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Wenn von der „Freiheit“ oder „Auf der Freiheit“ gesprochen wird, denkt man als erstes an die ehemalige Kaserne und an den neuen Stadtteil, der dort entstehen soll.
Leider stand die Freiheit seit dem Bau der Kaserne ab 1935 nicht mehr für eine zivile, bürgerliche Nutzung zur Verfügung, obwohl dieses Gelände seit Jahrhunderten von der Bevölkerung für die unterschiedlichsten Aktivitäten verwendet wurde.
Die Freiheit hatte im Verlauf der Jahrhunderte ganz verschiedene Verwendung : Begräbnisort für Pestkranke, Fest- und Schießplatz, Hinrichtungsstätte, Sportplatz, Schrebergärten, Badeanstalt, Fabrikgelände, Radrennplatz und Fähranleger.

Gliederung

1. Militär, Pest und Schützenfeste
2. Jahrmarkt auf der Freiheit
3. Hinrichtungen
4. Fähre und Brücke nach Fahrdorf
4a. Das Fährhaus
5. Die Industrie auf der Freiheit
6. Badeanstalt und Sportanlagen

 

1. Militär, Pest und Schützenfeste

 

Die unbewohnte Freiheit diente seit jeher als Übungsplatz der in Schleswig stationierten Militäreinheiten.
So wurde z.B. im Jahre 1604 „von der waffenfähigen Bürgerschaft eine große Musterung mit anschließenden Übungen abgehalten.“
Damals waren versammelt : 28 Glieder Hakenschützen oder solche mit langen Büchsen, 14 Glieder mit Rüstungen und langen Spießen, 30 Glieder mit Hallebarden und Spießen und 3 Glieder mit Schlagschwertern und Panzern, also zusammen 75 Glieder a 3 Mann, im Ganzen also 225 Bewaffnete. Nach der Musterung wurden etwa 3 Stunden lang die „Waffen gegeneinander geführt, welches lustig anzuseen gewesen.“
Im Jahre 1628, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde von lüneburgischen Truppen unter „zwangsweiser Mithilfe Einheimischer“ eine Sternschanze errichtet. Diese Schanze war eine durch Pfahlwerk verstärkte Befestigungsanlage.
Im Laufe der Jahrzehnte wurden immer wieder Schanzanlagen auf der Freiheit errichtet, wenn auch nur zu Übungszwecken. So geschehen im Jahr 1819, als von Schleswiger Infanterie-Einheiten eine Schanze zu Ausbildungszwecken errichtet wurde.

Die Stadtfreiheit wurde seit seiner Aufstellung im Jahre 1866 von dem Husarenregiment 16, das im Schloß Gottorf stationiert war, als Reitplatz verwendet.
So schreibt August Reimers in seinem Werk über das Husarenregiment 16 :
Alltäglich wurde ausgiebig geritten auf der „Stadtfreiheit“, was im Winter besonders schwierig war. An ganz unwirtlichen Tagen hatten die Pferde Ruhe oder wurden nur kurz bewegt. Doppelt stramm wurde an solchen Tagen Fußdienst gemacht. Die rheinischen Husaren waren zunächst auf den nordischen Winter recht erbost.
Die Stadtfreiheit verwandelte sich entweder in ein Meer von zähem Schlamm oder in eisharten Boden. Der Sturm fegte über die Schlei um ihre Köpfe und trieb Schnee, Hagel und Graupel in ihr Gesicht. Nach dem Reiten bedurfte es oft stundenlanger Arbeit, um die Pferde wieder trocken zu bekommen.

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Auschnitt aus der Karte Schlewig im XII. und XIII. Jhd.

Auf der obigen Karte ist ein „vallum magnum“ (großer Wall) eingezeichnet, der lt. Sach zu der alten Stadtbefestigung gehört hat. Direkt neben dem Wall ist ein Landwehr eingetragen. An dieser Stelle soll der Sage nach 1154 das „Alte Schloß“ gestanden haben, für dessen Existenz es aber keine eindeutigen Beweise gibt.

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Ausschnitt aus der Karte Schleswig 1823 von Schröder

Obwohl ein eindeutiger Beweises für die Existenz des Schlosses fehlt, hat v. Schröder das Alte Schloß auf seiner Karte von 1823 eingetragen. Angedeutet ist ebenfalls der vallum magnum. Wahrscheinlicher ist aber, das an der Stelle des Schlosses eine Anlage vorhanden war, die der Verteidigung des Hafens gedient habe (Sach).
1710 bat die Schützengilde den Herzog, ihnen die Freiheit als Schützenkoppel einzuräumen. Der Herzog gewährte der Gilde diesen Wunsch, aber eine Nutzung war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, weil die Freiheit „mit dem Unrat der Abdeckerei dergestalt beworfen lieget, daß er nicht genützt werden kann.“ (Philippsen)
Zu jener Zeit betrieb der städtische Frohn, welchem das letzte Grundstück in der Norderholmstraße gehörte, eine Abdeckerei auf der Freiheit.
Weiter schreibt Philippsen darüber folgendes:
„Längere Zeit war außerdem die Benutzung der Freiheit als Schieß- und Festplatz unmöglich, da sie „vom Kloster an bis zm Wasser“ mit „verdorrten Knochen beschmießen war“, für deren Wegschaffung dem Frohn 4 Thl. gezahlt wurden. Das geschah erst im Jahr 1736, von wann ab die Freiheit der Altstädter Schützengilde für ihre Schießübungen ungehindert zur Verfügung gestanden hat“. In der Nähe des goßen Walles lag ein viereckiger Platz, der von Gräben und Wällen umgeben war. Dieser Platz ist der Rest der 1628 von lüneburgischen Truppen errichteten Sternschanze.
Im Jahr 1712, als die Pest in Schleswig ihren Höhepunkt erreichte, diente der Platz als Pestkirchhof (Pestschanze), wo die an der Pest verstorbenen Einwohner begraben wurden.

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Die Freiheit auf einer Karte von 1926

Auf der Karte aus dem Jahr 1926 erkennt man das Fabrikgebäude und das Fährhaus. Nach Philippsen war die Sternschanze in einem Bereich zwischen der Fabrik und dem Fährhaus. Aber schon vor der Pest von 1712 wurde die Freiheit als Begräbnisstätte benutzt. So schreibet Philippsen, daß bereits im Jahr 1711 viele Skelettreste auf der Freiheit gefunden wurden, die vermutlich auf die Pestepedemie von 1628 zurückzuführen sind.
Offensichtlich wurde die Freiheit im Laufe der Zeit immer wieder als Begräbnisstätte verwendet.
Welche Kosten die Beerdigung von Pest-Toten verursachte, ist aus einer Kämmereirechnung von 1712 ersichtlich:

1. An Eggert Alberts, so bei Eingrabung des neuen Kirchhofes auf der Freiheit verunkostet : 2 M, 1 Schilling
2. Die Eingrabung dieses Kirchhofes hat Joh. Adolf Potthoft beschaffet, so gekostet : 84 M
3. An Henning Hilbert vor geliefertes Laken zu den Röcken der Totengräber : 96 M, 13 Schilling
4. An den Stadtvogt Jordt vor ein Bett zum itzigen Pestbarbier, weil das vorige Bett verbrannt ist : 17 M, 4 Schilling
5. An den Gerichtsdiener Christoffer Mushack vor seine Aufwartung bei Vernagelung der Häuser, Verbrennung der Güter und sonsten : 21 M
6. An denen 5 Totenträger jeden Monat 5 Thl. bis 10.Januar 1713 125 Thl., weil aber des einen Totenträger, so gestorben, Stelle 1 Monat ledig gestanden: 360 M
7. An 2 Leichenfrauen, jeden monatlich 5 Thl. bis 10.Januar 1713 : 135 M
8. Vor Speisung der Totenträger, Frauen und 2 Kinder : 577 M, 7 Schil.
9. Verbrennung Detlef Koch´s Güter : 13 Schil.
10. Vor Kalk zum Ausweißen der eröffneten Häuser : 1 M, 14 Schil.
11. Ausgabe zur Verpflegung der Personen im Quarantain-Hause rund : 190 M
12. Ausgabe an die in den versperrten Häusern vorhandenen Personen rund : 344 M
darunterallein für Peter Koch, der nebst seiner Frau und 2 Kindern vom 9.August bis 22. November 1712 versperrt gewesen,
täglich 1 M, im Ganzen 106 M

Die Freiheit wurde aber von den Schleswiger Einwohnern aber auch für angenehme Aktivitätet genutzt.
So hat z.B. die Schützengilde seit Jahrhunderten auf der Freiheit ihr Vogelschießen abgehalten. Weiterhin wurden auch sonstige „Belustigungen von der Einwohnerschaft veranstaltet“, wie z.B. das Scheibenschießen.

 

 

2. Jahrmarkt auf der Freiheit

 

Das größte Fest seiner Zeit waren die Feierlichkeiten zur Hochzeit des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich VI. von Dänemark mit der Tochter des Landgrafen Maria Sophie Friederike. Die Feierlichkeiten begannen am 12. Juli 1790 auf dem Schloß Gottorf und dauerten mit Unterbrechungen bis zum 10.September 1790.
Die Vermählung des Kronprinzen mit der Prinzeß Maria fand am 31.Juli in der Schloßkirche statt. Es folgten verschieden Bälle und andere festliche Veranstaltungen. Am 4.August fand auf der Freiheit ein Jahrmarkt statt, „welcher aber verunglückte, weil die Herrschaft mit ihrer Verhöhung niederbrachen, also wurde es als den 7.August noch mal gemacht.“ (Philipsen)
Am 4.August haben die Tischler-, Schneider- und Schustergesellen für ihre Bemühungen auf der Freiheit einen Ball vom Magistrat auf dem Rathause gekriegt, ebenso auch die Schmiedegesellen einen Ball auf ihrer Herberge.
Der Jahrmarkt wurde am 7.August nochmals veranstaltet, insgesamt haben 54 Mann, Musiker und Bierfiedler, für die Unterhaltung der Herrschaft gesorgt.
Die Holmer Fischer trugen zu diesem Anlaß ein „wohlklingendes Lied mit der Wiederholung: Doch Friedrich tat den schönsten Fang, er fischte weg die Marie“ vor.

 


3. Hinrichtungen

 

Aber die Freiheit wurde nicht nur als Begräbnis- und Schießplatz benutzt, sondern auch für Hinrichtungen. Das „Hochgericht“ hatte mehrere Stätten im Stadtgebiet. In erster Linie diente dafür der „Große Markt“ (Rathausmarkt) noch im Jahr 1621, aber auch zwei Plätze in der Nähe des Stadtfeldes wurden dafür benutzt. Auf der Freiheit wurde 1684 vom dänischen Militär der „Quartiersgalgen“ auf Stadtkosten errichtet. Wann dieser Galgen abgebaut wurde, ist nicht bekannt.

 

Am 27.Februar 1857 fand die letzte Hinrichtung in Schleswig auf der Freiheit statt. Hingerichtet wurde dort der Maurergeselle Höga wegen Mordes an seiner Frau. Ausgeführt wurde diese Hinrichtung von einem Rendsburger Scharfrichter.
Zum 70.Jahrestag der Hinrichtung in Schleswig auf der „großen Freiheit“ erschien in den Schleswiger Nachrichten 1927 ein Augenzeugenbericht von Dr. Friedrich Augustinh über diesen Vorgang. Augustinh, zu jener Zeit Domschüler, berichtete :
Im Juli 1855 hatte ein Maurergeselle (in Schleswig ?) seine Frau ermordet. Auch er wurde zum Tode auf dem Rade verurteilt, aber dann,..,zur Hinrichtung durch das Beil begnadigt.
Es war ein trüber und kalter Wintertag. Lehrer und Schüler, die diesem schaurigen Akte beiwohnen wollten, wurden vom Unterricht dispendiert. Nach einer Schätzung, wie sie damals im „Schleswiger Intelligenzblatt“ angegeben war, sollen über 5000 Menschen, meistens Frauen, das Schafott umstanden haben.
Dieses bestand aus einem etwa 3 Meter hohen Gerüst, auf dem ein etwa 16 Quadratmeter großes Podium ruhte, das mit einer offenen Einfassung versehen war. Eine bequeme Treppe mit Geländer führte zu dem Podium hinauf, auf dem der Block stand. Neben demselben, unter einem roten Tuch, befand sich das verhängnisvolle Beil.
Der Scharfrichter und zwei Henkersknechte erwarteten da oben die Ankunft des Delinquenten.
Als die Uhr des St. Johannisklosters zehn schlug, durchbrach ein rotangestrichener Leiterwagen die militärische Absperrungskette, die in einer Entfernung von etwa fünf Metern vom Fuße des Schafotts Aufstellung genommen hatte.
Auf diesem Wagen, rückwärts zwischen zwei Gendarmen, saß der Verbrecher. Ihm gegenüber hatten der Bürgermeister Leißner und der Geistliche, unser ehemaliger Religionslehrer, Pastor Hinrichsen, Platz genommen. Vor den beiden Gendarmen schritt der Todeskandidat die Treppe hinauf; der Bürgermeister und der Pastor folgten.
Auf dem Podium verlas der Bürgermeister das vom König bestätigte Todesurteil, zerbrach einen kleinen Holzstab und schloß mit den Worten : „Dein Urteil ist gesprochen, Dein Stab ist gebrochen, Gott sie Deiner armen Seele gnädig.“
Ruhig hörte der Verurteilte alles an, betete darauf mit dem Geistlichen zusammen ganz laut das „Vaterunser“, worauf er dann dem Scharfrichter übergeben wurde. Die Hilfe eines Henkerknechtes beim Entkleiden lehnte er ab, entledigte sich sehr schnell der Oberkleider bis auf die Brust, wurde sodann an das mit dem Block in Verbindung stehende Brett geschnallt, das schnell auf dem Block zurückglitt.
In demselben Augenblick hatte der Scharfrichter unter dem roten Tuch das mit Schroten gefüllte Hohlbeil hervorgeholt. Da wandte ich mich ab und fast augenblicklich hörte man die Stimme des Bürgermeisters : „Das Urteil ist vollstreckt !“
Als ich dann wieder den Block auf das Schafott richtete, hielt ein Henkersknecht das Haupt des Gerichteten in die Höhe.“

Tragischerweise hatte das Ehepaar Höga Kinder (wieviele ist mir noch nicht bekannt), die nach dem Mord im Marienstift bei Flensburg untergebracht wurden. Schon am 9.Februar 1857 berichtet das Schleswiger Intelligenzblatt kurz über die Kinder, die älteste Tochter sei „sehr verkümmert“. Weiter heißt es, daß bereits im vorigen Jahre – der Mord wird also vor dem Jahr 1857 geschehen sein – unter „thätiger Mitwirkung des Herrn Gideonsen“ Spenden gesammelt wurden, die zur besseren Erziehung der Kinder verwendet werden sollten.

 

4. Fähre und Brücke nach Fahrdorf

 

Von altersher gab es von der Freiheit eine Fährverbindung nach Fahrdorf. Eigentümer und Betreiber dieser Fähre war das St.-Johanniskloster. Seit jeher wurde dafür ein Prahm verwendet. Bedingt durch die starken Truppenbewegungen des 17 Jh. wurde der Prahm ab 1676 durch einen Fährkahn ersetzt. Im Gegensatz zum Prahm konnte der Fährkahn nur Personen befördern, aber keine Wagen oder Gespanne.

Das Kloster hat sich aber anscheinend nicht besonders um die Sicherheit der Fähre gekümmert. Im Mai 1901 schlug die Fähre, ein Segelboot, bei starkem Ostwind um. Der Fahrdorfer Fährmann, seine Tochter, die alte Kuchen- und Brotfrau Janner Knuddel sowie ein alter Mann wurden in letzter Minute von einem Fischer vor dem Ertrinken gerettet.
Die Zeitung berichtet weiter, daß der Wind für ein sicheres Boot keine Gefahr dargestellt hätte und daß diese Fähre schon seit Jahrzehnten nicht mehr den Bedürfnissen eines gesicherten Verkehrs entspricht, der infolge dessen lieber weite unnatürliche Umwege sucht.
Wäre die Fährverbindung in der Hand der Gemeinden, wie z.B. der Stadt Schleswig oder Fahrdorf, wäre sie wahrscheinlich schon umgestaltet worden. Die Stadt hatte damals ein starkes Interesse, die Fährverbindung sicherer, besser, wirksamer und leistungsfähiger zu gestalten.
Aus dem Schriftwechsel zwischen der Stadt und dem St.-Johanniskloster ist ersichtlich, daß die Stadt im Mai 1903 versucht hat, die Fährverbindung zu übernehmen. Das Kloster hatte aber nicht die Absicht die Fähre zu verkaufen, aber es würde der Stadt die Fährgerechtigkeit gegen Zahlung von 20000 Mark überschreiben.
Anscheinend haben sich Stadt und Kloster einigen können, denn in einer kleinen Zeitungs-Announce vom Mai 1904 heißt es : Die dem adel. St. Johanniskloster gehörige, eine verbindung zwischen Schleswig (Freiheit) und Fahrdorf herstellende sog. Fahrdorfer Fähre soll zum 01. November 1904 durch den unterzeichneten Klostersyndikus anderweitig verpachtet werden.

Die Kosten für das übersetzen (Fährgeld) 1928 :

  • eine Person mit bis zu 25 Kg Handgepäck : 20 Reichspfennig (Rpf)
  • Pferd, Rindvieh, Esel pro Stück : 15 Rpf
  • Fohlen, Kälber,Kleinvieh pro Stück : 10 Rpf
  • Federvieh für angefangene 10 Stück : 15 Rpf

Für Fuhrwerke zusätzlich :

  • Reise- oder Lastfuhrwerk bis 200 Kg : 30 Rpf
  • Desgleichen von 200 bis 1500 Kg : 50 Rpf
  • Desgkeichen von 1500 bis 5 Tonnen : 100 Rpf
  • Desgleichen über 5 Tonnen : 150 Rpf
  • Hundefuhrwerk einschl. Hunde, Fahrrad, Handwagen : 15 Rpf
  • Motorfahrrad : 40 Rpf
  • Personenkraftwagen bis 800 Kg : 100 Rpf
  • Lastkraftwagen unbeladen : 100 Rpf
  • Lastkraftwagen beladen bis 5 Tonnen : 140 Rpf

Vom Entrichten des Fährgeldes waren befreit :

  • öffentliche Beamte auf Dienstreisen
  • Angehörige der Reichswehr und Marine sofern im Dienst
  • Beförderungen für Aufsichts- oder Wasserbauzwecke des Reiches oder Landes
  • Feuerwehrleute oder andere Hilfeleistende, die zum Einsatz eilen

Seit den 60er Jahren des 19.Jh. wurde in der öffentlichkeit lange die Möglichkeit einer Brücke zwischen der Freiheit und Fahrdorf diskutiert. Im Jahre 1867 lagen bereits Pläne für dieses umstrittene Projekt vor. Demnach war geplant, von beiden Seiten aus einen Damm in die Schlei zu bauen und diese beiden Dämme mit einer Brücke zu verbinden. Die Brücke war notwendig, damit die Fischer weiterhin die Schlei passieren konnten.

 

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Der geplante Damm um 1870.

 

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Die geplante Ponton-Brücke um 1870.

Fast wäre es 1870 zum Bau dieses Brückenprojektes gekommen. Die veranschlagten Kosten von 68000 Thalern waren nahezu aufgebracht, ebenso lag die landespolizeiliche Genehmigung zum Bau vor.
Aber infolge des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 kam dieses Projekt nicht zur Ausführung.

 

4a. Das Fährhaus

 

Im Bereich der ehemaligen Offiziersmesse, Block 45, stand bis etwa 1935 das Fährhaus. In dem Fährhaus war eine Gastwirtschaft untergebracht, auf der regelmäßig Veranstaltungen stattfanden.

 

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Das Fährhaus auf der Freiheit.

 

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Das Fährhaus auf der Freiheit.

Neben Maskeraden, Silvesterfeiern und Neujahrsempfängen profitierte das Gasthaus auch von den auf der Freiheit ausgetragenden Sportveranstaltungen.

 

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Announce für die große Silvesterfeier 1923.
Inhaber war in dieser Zeit Willy Fahs.

 

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Maskarade 1935. Wohl eine der letzten Veranstaltungen im Fährhaus.
Inhaber C.Bundzen.

Ein Teil der Gäste kam aber auch aus dem militärischen Bereich, so lädt Willy Fahs im Jahr 1923 die Mansteiner ein, die die Freiheit als Truppenübungsplatz nutzten, sein Fährhaus zu einem Sonntags-Kaffekränzchen zu besuchen.

 

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Kaffekränzchen 1923
Inhaber Willy Fahs.

 

 

5. Die Industrie auf der Freiheit

 

Das einzige auf der Freiheit errichtete Industriegebäude ist auch heute noch erhalten. Es handelt sich um den zuletzt von der Bundeswehr als Stabsgebäude und Bekleidungskammer genutzten Block 43.

 

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Das ehemalige Industriegebäude Block 43.
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Der Innenhof 2009.
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Das Hinterhaus auf der Bauzeichnung 1919.
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Das Hinterhaus im Jahr 2007.
88 Jahre später sind noch ähnlichkeiten zu erkennen.

Im Jahr 1919 hat die Firma Wilhelmsen & Co., Schleswig-Holsteinische Fischindustrie, die Absicht, auf dem Grundstück „Gaskoppel auf der Freiheit“ eine Fischräucherei und Konservenfabrik zu errichten.
Die Anlage soll hofartig errichtet werden, im Vordergebäude sollen neben Kontorräumen, Packraum und Versandraum auch 9 Wohnungen im Ober- und Dachgeschoß enstehen. Die restlichen Gebäudeteile gehörten zur Fabrik.
Im Innenhof wurde ein Kesselhaus errichtet, an dessen Stirnseite ein Wasserturm stand. Leider ist dieses technische Gebäude nicht mehr erhalten.

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Der geplante Neubau vom Oktober 1919.
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Zeichnung vom Kesselhaus und Wasserturm 1919.

Das Errichteten der Fabrik war aufgrund des Mangels an Baumaterial nicht einfach. Im Januar 1920 bittet die Firma Wilhelmsen & Co. die Stadt Schleswig um Unterstützung bei der Beschaffung von Zement, da es für die Firma offfentsichtlich unmöglich geworden ist, es selber zu beschaffen. Als Begründung wurde der allgemeine Nutzen dieses Gebäudes genannt, da ja 9 Wohnungen für verheiratetes Fabrikpersonal enstehen sollen und in Schleswig zu damaliger Zeit eine allgemeine Wohnungsnot herrschte. Die Stadt hat es der Firma daraufhin erlaubt, die Ziegel und Steine von dem Abbruch des „Hübsch´schen Speichers“ für deren Wohnungsbau zu verwenden.

 

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Die Freiheit 1924. Auschnitt aus einer Postkarte.

1 – Holmer Noor
2 – Das Fährhaus
3 – Das Fabrikgebäude
4 – Ein Bauernhof
5 – Schrebergärten
Bei dem Fabrikgebäude erkennt man deutlich den Wasserturm im Innenhof sowie die beiden Schornsteine der Fabrik Wilhelmsen die zunächst eine Fischräucherei, Marinieranstalt und Konservenfabrik war.
Mitte der 20´er Jahre hat sich die Produktion der Fabrik geändert. Auf einem Briefkopf aus dem Jahr 1924 heißt es : Wurst- und Fleischwaren, eigener Schlachthof.
Aber nicht nur die Firma Wilhelmsen hat in diesem Gebäude produziert. Hier war auch die Schleswiger Sanitätsmeierei angesiedelt sowie eine Eierverwertungsgesellschaft.

 

Aus dem Adreßbuch von 1934 :
Freiheit 1 (Eigentümer : Heinr. Johsten)
– Scheune
Freiheit 2 (Eigentümer : Nahrungsmittelwerke A.-G.)
– Sanitätsmeierei Schleswig e.G.m.h.
– Zweigstelle Schleswig der Eierverwertung Nordmark G.m.b.h. in Hamburg 5
Freiheit 2a (Eigentümer : Fischerzunft)
– Lohhaus
Freiheit 3 (Eigentümer : Friedrich Rathje)
– Reeperbahn
Freiheit 4
– Cartsen Bundtzen, Gastwirt
Freiheit 5 (Eigentümer : Stadtgemeinde)
– Strandpavillon mit Badeanstalt
Freiheit 7 (Eigentümer : Stadtgemeinde)
– Sportplatz
– Christ. Christensen, Platzwärter

 

Auf die Freiheit führte bis zum Jahr 1920 nur ein unbefestigter Feldweg. Um die Anbindung zur Fabrik zu verbessern beschlossen im Jahr 1920 die städischen Kollegien die Chaussierung dieses Weges. Die Gesamtkosten wurden mit 48000 M angegeben, von denen die Fischfabrik Wilhelmsen 10000 M übernommen hat. Im November 1921 ließ die Firma Wilhelmsen auf eigene Kosten eine Wegebeleuchtung herstellen.

 

 

6. Badeanstalt und Sportanlagen

 

Bereits um das Jahr 1900 muß es auf der Freiheit eine Badeanstalt gegeben haben, aus diesem Jahr gibt es einen Bauplan für ein Badehaus. Seit wann es auf der Freiheit eine Badestelle gab, ist mir leider nicht bekannt.
In Schleswig werden im Jahr 1925 zwei Badeanstalten genannt, das Luisenbad und die Militärbadeanstalt an den Königswiesen.
Der Reichsmilitärfiskus hat der Stadt 1925 die Badeanstalt Königswiesen überlassen unter der Bedingung, das das Militär nun das Luisenbad mitbenutzen darf. Die auf der Freiheit gebaute neue Badeanstalt, eröffnet im August 1925, wurde teilweise aus dem Baumaterial der alten Militärbadeanstalt errichtet.
Die Badeanstalt auf der Freiheit war in etwa dort, wo heute der ehem. Bootshafen der Kaserne ist. Das Badehäuschen wurde mit 21 Kabinen, Damen und Herren selbstverständlich voneinander getrennt, ausgestattet, das Gelände der Badeanstalt hatte eine Einfriedung aus einem 2m hohen Zaun.
Interessant sind die unterschiedlichen Verwendungen beider Badeanstalten. Das Luisenbad sollte genutzt werden von : den hiesigen Schulen (Domschule mit Realschule, Deutsche Oberschule für Mädchen, Lollfußer Knabenschule, Lollfußer Mädchenschule, Hilfsschule und Katholische Schule), der Schutzpolizei, der Reichswehr und dem Schwimmverein. Die öffentlichkeit konnte das Luisenbad nur zu bestimmten Stunden nutzen.
Die neue Badeanstalt sollte von den beiden Volksschulen Altstadt benutzt werden sowie von den privaten Badegästen.

 

Von Herrn Falk Ritter erhielt ich folgende Informationen aus einem Artikel der Schleswiger Nachrichten vom 29.5.1969 :
Auf der Freiheit unterhielt J. Koch seit 1881 ein Freibad. Die Wasserratten der Altstadt fühlten sich offenbar etwas stiefmütterlich behandelt, so daß um 1900 städtischerseits wieder bei den Königswiesen ein neues Badehaus für Jungen und an der „Freiheit“ ein solches für Mädchen geschaffen wurde.
An der „Freiheit“ entwickelte sich nach dem Bau einer Erfrischungshalle ein echtes Strandleben mit Strandkörben. 1905 wurde am Louisenbad ein Restaurant eingerichtet.

Die schöne Badegelegenheit an der „Freiheit“ ging 1934 verloren, als das Gelände vom Militär in Anspruch genommen wurde. Als Ersatz wurde im folgenden Jahr ein etwa dreihundert Meter langer Badestrand östlich vom Louisenbad geschaffen. Ein Saug- und Spülbagger wurde eingesetzt, um die erforderlichen Sandmengen westlich der Möweninsel zu entnehmen.

Seit wann auf der Freiheit Sportanlagen vorhanden waren, habe ich nicht herausfinden können. Im Jahr 1900 gibt es aber einen Schriftwechsel zwischen dem Infanterie Regiment von Manstein Nr.84 III.Bataillon Nr.559 und der Stadt Schleswig. Darin beschwert sich das Bataillon, daß die Einfriedigung der Bahn des Radfahrer-Vereins, die seit etwa 1888 besteht, die Exerzierübungen des Infanterie Regiments stört. Das Militär fordert von der Stadt die Entfernung der Einfriedigung.

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Schleswiger Radfahrerverein von 1886

Im Laufe der Jahre muß diese Radrennbahn eingegangen sein, denn im Jahre 1917 wurde ein „Verleihplan für Kleingärten auf der Freiheit“ erstellt. Daraus ist ersichtlich, das das Gelände westlich und nördlich des Fährhauses in Kleingartenparzellen unterteilt wurde. Ingesamt wurden ca. 150 Parzellen mit einer Größe von jeweils 200 qm angelegt.

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EInladung zum Sportfest auf der Freiheit August 1919.

Im Jahr 1926 wird auf dem Schrebergarten-Gelände ein Sportplatz gebaut. Die Einweihung fand am 12.September 1926 statt, der Tag, an dem die Schlußkämpfe der Reichsschulsportwoche stattfanden. über den neuen Sportplatz schreibt der Stadtbaurat Petersen im Rahmen der Einweihung :
Während so die Sportanlage als solche einen mächtigen Impuls verstärkter Pflege der Laibesübungen geben soll und wird, so soll aber die ganze Anlage auf der Freiheit mit ihrem nunmehr gesicherten Strand ein den Bedürfnissen seiner Besucher angepaßter wohltuender Aufenthaltsort sein, der auch dem nichtsporttreibenden Teil der Bevölkerung einen Anreiz geben soll, aus der Enge der Wohnung hinauszuwandern, um Licht, Luft, Strand und Aussicht in vollen Zügen zu genießen, um so den eingangs gestreiften städtebaulichen Zweck, sich als Glied in einem großen, noch weiter auszubauenden Erholungsgürtel, der sich teils durch Wall, teils auf einem Grünhang und schließlich am Schleistrand entlang um die Stadt schließt, eingeschmiegt, gerecht zu werden.

 

Folgende Sportarten wurden auf der neuen Sportfläche angeboten : Fußball, Leichtathletik, Gymnastik, Schlagball, Faustball und Turnen.

 

Im Jahr 1929 fordert der 1.Schleswiger Sportverein v. 1906 e.V. von der Stadt die Sichtversperrung auf das Stadion. Der Grund sind sinkende Einnahmen des Vereins bei Sportveranstaltungen, da man das Stadion auch ohne Eintritt zu zahlen, gut einsehen kann. Diese Sichtversperrung soll nur während der Spieldauer angebracht werden.
Ein beliebter Platz für das nichtzahlende Publikum war eine Bodenerhöhung vor dem Gasthaus, von der das ganze Stadion einsehbar war. Aus einer Bilanz von 1928 geht hervor, daß bei insgesamt 24 Sportveranstaltungen 3100 Zuschauer Eintritt gezahlt haben. Die Gesamteinnahme betrug 717,-RM, von der die Stadt 10% Abgaben bekommen hat.
Für das Jahr 1929 wurden die Einnahmen auf 126,-RM hochgerechnet bedingt durch die nichtzahlenden Zuschauer.

 

Ab 1935 wurde die Flieger-Ersatzabteilung 16 in dem ehemalige Fabrikgebäude stationiert. Damit war die Freiheit für die öffentlichkeit nicht mehr zugänglich.

 

 

Quellen: Stadtarchiv, Schleswiger Nachrichten 23.11.1901, 27.02.1927, März 1926, Mai 1923, Februar 1935, Dezember 1923, Januar 1920, August 1919, Privatarchiv
Schleswiger Intelligenzblatt Februar 1857
Heinrich Philippsen, Alt-Schleswig
August Sach, Geschichte der Stadt Schleswig
August Reimers, Das Husarenregiment 16

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