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Der Schleswiger Rathausmarkt wurde in dem Zeitraum von Frühsommer bis Dezember 1982 umgestaltet und neu gepflastert. Bis dahin diente der Marktplatz als „wilder“ Parkplatz und war als eigentlicher Marktplatz nicht zu verwenden.
Die Archäologen nutzen die Arbeiten am Marktplatz um eine begrenzte Ausgrabung durchzuführen, bei der nicht nur Fundamentreste eines Gebäudes gefunden wurden, sondern auch eine Vielzahl von Holzsärgen und einige Steingräber. Weiterhin haben die Archäologen einige Meter der alten Wasserleitung aus Kiefernholz, den sogenannten „Pfeifenbaum“ oder „Piepenbom“ freigelegt.
Die oben erwähnten Funde waren keine Überraschung für die Archäologen, denn bereits im Jahr 1935 wurden bei der Verlegung einer Wasserleitung von der Töpferstraße über den Marktplatz zur Hunnenstraße hin nicht nur das Fundament gefunden, sondern auch viele tierische und menschliche Knochen sowie mehrere Holzsärge.
Vor der alten Apotheke stießen die Arbeiter 1935 in einer Tiefe von 0,75m auf eine Schicht schwarzer Moorerde, in der nicht nur Knochenreste von Haustieren, sondern auch ein altes kiefernes Wasserleitungsrohr, ein „Pfeifenbaum“, gefunden wurde. Diese hölzerne Leitung hatte die Apotheke einst mit Wasser versorgt. Angelegt wurde die Holzwasserleitung zu Beginn des 16.Jahrhunderts, erst in den Jahre 1857/58 hat man sie durch eine gußeiserne Leitung ersetzt.
Aufgrund dieser Funde wurde der Leitungsgraben erweitert um eine eingehende Bodenuntersuchung durchzuführen.
Über die Sargfunde schrieb der Schleswiger Museumsleiter Hans Röper 1935 in den Schleswiger Nachrichten :

Der Boden wurde moorig und bei einer Tiefe von 3,30m unter der Straßenoberkante wurde bei +3,15m die aus gelben Kies bestehende Sohle erreicht. Nach sorgfältiger Freilegung der Holzreste wurden diese als Teile von Särgen erkannt. Die Skelette waren im Moorgrund außerordentlich gut erhalten, der erste gefundene Schädel hatte noch Haupt- und Barthaare und wies zudem einen heftigen Schwerthieb auf der Schädeldecke auf.

Weiter schrieb Röper :

Die Form der Särge deutete auf eine Bestattung im 12. bzw. 13.Jahrhundert hin. Alle Skelette waren mit dem Kopf im Westen und mit den Füßen nach Osten ausgerichtet. Nach christlicher Bestattungsweise enthielten die Särge keine Beigaben, nur einem Toten hatte man eine Fußfessel am linken Fuß belassen, deren Schlüssel vermutlich verloren gegangen war.
Die Särge waren zum Teil aus Eichenholz, durch schmiedeeiserne Nägel zusammengehalten, ohne Verzierung und einfachen Bohlen zusammengesetzt. In den tieferen Lagen hatten sich die Skelette teilweise noch mit Fleisch- und Stoffresten erhalten. Der Tote mit der Fußfessel wurde an den fehlenden Weisheitszähnen als sehr jugendlich erkannt.
In einem weiter geborgenem Sarge lag ein Mann im mittleren Alter zusammen mit zwei Kopfresten von Kindern. Eine völlige Deutung dieser Bestattung kann noch nicht gegeben werden.

Bei der Grabung im Sommer 1982 wurden über 200 Holzsärge geborgen, vereinzelte Tuffstein- und Backsteingräber konnten ebenfalls freigelegt werden. Eine Besonderheit bildeten die Kinderbestattungen, die nach Angaben des Grabungsleiters Dr.Vogel anderorts selten zu finden sind. Der relative gute Erhaltungszustand der Särge und Skelette ist darauf zurückzuführen, dass nach der Aufgabe des Friedhofes Anfang des 13.Jahrhunderts dort ein (Vieh-)Marktplatz eingerichtet worden ist. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs auf dem Marktplatz eine solide Dungschicht, die eine konservierende Wirkung hatte. Weitehin haben die Menschen seinerzeit ihren Unrat in unmittelbarer Nähe ihrer Häuser gelagert, eine Müllabfuhr war noch unbekannt. Diese „Schmutzschicht“ wird auch als Kulturboden bezeichnet und setzt sich aus Humus, Mist, Fäkalien, Steinen und Holzresten zusammen.

Das bereits 1935 gefundene und 1982 wieder freigelegte Feldsteinfundament gehört zu einem Steingebäude, das schon im Jahr 1091 bestanden haben muss und somit das älteste Steingebäude Schleswigs war (nach heutigen Stand). Das Fundament liegt gegenüber des Apothekerganges in einer Tiefe von etwa 3m unter dem Rathausmarkt. Es ist in Nord-Süd-Richtung ausgerichtet und hat eine Mauerdicke von bis zu 1,50m. Die Breite des Fundamentes beträgt etwa 10m, die Länge ist unbekannt. Aufgrund von Keramikscherben, die über dem Fundament gefunden wurden, vermuten die Wissenschaftler, dass das Gebäude im 13.Jahrhundert abgebrochen wurde. 1935 wurden bei der Freilegung des Fundamentes zahlreiche Brandspuren entdeckt, so dass das Gebäude, von dem angenommen wird, dass es sich um eine Kirche gehandelt hat, möglicherweise auch einem Brand zum Opfer gefallen sein könnte.

Bis heute ist nicht bekannt, um welche Kirche es sich gehandelt hat, die Historiker konnten keinen schriftlichen Hinweise auf die Existenz dieser Kirche finden. Der Museumsleiter Hans Röper vermutete 1935, dass es möglicherweise um die Kirche St.Olaf handeln könnte. Der heilige Olaf wurde 1164 zum Schutzpatron Norwegens erhoben. Schon während der Wikingerzeit waren in Haithabu eine große Anzahl Norweger und Schweden ansässig. Röper vermutete, dass nach der endgültigen Zerstörung Haithabus die bis dahin dort lebenden skandinavischen Händler an das Nordufer der Schlei umgesiedelt sind und sich eine Kirche, die Olafskirche, errichtet haben.
Auch die Untersuchungen von 1982 konnten nicht klären, um welche Kirche es sich gehandelt hat. Der Archäologe Dr.Vogel vermutete aber ebenfalls, dass es sich um eine Kirche von Kaufleuten gehandelt haben könnte. Diese Kaufmannskirchen wurden im Mittelalter in Fernhandelsstädten von Händlern verschiedener Nationalitäten errichtet und ihrem Schutzpatron geweiht. Sie dienten u.a. auch der sicheren Unterbringung von wertvollen Handelsgütern.

Ein interessierter Schleswiger hat die Grabung von 1982 im Bild festgehalten. Diese Fotos wurden der „alten-schleihalle“ zur Verfügung gestellt, darum kann nun hier die Fotodokumentation veröffentlicht werden. Wer dieser Seite ebenfalls noch Bildmaterial von Ausgrabungen oder Bauprojekten zur Verfügung stellen möchte, darf uns gerne kontaktieren.


Der Rathausmarkt vor der Sanierung im April 1982 – eine große Parkfläche.

 


Im Hintergrund die Neubebauung des Schildes.
April 1982

 


Die Sanierung hat begonnen.
Juni 1982

 


Das alte Straßenpflaster wird aufgerissen.
Juni 1982

 


Das Feldsteinfundament, das schon 1935 gefunden wurde.
August 1982

 


Ein Stück des „Pfeifenbaum“ (Piepenbom), der alten kiefernen
Wasserleitung der Altstadt.
August 1982

 


Das Feldsteinfundament.

 


Die Mauerdicke beträgt bis zu 1,50m.
August 1982

 


In der Erde liegen Holzsärge, links im Bild Knochen.
August 1982

 


Blick auf das Rathaus.
August 1982

 


Es wurden auch vereinzelte Ziegelsteingräber gefunden.
August 1982

 


Ein Ziegelsteingrab. Diese Gräber hatten weder Boden noch Deckel.
Links in dem „Vorsprung“ lag der Kopf.
August 1982

 


Der Rathausmarkt im August 1982.

 


Das Feldsteinfundament.
August 1982

 


Archäologen bei der Arbeit
September 1982

 


Hier wird der Brunnen gebaut.
September 1982

 

Eine weitere Bilderserie wurde in Farbe aufgenommen.


Das Baustellenschild.

 


Die Baustelle.

 


Blick vom Rathaus.

 


Archäologen legen das Fundament frei.

 


Das Fundament.

 


Querschnitt durch einen Holzsarg in der Erde.

 


Freigelegte Holzsärge.

 


Unter dem Rathausmarkt befindet sich ein Gräberfeld.

 


Weitere Särge werden freigelegt.

 


Ein geborgenes Skelett.

 


Holzsarg.

 


Die Neupflasterung ist schon zu erkennen.

 


Die Einweihung des neu gestalteten Rathausmarktes
durch Bürgermeister Heinz Bartheidel.
04.12.1982

 


Die Einweihung des Rathausmarktes.
04.Dezember 1982

 


Der Brunnen wurde von dem Künstler Siegbert Amler aus Glücksburg entworfen.
Von Amler stammen u.a. auch das Mahnmal auf dem Karberg sowie der Brunnen
vor dem Polizeigebäude.
Den 75000 DM teuren Brunnen hat die Firma SAW der Stadt Schleswig gespendet.

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