Der Dom St. Petri - Der Bau





Der Dom ist Schleswigs bedeutendstes Kunstdenkmal. Weithin sichtbar über ragen Turm und Dach die Häuser der Altstadt. Bereits Anfang des 11. Jahrhunders zur Zeit Knuds des Großen wurde mit dem Bau eines Feldstein-Domes begonnen. Neuere Grabungen legten unter dem Fußboden des Chores mächtige Feldsteinmauern frei. Dieser Steindom hatte noch nicht einmal die Größe des heutigen Chores und bestand aus einer halbrunden Apsis und einem daran anschließenden Rechteckraum. Bald erweiterte man ihn um das Langschiff. Im 12. Jahrhundert wurde er aus Granitquadern und Tuffsteinen neu erichtet und mit einem Querschiff versehen.

Aus dieser Zeit stammt das berühmte Petri-Portal. Das Portal am südlichen Querhaus, das nach einer der im Bogenfelde dargestellten Personen, dem Patron des Domes, Peterstürme genannt wird, war seit eh und je der Haupteingang. Zur gleichen Zeit wie der Granitbau errichtet, wurde es aber später mehrfach geändert. Heute ist es ein romanisches Stufenportal mit eingestellten Säulen, schlichten Würfelkapitellen, Basen mit Eichblättern un dem reliefierten Bogenfeld. Auffallend und merkwürdig ist, daß für das Portal vier verschiedene, nicht heimische Baustoffe verwandt wurden, die auf dem Handelsweg nach Schleswig kamen: Gotländer Kalkstein für die Kapitelle, Profile und zwei Säulenschäfte, schwedischer Granit für die Basen, die seitlichen Pfeiler und vier Säulenschafte, rheinischer Tuff für die Bogenläufe und Sandstein aus Schonen für das Bogenfeld.

vor der Erneuerung des Turmes


In diesem Relieffeld ist Christus als Weltrichter, umgeben von den vier Evangelisten-Symbolen und Petrus und Paulus dargestellt. Petrus hält den Schlüssel und Paulus ein Schriftband. Ganz links hinter Petrus sieht man einen gekrönten Stifter mit dem Kirchenmodell. Wahrscheinlich ist der Stifter Knud der Große.

Neben dem Portal, in der Ecke des Querschiffes am nördlichen Nebenchor, in der sogenannten Löwengrube, an der Ecke der Taufkapelle un am Landesbauamt finden wir Löwenskulpturen aus Granit, die wohl ursprünglich die Portale des ältesten Domes geschmückt haben, noch bevor die Säulen und das Bogenfeld eingesetzt wurden.

Nach der Zerstörung Schleswigs durch Svend Grathe im Jahre 1155, bei der der Dom große Brandschäden erlitt, wurde er in den nächsten beiden Jahrzehnten in Ziegel neu errichtet. Zur selben Zeit baute Waldemar der Große aus Backstein seine große Verteidigungsmauer, das Danewerk, während auch in der Mark, in Holstein und auf den dänischen Inseln die ersten Backsteinkirchen entstanden. Ohne Zweifel gehört somit der Dom zu den frühsten Zeugen aus Backstein.

Um 1200 wurde der Dom von einem zweiten Brand heimgesucht. Er beschränkte sich wahrscheinlich vor allem auf die Holzdecken und den Dachstuhl, so daß seitdem mit der Einwölbung erst des Querschiffs und Chorquadrums und dann des Langschiffs begonnen wurde. Der Gewölbebau des Langhauses vollzog sich langsam von Ost nach West. Die Einzelformen verfeinern sich von Joch zu Joch nach Westen hin, und die Kapitelle beweisen eindeutig, daß der Bau, nachdem die noch spätromanischen Gewölbe des Querhauses fertig geworden waren, in dem benachbarten Joch des Langhauses aufgenommen und allmählich nach Westen weitergeführt wurde. Dabei wurden je zwei Bögen der alten Arkaden zu einem Joch vereinigt.

Nach der Einwölbung wurde der Chor erweitert und in den neusten Formen als dreischiffiger Hallenbau aufgeführt; jedes Schiff ist zwei Joch tief. An der Nord- und Südseite stehen auf der mittleren Höhe des Seitenschiffes quadratische Treppenhäuser, die zur Zeit des Turmbaus zu Türmen ausgebaut wurden.



Zur gleichen Zeit entstand der reizvolle Bau des Kreuzgangen (Schwahl genannt). In den drei Flügeln legt er sich an die Nordwand - ein vierter Flügel, der an der Kirche entlang führte, ist abgebrochen worden, als das Lanhaus im 15. Jahrhundert zur Halle erweitert wurde. Seine beiden erhaltenen Portale sind reife Leistungen der Backsteintechnik. Ebenfalls wurde eine Sakristal gebaut, die heute als Taufkapelle verwandt wird.

1275 stürzten zwei Türme an der Westseite ein. Sie wurden nicht wieder aufgebaut, sondern der Dom bekam eine schlichte Westseite mit drei gotischen Fenstern und einem spitzbogigen Portal.

Seine heutige Gestalt erhielt der Dom, als er wegen großer Baufälligkeit im 15. Jahrhundert erneuert wurde. Das Langhaus wurde statt in der alten Basilikaform in eine Halle umgebaut.

Die Seitenschiffe wurden in der Höhe des Mittelschiffes hinaufgeführt und die Mauern gleichzeitig an die Außenkanten der Strebepfeiler gelegt, so daß zwischen den Strebepfeilern kleine Kapellen entstanden. Um das Mittelschiff mit den Seitenschiffen zu verbinden, brach man die alten Nebenpfeiler heraus und verband die Hauptpfeiler durch große Arkadenbögen.

Das Petriportal


Die Außenwände wurden glatt und nur durch die hohen Fenster und Blendnischen gegliedert. Ein riesiges Dach schloß den Bau ab, während an der Nordseite des Chores eine neue Sakristei angebaut wurde, die später als Fürstengruft Verwendung fand. Aus dieser Zeit stammt auch der Lettner, der in der ersten Hälfte des vorherigen Jahrhunderts abgebrochen und in zwei Teilen in die Querschiffarmen wie Emporen aufgestellt wurde.

In den Jahren 1889 - 1894 wurde der Dom gründlich restauriert. Er wurde damals vor dem Untergang gerettet, aber mit dem Preis, daß man an ihm viele willkürliche Änderungen vornahm. Der 112 Meter hohe, vollkommen unpassende Turm an der Westseite, der Ausbau der Treppenhäuser am Chor zu den Osttürmen, die Giebel über den Querhäusern und die Orgelempore verfälschten völlig seine Erscheinung.

Aber schon bald zeigte sich, daß die Steine der Außenhaut des Turmes den Witterungseinflüssen nicht standhielten. So wurde seine Außenhaut 1955 bis 1956 vollkommen erneuert. Zugleich bemühmt man sich, die vielteilig fremde Gestalt des Turmes zu vereinfachen, was auch weitgehend gelang. Inzwischen (1939) war auch der Lettner wieder an seinen alten Platz gestellt worden, so daß das Querhaus seine ursprüngliche Größe und Weite gewann.


Lettner und Deckenbemalung


1958 wurde der Windfang an der Petritür abgerissen und durch einen modernen, gläsernen ersetzt, der sich gut dem Querschiff anpaßt. Ebenfalls bekam der Dom wegen seiner schlechten Akustik eine Beschallungsanlage, die diesen Fehler weitgehend beseitigt hat.

Ebenso, wie man bei diesen Bauten größte Rücksicht auf den Dom genommen hat, wird man sich nun bemühen, das Gebäude in keiner Weise mehr zu verändern, sondern es der Zeit entsprechend zu erhalten.

Quelle: Schleswig Januar 1959