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Im Mai 1945 war die Geschichte des Seefliegerhorstes Schleswig zu Ende. Erst 1956 zogen wieder deutsche Soldaten in die Kaserne an der Schlei ein.
Über die Jahre 1945-1956, in denen die Kaserne von zunächst englischen und später zusätzlich von norwegischen Tuppen besetzt war, habe ich leider nur sehr wenige Informationen vorliegen.

Gliederung

1. Die Engländer treffen ein (1945)
2. Die Tysklandbrigaden in Schleswig (1948)
3. Erinnerungen eines norwegischen Soldaten (1949/50)
4. Die Kaserne steht leer (1953)
5. Hinweis

1. Die Engländer treffen ein (1945)

Am 6.Mai 1945 erreichten die ersten englischen Quartiermacher der kommenden Besatzungstruppe die Schleistadt. Sie zogen in das beschlagnahmte Hotel Stadt Hamburg ein. In dem Hotel richtete die RAF ein Hauptquartier ein, die Befehle selbst kamen aus dem Hauptquartier der britischen 2. Taktischen Luftflotte in Niedersachsen. Neben dem Hotel standen ein englischer und ein deutscher Doppelposten Wache.
Am 7.Mai 1945 entschied der Kommandeur der 83.Group, das die sehr gute Kasernenanlage an der Schlei sich ausgezeichnet für das künftige Hauptquartier seiner Truppe eignete.

Es waren u.a. diese englischen Einheiten in den Caterham Barracks stationiert :

– 404 District Command Royal Engenieers (DCRE)
– Garrison Engeneers (EnBtn)
– Soldaten der RAF

Vor einiger Zeit hat sich die Britin Grania Collard bei mir gemeldet. Ihr Vater, John Trumper, war Major bei den britischen Truppen und war in den Caterham Barracks, wie die Besatzungstruppen nun den ehemaligen Seefliegerhorst nannten, stationiert. In diesen Jahren wohnte Frau Collard bei ihrem Vater in den Caterham Barracks und verbrachte somit eine Teil ihrer Kindheit auf dem Kasernengelände.
Sie hat mir die folgende Fotos zur Verfügung gestellt.

 

Caterham Barracks 1956.

Major John Trumper, der Vater von Grania Collard.

Segelfreunde. Im Hintergrund sieht man den noch heute
erhaltenen Bootshafen der Kaserne.

 

2. Die Tysklandbrigaden in Schleswig (1948)

Am 23. September 1948 wurde ein großer Teil der britischen Besatzungstruppe durch norwegische Soldaten, die zur Tysklandsbrigade gehörten, ersetzt. Auch sie werden in den Caterham Barracks stationiert.

Die Einheiten der Tysklandbrigade waren mit diesen Abteilungen in den Caterham Barracks stationiert :

– Brigadekommando
– Brigadekrankenhaus
– 3.Bataillon (ab 1949) – Tysklandbrigade (InfBrig), Homepage Tysklandbrigade (norw.),    Zusammenfassung (deutsch)

Als letzte alliierte Truppen waren die Norweger bis zum 31.März 1953 auf dem Seefliegerhorst stationiert. Ab dem 1.April 1953 erfolgte der Abzug der norwegischen Truppen in ihre Heimat. Der Rücktransport der Soldaten und die Räumung des Seefliegerhorstes dauerte bis Anfang Juli 53. Am 6.Juli 1953 hat der letzte norwegische Soldat den ehemaligen Seefliegerhorst verlassen.
Die offizielle Verabschiedung der Norweger aus Schleswig fand am 11.April 1953 auf dem Fliegerhorst Schleswig Land (Flugplatz Jagel) statt, an der u.a. der norwegische Kronprinz Olav von Norwegen teilgenommen hatte. Etwa 4000 norwegische Soldaten sowie eine dänische und britische Ehrenkompanie waren angetreten, um offiziell Abschied aus Deutschland zu nehmen.In seiner Abschiedsrede betonte Kronprinz Olav von Norwegen das gute Verhältnis der norwegischen Soldaten zur deutschen Zivilbevölkerung.
Die Norweger wurden entweder über Dänemark oder von Kiel bzw. Flensburg aus mit dem Truppentransporter „Svalbard“ in ihre Heimat transportiert.

Die norwegische Brigade auf der Freiheit feierte am Sonnabend, 18.April 1953, eine Abschiedsparty, die Oberst Finn Fougner, Kommandeur der 522.norwegischen Brigade, für die Offiziere der Garnison ausgerichtet hatte. An diesem Samstagabend leuchteten helle Feuer, die weithin sichtbar waren, auf dem Seefliegerhorst.
An dieser Feierlichkeit nahm auch der höchste alliierte Offizier in Schleswig-Holstein, Generalleutnant Christophersen, teil.

Im April 1953 veröffentlichten die Schleswiger Nachrichten einen kurzen Beitrag über den Kommandeur der auf dem Seefliegerhorst stationierten 522.norwegischen Brigade, Oberst Fougner. Im Jahr 1947 kam Oberst Fougner mit der 471.Brigade (1.norwegische Brigade 1947) als Bataillonskommandeur ins Wesergebiet. Erst 1952 wurde Fougner als Kommandeur der 522.Brigade im Seefliegerhorst stationiert. Fougner erläuterte, dass ihm die Kasernen in Deutschland sehr gefallen haben, da Norwegen nichts Vergleichbares zu bieten hatte. Ein Teil der norwegischen Soldaten, die aus Waldgebieten oder dem Gebirge kamen, mußten sich erstmal an die schleswig-holsteinischen Witterungsverhältnisse gewöhnen. Über die Tätigkeit des Deutschlandkommandos sagte Fougner : „Es war eine leichte Aufgabe und es war eine schöne Zeit.“
Norwegen entsandte insgesamt 12 Brigaden nach Deutschland, die jeweils aus Einheiten verschiedener Landesteile zusammengstellt waren. Auch Oberst Fougner konnte keine Aussage darüber machen, wie es mit dem Seefliegerhorst weitergehen wird. Er sagte : „Ich habe in der letzten Zeit viele Menschen gefragt, wer den Seefliegerhorst Schleswig belegen wird und niemand konnte mir eine Antwort geben. Wir übergeben den Horst an englische Kommandos.“
Oberst Fougner wurde in den Stab eines Infanterieregimentes in der Nähe von Oslo versetzt, die 522.Brigade wurde aufgelöst.
Der Brigadepfarrer Erling Fagerheim teilte mit, dass von Beginn des norwegischen Einsatzes in Deutschland etwa 100 Norweger deutsche Mädchen geheiratet hättet. Damit verbunden seien die arbeitsaufwändigen Vaterschaftsangelegentheiten, allein in Schleswig-Holstein lagen bis 1953 etwa 90 Fälle vor, 20-30 weitere seien noch zu erwarten.

3. Erinnerungen eines norwegischen Soldaten (1949/50)

Als Angehöriger der Tysklandbrigade kam der norwegische Soldat Henry Antonsen im Februar 1949 nach Schleswig. Antonsen hat mir seine Erlebnisse aus seiner Soldatenzeit in Schleswig erzählt. Nachdem er diesen Text nochmals Korrektur gelesen hat, gebe ich nun an dieser Stelle seine Erinnerungen wieder.

Henry Antonsen wurde im Jahre 1927 in dem norwegischen Ort Vikholmen auf der Insel Hugla, Kommune Nesna, geboren und ist dort aufgewachsen. Im Rahmen seines Wehrdienstes wurde er in der norwegischen Kaserne Jørstadmoen in der Nähe von Lillehammer zum Funker ausgebildet. Eigentlich hätte Antonsen als Funker mit einer Funkertruppe nach Flensburg kommen sollen. Da aber bei einer anderen Einheit, dem Brigadekommando, seinerzeit höherqualifiziertes Personal gesucht wurde, wurde Antonsen aufgrund seines Abschlusses an der Höheren Handelsschule an das Brigadekommando abgestellt.

Die Überfahrt nach Deutschland verlief in Etappen. Zunächst wurden die Angehörigen des Brigadekommandos der Brigade 491, also der 1.Brigade, die 1949 nach Deutschland kam, mit der Fähre von Oslo nach Frederikshavn in Dänemark transportiert. Die Fahrt begann nachmittags, am Vormittag des nächsten Tages erreichte die Fähre Frederikshavn. Von dort ging die Reise in Bussen weiter über Århus nach Flensburg. In Århus wurden die Soldaten bei einem Zwischenstopp mit Verpflegung ausgestattet. Von Flensburg aus ging es mit LKW-Truppentransportern weiter nach Schleswig, wo die Soldaten spät am Abend die Caterham Barracks bezogen.
Die regulären Soldaten der Brig.491 wurden mit einem Schiff, dem Truppentransporter „Svalbard“, nach Deutschland gebracht.

Untergebracht waren die Soldaten des BrigKo. in den Unterkunftsblöcken Nr.2 und Nr.4. In den gegenüberliegenden Blöcken Nr.1 und Nr.3 waren zu diesem Zeitpunkt englische Soldaten („Royal Singles“, Funkeinheit) untergebracht.
Während die Soldaten in Norwegen in alten Barracken untergebracht waren, beschreibt Antonsen die Ausstattung der deutschen Kaserne als „wie in einem Hotel“. In Norwegen waren bis zu 16 Mann auf einer Stube, in Schleswig war Antonsen mit lediglich zwei weiteren Soldaten in einem Zimmer untergebracht.
Die ersten 14 Tage nach der Ankunft durften die Soldaten das Kasernengelände nicht verlassen. Nach dieser Ausgangssperre hatten die Soldaten die Möglichkeit, sich im Rahmen ihrer Freizeit im Stadtgebiet frei zu bewegen, allerdings war es ihnen aufgrund des Fraternisierungsverbotes untersagt, deutsche Privathäuser zu betreten.

Da Antonsen nur selten den östlich gelegenen Kasernenbereich betreten kann, kann er über dieses Areal leider keine Angaben machen. Aber er erinnert sich, dass die Mannschaftsblöcke Nr.5 bis Nr.8 ebenfalls von norwegischen Offizieren belegt waren, die auf der Durchreise in Schleswig waren. Nach einem kurzen Aufenthalt in den Caterham Barracks wurden diese Befehlshaber weiter verlegt.

Der Korporal Antonsen verrichtete seine Arbeit als Zahlmeister beim Brigadekommando in Block Nr.43. In diesem Gebäude hatten neben den Norwegern auch die Engländer ihre Büros. Zudem arbeiteten dort auch deutsche Angestellte. Chef der Brigade 491 war der Oberst Odd Lindbäck-Larsen. In Schleswig war neben der Verwaltung der Brigade 491 auch das Brigadelazarett (Block Nr.70) der Einheit untergebracht, während die Sanitätskompanie in Rendsburg stationiert war.

Im Oktober 1949 wurde das 3.InfBtl. der Brigade 492 von Itzehoe nach Schleswig in die Caterham Barracks verlegt. Mit dieser Verlegung kamen nun auch Soldaten der unteren Dienstränge nach Schleswig, wo bisher nur die Spezialabteilungen stationiert waren. Das 1.InfBtl. lag zu diesem Zeitpunkt in Flensburg und das 2 InfBtl. in Husum.

Versorgt wurden die Soldaten von der norwegischen Kantine, die in Gebäude Nr.33 eingerichtet war. Dort hatten die Soldaten zudem die Möglichkeit, einige Genußmittel wie z.B. Schokolade, Tabak oder Bier zu kaufen. Hochprozentiger Alkohol wurde nur an Offiziere in der Messe ausgeschenkt, mitnehmen in die Unterkunftsgebäude durfte man allerdings nichts hochprozentiges. Bezahlt wurde mit dem britischen Militär-Kantinengeld BAFSV (British Armed Forces Special Vouchers).
Während der Sold in Norwegen in Kronen ausgezahlt wurde, erhielten die Soldaten in Schleswig Shilling BAFSV. Antonsen verdiente als Corporal beim Brigadekommando 3,5 Shilling BAFSV am Tag. Für 1,5 Shilling bekamen die Soldaten 1 DM. Das Geld wurde aber selten direkt umgetauscht. Die meisten Soldaten kauften in der Brigadekantine amerikanische, englische oder norwegische Zigaretten. Der Preis für 20 Zigaretten lag bei etwa 1 Shilling BAFSV. Diese Zigaretten verkauften die Soldaten an die Deutschen, überwiegend an deutsche Gastwirtschaften. Gefragt waren neben den norwegischen Zigaretten („Blue Master“) auch die amerikanischen, für die ca. 1,50 DM pro Paket bezahlt wurde. Von dem Erlös kauften sich viele norwegische Soldaten Fotoapparate (hauptsächlich Leika) und Armbanduhren.

Im Verlauf der Jahres 1949 endete Antonsens Wehrpflicht und er hätte die Möglichkeit gehabt, nach Norwegen zurückzufahren. Da er jedoch über eine gefragte Ausbildung verfügte und spezielle Kenntnisse von den Verwaltungsabläufen des Brigadekommandos hatte, hat sein Vorgesetzter ihm das Abgebot gemacht, ihn als Sergeant mit deutlich besserer Bezahlung einzustellen. Antonsen nahm das Angebot an und blieb in Schleswig beim Brigadekommando als Kassierer.

 

Das junge Paar Frieda Dendtler und
der Korporal des BrigKo. der Brig.491 Henry Antonsen.
Antonsen hatte die Soldatennummer 18440.

 

In ihrer Freizeit gingen die Soldaten meistens durch die Fischbrückstraße über den Rathausplatz in die Innenstadt. Auf seinem Weg durch die Fischbrückstraße trat eines Tages ein Ereignis ein, dass Antonsens weiteren Lebensweg verändern sollte. Vor dem Haus in der Fischbrückstraße Nr.5 stand eine junge Frau, die die Aufmerksamkeit des jungen Antonsen auf sich zog. An diesem Tag lernte Antonsen – er verfügte bereits über einige Kenntnisse der deutschen Sprache – seine zukünftige Ehefrau kennen, die später mit ihm nach Norwegen ging und bis heute den Lebensabend mit ihm verbringt. Mit der jungen Frieda Dendtler, Jahrgang 1931, hat Antonsen immer häufiger seine Freizeit verbracht.
Das junge Paar verbrachten ihre gemeinsamen Abende u.a. in der Schleihalle sowie im großen Baumhof am Gallberg. Während die Schleihalle nur von englichen und norwegischen Soldaten höherer Dienstgrade betreten werden durfte, war der große Baumhof vor alle Dienstgrade frei zugänglich. Antonsen und Dendtler können sich gut an die Tanzabende im großen Baumhof erinnnern, die jeweils mittwochs uns samstags veranstaltet wurden.

Eine besondere Stellung hatte das dänische Slesvighus im Lollfuß. Offiziell durfte dieses Lokalität nicht von englischen und norwegischen Truppenangehörigen betreten werden um zu verhindern, dass sie sich mit den Dänen „verbrüdern“. Diese Gefahr bestand insbesondere bei den Norwegern aufgrund der ähnlichen Spache. An dieses Verbot hielten sich aber nur wenige Soldaten. Das Slevighus wurde von den Soldaten besucht, die Dänen haben den Eintritt auch nicht kontrolliert oder untersagt. Dieses Lokal wurde aber auch regelmäßig von der norwegischen Militärpolizei, die in einem Nebengebäude des heutigen Oberlandesgerichtes an der Gottorfstraße stationiert war, aufgesucht. Bei einer solchen Razzia wurden die Soldaten blitzschnell in den Nebenräumen des Slevighus versteckt.
Im Hotel „Stadt Hamburg“ unterhielten die Engländer ihren eigenen Club. Die räumliche Nähe zum Slesvighus, das auch von Soldaten des 3.InfBtl. der Brigade 492 besucht wurde, sorgte häufig für Auseinandersetzungen und Schlägereien zwischen den norwegischen und englischen Soldaten.

Eine Brigadeperiode dauerte 6 Monate, danach fuhr die Brigade zurück nach Norwegen und wurde durch eine nachfolgende Brigade ersetzt. So kamen pro Jahr zwei Brigaden nach Deutschland. Für die Brigade 491 endete die Periode im Sommer 1949, zum Abschluß gab es in der Kaserne eine Abschiedsfeier, an der auch deutsche Mädchen teilnehmen durften. Der Brigadechef Linbäck-Larsen genehmigte diese Feierlichkeit unter der Bedingung, dass er auch eingeladen werden würde. Tatsächlich besuchte Lindbäck-Larsen die Feier, allerdings nur kurz.

Im September 1949 wurde beim Intendanten der Tysklandbrigade in Rendburg eine Stelle als Kassierer frei, auf die sich der Sergeant Antonsen erfolgreich beworben hat. Zu diesem Zeitpunkt lag der Generalstab der Tysklandbrigaden in Neumünster. Die Intendantur wurde kurze Zeit später von Rendsburg nach Neumünster verlegt. Im Anschluß zog der Intendant zusammen mit dem Genaralstab von Neumünster nach Rendsburg.

Im Mai 1950 haben Henry Antonsen und Dendtler in Schleswig geheiratet, zunächst standesamtlich im Rathaus, anschließend erfolgte die kirchliche Trauung im Dom. Bevor die Trauung vollzogen werden konnte, mußte der Oberlandesgerichtspräsident die schriftliche Heiratserlaubnis ausstellen. Das Brigadekommando duldete die Heirat, in Schleswig haben auch noch andere norwegische Soldaten deutsche Frauen geheiratet. Am 1.Juli 1950 trat das junge Ehepaar die gemeinsame Fahrt nach Norwegen an. Zunächst reisten sie mit dem Zug nach Frederikshavn um dann mit der Fähre nach Oslo überzusetzten.Die Familie Dendtlers riet ihrer Tochter davon ab, mit nach Norwegen zu gehen.

 

Das Ehepaar im März 2010.

 

Seit dem Erreichen des Rentenalters hat das Ehepaar Antonsen/Dendtler neben ihrem Wohnsitz in Norwegen auch eine Ferienwohnung in Schleswig, in der sie jährlich zwei bis drei Wintermonate verbringen.
Bei Frau Dendtler und Herrn Antonsen bedanke ich mich nochmals für die Auskünfte und die Erlaubnis, die persönlichen Erinnerungen hier veröffentlichen zu dürfen.

4. Die Kaserne steht leer (1953)

Mit dem Beginn des Abzugs der Norweger vom Seefliegerhorst wurde auch den Arbeitnehmern, die bis dahin auf dem Horst im Dienst der Allierten standen, zum 31.März 1953 gekündigt. Es handelte sich um etwa 500 hochqualifizierte Arbeiter und Angestellte, die z.T. schon zehn bis fünfzehn Jahre auf der Freiheit gearbeitet haben. Diese Arbeitnehmer wurden in die Arbeitslosigkeit entlassen, damit war natürlich auch eine Minderung der Kauf- und Steuerkraft für die Stadt Schleswig verbunden.
Die Möglichkeit eines neuen Arbeitsplatzes bot die Schleswiger Zuckerfabrik, mit dessen Bau unmittelbar nach Freigabe des östlichen Kasernengeländes durch die Norweger Mitte April 1953 begonnen wurde. Dieser Bereich des Horstes war mit einer Seeflugzeug-Werkstatthalle bebaut, diese Halle wurde Teil der neuen Zuckerfabrik.

Der Betriebsrat des Seefliegerhorstes wandte sich mit einer Resolution an den Ministerpräsidenten Lübke, um den Abbau der 500 Arbeitsplätze zu verhindern. Aber die Zukunft des Horstes war ungewiß, fest stand nur der Abzug der norwegischen Brigade. Weder der zusätzlich vom Betriebsrat in Kenntnis gesetzte Landrat noch der Bürgermeister Lorenzen konnten in dieser Sache eine Änderung bewirken, der Bürgermeister versprach aber dem Betriebsrat, sich für den Erhalt des ehemaligen Seefliegerhorstes als Großarbeitsplatz einzusetzten.
Nach dem Abzug der letzten Norweger im Juli 1953 stand der Horst bis zum Einzug der ersten Bundeswehreinheiten 1956 leer. In dieser Zeit wurde der Seefliegerhorst von der englischen Dienststelle GE North verwaltet. Von den ehemals 500 Arbeitnehmern des Horstes war in diesem Zeitraum nur eine kleine Mannschaft weiterbeschäftigt, um sich um die Bewachung der Anlage sowie um die dringlichsten Unterhaltungsarbeiten zu kümmern.

Anscheinend konnte keine Dienstelle Angaben zur weiteren Nutzung des Seefliegerhorstes machen. Dieser Sachverhalt gab den Schleswiger Nachrichten Anlaß zu den verschiedensten Spekulationen :

– Nachnutzung des Horstes durch britische Truppen, die in Jagel stationiert sind und auf der Freiheit wohnen
– Nutzung der weiträumigen Anlage durch „andere Einrichtungen“
– Stilllegung der „Freiheit“ um dadurch die Rückgabe beschlagnahmten Privatgrundbesitzes und des Finanzamtes zu erreichen
– Unterbringung von Ostzonen-Flüchtlingen im Seefliegerhorst (Einrichtung eines Flüchtlingslager)

Mit der Gründung der Bundeswehr war eine erneute militärische Nutzung des ehemaligen Seefliegerhorstes als Kaserne möglich.

Im Juli und August 1956 trafen die ersten 30 Soldaten unter der Führung von Oberst Wolf von der damaligen Panzerkampfgruppe B3 in dem ehemaligen Seefliegerhorst ein. Stationiert waren sie zunächst im Block 6. Sie begannen mit den Vorbereitungen für die Aufnahme derjenigen Einheiten, für die Schleswig als Standort vorgesehen war. Als offizieller Tag für die neue Garnison kann der 16.07.1956 gelten.
Da es noch keine Truppenküche gab, war das Vorauskommando auf Selbstverpflegung angewiesen, diese wurde vom Restaurant Hohenzollern bezogen.

5. Hinweis

In den „Beiträgen zur Schleswiger Stadtgeschichte“ Nr.53/2008 versuchte der Schleswiger Briefmarken- und Postkartensammler Karl Rathjen einen Bericht über die Kaserne an der Schlei zu verfassen.
Unter dem Titel „70 Jahre Kaserne auf der Freiheit“ hat er leider auch einige Falschangaben veröffentlicht. So heißt es in seinen Ausführungen u.a. : „von 1946 an wurden zunächst englische Besatzungstruppen in den Kasernen stationiert.“ Tatsächlich zogen bereits im Mai 1945 die ersten englischen Truppen in den ehemaligen Seefliegerhorst ein.

Weiter behauptet Rathjen, dass der ehem. Seefliegerhorst nun als „Chatterham Barracks“ bezeichnet wurde. Der tatsächlich Name der Kasernenanlage war „Caterham Barracks“, in Anlehnung an die englische Garnisonstadt Caterham.

Quellen : Kriegs-Chronik der Stadt Schleswig, Ernst Petersen
Schleswig – Stunde Null, Die ersten fünf Tage danach, Alex Herz
(Ins Deutsche übersetztes Tagebuch des RAF-Vorkommandos der 2nd Tactical Air Force)
Deine Garnison Schleswig, Teil II, 1972
Grania Collard, noch einmal vielen Dank für die Fotos.
Militärgeschichtliches Forschungsamt (MGFA) Potsdam
Schleswiger Nachrichten 31.01.1953, 17.02.53, 21.02.53, 31.03.53, 09.04.53, 13.04.53, 20.04.53, 25.04.53, 03.07.53

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