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10. Juni 2019
Baufortschritt Zentralklinik Hesterberg

 

Die Geschichte des Ende 1979 abgebrochenen Mineralöl-Lagers in der Königstraße 1b geht bis ins Jahr 1903 zurück. In jenem Jahr plante die Mannheim-Bremer Petroleum-Actiengesellschaft das Anlegen eines Petroleum-Lagers auf dem Wiesengrundstück des Fuhrunternehmers Ehlert an der Wiesenstraße (damals noch als Parallelweg bezeichnet, später Wiesenweg). Allerdings war Ehlert zu diesem Zeitpunkt lediglich Eigentümer der Wiese im rückwärtigen Bereich des Fuhrunternehmens von Friedrich Bruhn. Erst in späteren Jahren übernahm Ehlert von Bruhn das Speditionsgrundstück.
Der Petroleumtank sollte neben dem Schuppen aufgestellt werden, den Ehlert um 1893 bauen ließ. Mittels einer Rohrleitung, das zum Gelände der Angler Bahn führte, konnte der Tank direkt von einem Kesselwagen der Bahn befüllt werden.

 

Lageplan von 1896, rechts neben dem Tank der Schuppen von Ehlert. Lageplan 1913 mit dem Gebäude von Ehlert. Das erste Gebäude von Ehlert, Abbruch 2009

 

 

 

Das Tanklager im hinteren Bereich der Spedition an der Wiesenstraße konnte die wachsende Nachfrage nach Mineralölen nicht mehr befriedigen. Die Mannheim-Bremer Petroleum-Actiengesellschaft plante daraufhin im Jahr 1913 die Verlegung des Tanklagers auf das Gelände der Kreisbahn, auf ein Grundstück an der Königstraße, auf dem sich bis dahin ein Garten befand.
Aus dem Bauantrag vom 16.Mai 1913:
„Wir haben die Verlegung unserer dortigen, auf dem Grundstück des Herrn J.H. Ehlert, Schleswig, an der Königswiese hinter dem Angler Bahnhof belegene Petroleum-Tankanlage nach dem Platze auf dem dortigen Kleinbahnhof in Aussicht genommen und überreichen Ihnen…“

 

Lageplan 1913 - Im Garten der Angler Bahn wurde das Tanklager gebaut.

 

Lageplan 1927, mit dem Kreisbahnschuppen und Tanklager.

 

Die Geschichte des Tanklagers blieb aber weiterhin eng mit der Firma Ehlert verbunden. Im Jahr 1930 wurde von der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Aktiengesellschaft, die mittlerweile Betreiberin des Tanklager an der Königstraße 1b war, ein Pferdetankwagen in Schleswig stationiert. Der Tankwagen mit der Nummer 127 hatte ein Volumen 1500 Litern und wurde von der D.A.P.G. hergestellt. Im Genehmigungsantrag heißt es:
„Wir beabsichtigen den Wagen in dem dortigen Bezirk einzusetzen; er soll bei der Firma J.H. Ehlert stationiert werden. Die Firma ist mit den Einrichtungen und der Bedienung des Wagens vertraut.“

 

Rarität - ein Bild vom dem Pferdetankwagen vor dem Tanklager Königstraße 1b.

 

Das Betriebsgelände in der Königstraße wurde in den folgenden Jahren kontinuierlich erweitert, die Lagerkapazität wurde durch den Einbau weiterer unterirdischer Tank erhöht, das Bürogebäude wurde erweitert und aufgestockt. Das Befüllen der Tanks wurde über ein spezielles Ladegleis der Kreisbahn vorgenommen, die Tanks wurden direkt von einem Kesselwagen der Bahn befüllt.

 

Im Mai 1964 erschien ein in blumigen Worten verfasster Bericht in dem „Schleswiger Monatshaft“, einem der Wirtschaft nahestehenden Werbeblatt. Diesen Artikel gebe ich an dieser Stelle unverändert wieder:

„Wo immer Autos fahren, Maschinen und Motoren der Wirtschaft laufen, moderne Heizanlagen in Betrieb sind, sind ESSO-Benzin, -Diesel, -Öle, -Fette und Heizöle mit einem hohen Marktanteil am Verbrauch beteiligt. Dank der Esso-Forschung, des vorbildlichen Kundendienstes, des weitverbreiteten Tankstellenservices, gewinnt dieses Unternehmen, besonders unter den Autofahrern, immer mehr Freunde für diesen leistungsfähigen Kraftstoff. Auch die Entwicklung auf dem Heizölsektor zeigt bei der Esso ständig steigende Umsatzzahlen. Ähnlich liegen die Dinge in der Belieferung der Landwirtschaft sowie der Verkehrsbetriebe mit Benzin- und Dieselölen. Vor allem auch in unserem Kreisgebiet gehören die landwirtschaftlichen Betriebe mit zu den Hauptabnehmern in Kraftstoffen, Ölen und Fetten.

Die Vertretung der Esso A.G. in Schleswig liegt in Händen der Firma Ferdinand Haberlandt. Allzu früh verstarb im November vergangenen Jahren der gleichnamigen Inhaber und Gründer des Unternehmens. Es ist sein besonderer Verdienst, die Esso-Produkte in diesem Teilgebiet des Landes zu Geltung und großem Umsatz verholfen zu haben. Insbesondere galt sein Streben der Einführung des ESSO-Heizöls. Konservativ wie die Bürger Schleswigs und seiner Umgebung sind, war es für Ferdinand Haberlandt schwer, der neuen Heizungsmethode mit Öl, Freunde zu gewinnen. Er konnte sich aber durchsetzen und kam im Jahre 1956 mit ESSO-Heizöl groß ins Geschäft. Er war einer der ersten Lieferanten dieses Öles, welches mehr und mehr die Kohle als Heizstoff verdrängt. Ferd. Haberlandt hatte als gelernter Maschinenbauer rechtzeitig die Bedeutung dieser Heizmethode erkannt und ihre enorme Entwicklung vorausgesehen. Heute befindet sich die Geschäftsführung des Unternehmens, das über zwei Betriebe verfügt, in den Händen des einzigen Sohnes Harri Haberlandt, der schon seit 1949 in der Firma mittätig ist.

Vor 17 Jahren wurde in der Königstraße 1b die Vertretung der ESSO A.G. als ESSO-Lager gegründet. Im Jahre 1949 konnte dann schon der Zweitbetrieb, die Tankstelle Hühnerhäuser Ecke Flensburger Straße und Schubystraße in Betrieb genommen werden.
Mit dem stetigen Anwachsen des Kraftverkehrs, der Industrialisierung sowie der Mechanisierung in der Landwirtschaft haben sich beide Betriebe der Firma Haberlandt erfreulich fortentwickelt. 10 Mitarbeiter versehen mit 3 Tank- und einem Lieferwagen den gut eingespielten Kundendienst in Stadt und Land.
Bei unserem Besuch im ESSO-Lager konnten wir uns von diesem Service im örtlichen Bereich, wie auch im allgemeinen Sinne überzeugen. Herr Harri Haberlandt gab uns freundlicherweise einige Schriften, Karten und Hinweisbücher zur Einsicht mit. In diesem gesamten Material werden die neuesten Erkenntnisse der ESSO-Forschung veröffentlicht. Dabei ist der ESSO-Landkurier für unser Gebiet von besonderer Bedeutung, denn hierin findet der Landwirt wichtige Ratschläge für eine rationelle Bewirtschaftung. Die in dieser Zeitschrift zusammengetragenen Erfahrungen sind die Ergebnisse vieler Studien, die auf dem Essoeigenem Gutshof Dethlingen gemacht worden sind. Weitere periodisch erscheinende ESSO-Magazine sowie Autokarten und -Hilfen geben dem Verbraucher viele Anregungen und Hinweise für den rationellen Verbrauch der Kraftstoffe, Öle und Fette.

Eine individuelle Beratung jedoch erfährt der Kunde in der Firma Haberlandt selbst, wo ihm außerdem kostenlos alle ihn interessierenden Schriften der ESSO-Forschung zur Verfügung stehen.“

 

Im Jahr 1978 wurde der Betrieb an der Königstraße eingestellt, da die Stadt Schleswig den vierspurigen Ausbau der Königstraße plante und das Tanklager sich zu nahe an der Straßenflucht befand. Im Oktober 1979 wurde der Abbruch des Tanklagers sowie des benachbarten alten Kreisbahnschuppens genehmigt, in dem zuletzt die Firma „Landhandel Nord“, Königstraße 1a, ansässig war.

 

Galerie Tanklager

 

 

Die Esso-Tankstelle Hühnerhäuser

Diese Tankstelle wurde 1949 von der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Aktiengesellschaft auf dem ehemaligen Bielschen Grundstück, Schubystraße 135,errichtet. Allerdings war das Genehmigungsverfahren recht kompliziert und zog sich in die Länge, weil die Stadt aus verkehrstechnischen Gründen keinen Neubau an dieser Stelle wollte. Die Stadt begrüßte sogar den Abbruch des vorher auf diesem Grundstück befindlichen und mittlerweise baufällig gewordenen Biel´schen Hauses.
Auch die Straßenbauverwaltung in Kiel lehnte den Bau dieser Tankstelle ab, da sie , aufgrund ihrer Lage auf dem Eckgrundstück, für den Straßenverkehr eine erhebliche Sichtbehinderung an der Straßenabzweigung darstellen würde.
Dennoch hat die D.A.P.G. es geschafft, eine Genehmigung für die Errichtung ihrer Tankstelle zu bekommen, allerdings mit der Auflage, „dass die Tankstelle im Falle einer anderen Lösung der Verkehrsverhältnisse in den Hühnerhäusern ohne Anspruch auf irgendwelche Entschädigung zu entfernen sei.“ Zudem war die Genehmigung nur bis zum 31.März 1965 befristet. Im April 1966 wurde der Abbruch dieser kleinen Tankstelle genehmigt und kurz darauf vollzogen.

 

 Galerie Tankstelle

 

Quellen: Schleswiger Monatsheft 05/1964, Privatarchiv Ehlert, Fotoarchiv Kai Labrenz, GA SL-FL 17, 1332, GA SL-FL 17, 1441

Stand: August 2014