durften die Landwirte aus dem Bereich südlich der Schlei mit ihren Treckern und Anhängern die Zuckerrüben-Ernte über die Schwimmbrücke in die Zuckerfabrik nach Klensby fahren.
Dies war für die damals noch langsamen (max. 20 km/h) landwirtschaftlichen Fahrzeuge eine erhebliche Weg- und Zeitersparnis, was dem Bataillon deutliche Sympathien einbrachte und Grund für viele Landwirte war, ihre
Fahrzeuge festlich zu schmücken. Sehr viele der Traktoren waren jedoch zu schwach, mit den schwer beladenen Anhängern die Uferböschung auf Schleswiger Seite hoch zu fahren. Und so mussten die meisten Gespanne mit
Bundeswehr-Lastkraftwagen die Böschung hinauf gezogen werden.
Die beteiligten Soldaten wurden anschließend mit Sonderurlaub "belohnt".
Dies Ereignis war offensichtlich so bedeutend, dass die Tagesschau der ARD um 20.00 Uhr ausführlich hierüber berichtete.
Beginn des Baues der 1150 m langen Schwimmbrücke
über die Schlei am 23.September 1967.
Schwimmbrückenbau
Wind und Wellen von Osten
gegen die Brücke.
350 m Schweres Schwimmbrückengerät im Einsatz
- in der Mitte der Brücke.
Beginn des Übersetzens über die Brücke.
Kampfpanzer M 47 auf der Brücke.
Die Brücke in ihrer ganzen Länge.
Schwimmbrücke mit Befehlshubschrauber darüber.
Filmteam bei Dreharbeiten :
Über den Brückenbau wurde in der
Tagesschau berichtet.
MTW M 113 auf der Brücke.
Panzerhaubitze M 109 G auf der Schwimmbrücke
und Kommando-Hubschrauber darüber.
Der Zuckerrübenkorso wird von einer
Motorrad-Eskorte angeführt.
Die Trecker waren zur Feier des Tages (und wegen der erheblichen Abkürzung
der Strecke von
Fahrdorf zur Zuckerfabrik in Klensby) festlich geschmückt.
Aber leider waren die meisten Traktoren so schwach, dass sie
die Böschung am Ufer nach Passieren der
Schwimmbrücke
nicht allein schafften und einzeln von BW-Kfz. hochgezogen
werden mussten - hierzu das Stahlseil
auf diesem Bild...
...deshalb entstand auf der Brücke ein Rückstau
von Gespannen mit Zuckerrüben.
Text und Fotos : Axel Mylius.
Vielen Dank für die Zusendung des Bildmaterials.